Abgekoppelt von der Nachfrage: Gebührengelder für Sport

Screenshot stern.de

Jedes Jahr fließen enorme Summen – Mittel aus öffentlichen Rundfunkgebühren – in Richtung Sport. Als Begründung wird häufig angeführt: Das eine hohe Nachfrage angeblich bestünde.

>>Tagesspiegel<<

“Das wird teuer für den Beitragszahler. Die ARD will sich verstärkt um TV-Übertragungen im Sport bemühen. Das geht aus der Anmeldung für den Finanzbedarf des Senderverbunds in der Beitragsperiode 2017 bis 2020 hervor, wie die “Mittelfristigen Finanzplanungen der ARD-Landesrundfunkanstalten 2013 – 2020″ zeigen. Für den Zeitraum 2017 bis 2020 hat die ARD 1,163 Milliarden Euro für den Erwerb der Lizenzen und der Produktion von Übertragungen bei der Prüfkommission KEF beantragt, das ist ein Plus von 66 Millionen Euro im Vergleich mit der Periode 2013 bis 2016. Zwei TV-Lizenzen stehen dabei im Fokus: Fußball – Bundesliga und Nationalelf – sowie Olympia.”

 

>>Berliner Morgenpost<<

“Genaue Zahlen nannte der Liga-Verband bislang allerdings nicht. Das ZDF wollte die Angaben der Zeitschrift am Dienstag nicht kommentieren. Die ARD ließ wissen, “zu Inhalten bestehender oder künftiger Verträge keine Angaben” zu machen.”

Die Ausgaben für die Übertragungsrechte steigern sich von Jahr zu Jahr, aber die Transparenz der ausgehandelten Verträge bleibt weiterhin – trotz Protesten – im unklaren. Allerdings ist das Interesse an Fußball in Relation zur Gesamtbevölkerung eher gering.

>>Horizont<<

“Die mediale Allgegenwart des Fußballs legt nahe, dass er von den Deutschen mit großem Interesse begleitet wird. Eine exklusiv für HORIZONT durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage liefert nun etwas andere Zahlen über das Fußball-Interesse der Deutschen. Demnach interessieren sich 42 Prozent der Bundesbürger überhaupt nicht für Fußball, weitere 34 Prozent bringen dem Fußball wenig Interesse entgegen. Stark interessiert sind nur 14 Prozent, 10 Prozent sind sehr stark von dem Thema begeistert. Am wenigsten präsent ist der Fußball bei den 14- bis 29-Jährigen, wo sich nur 17 Prozent stark oder sehr stark für die Sportart interessieren. Aber auch bei den 30- bis 44-jährigen gaben 78 Prozent an, dass sie nur wenig oder gar kein Interesse am vermeintlichen Lieblingssport der Deutschen haben. Seine größte Fanschar hat der Fußball hingegen bei den über 60-jährigen, von denen 30 Prozent das Geschehen mit starkem oder sehr starkem Interesse verfolgen.”

Die Einschaltquoten sind als Gradmesser vollkommen unzuverlässig, was natürlich die Frage aufwirft: Aus welchen triftigen Gründen Milliardenbeträge aus öffentlich-rechtlichen Gebührengelder alljährlich für diese Art der Unterhaltung ausgegeben werden? Abgesehen von den Kosten der Übertragungsrechte widmet sich ein wesentlicher Teil des Programms ausschließlich den Sport – insbesondere den Fußball.

Screenshot sportschau.de

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Ein Mediendienst berichtet, die ARD zahle Mehmet Scholl ein Honorar von 1,6 Millionen Euro, Oliver Kahn verdiene beim ZDF ähnlich.”

Das Staatsfernsehen hat zu der Thematik eine eigene Webseite “sportschau.de” eingerichtet, dort finden sich unzählige Interviews, Meinungen, Analysen und ähnliche Dinge. Die übrigen Spartensender wollen da keineswegs im Schatten bleiben und bieten ihrerseits vergleichbare Angebote an. Zwar gibt die >>Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten<< regelmäßig öffentlich einsehbare Berichte heraus, aber nach dem Lesen ist man in der Regel so schlau wie vorher: Relevante Daten findet man so gut nie darin.

>>Wolfgang Herles<<

“Es werden nicht unbedingt die besten Journalisten befördert, sondern diejenigen, die am besten in das Konzept des Konformismus passen. Sie müssen sich vorstellen: Wenn ein Programm systematisch sein Publikum verblödet, schlägt dieser Verblödungsmechanismus irgendwann auf die Redaktion selbst zurück. Das intellektuelle Niveau der Redaktionskonferenzen sinkt in dem Maße, wie Sie die Qualität und den Anspruch des Programms senken. Das ist ein Mechanismus, dem sie gar nicht entkommen können.”

Abgekoppelt von der realen Nachfrage hat der Sportbetrieb aus öffentlichen Gebührengeldern ein reges Eigenleben entwickelt.

 

 

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