Altersbezüge: „Ein Arbeitnehmer müsste 120 Jahre arbeiten, um die Pension eines Beamten zu erreichen“

Screenshot vimeo.com

Der sogenannte Eckrentnern ist ein gern und häufig verwendetes Synonym: Diese fiktive Person soll den Eindruck beim oberflächlichen Lesen vermitteln, die Rente sei sicher und die Arbeitnehmer müssen sich keine Gedanken machen. Dabei ist das Gegenteil richtig! Und außerdem ist richtig, dass der „Eckbeamte“ finanziell wesentlich besser dasteht.

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„Die Eckrente (45 Jahre Durchschnittsverdienst) lag 2013 zu Beginn der vergangenen Legislaturperiode bei 1266 Euro. Ein Abgeordneter erreichte eine Pension in dieser Höhe damals nach 6,14 Jahren.“

 

>>Versicherungsbote<<

„Bei der Rente im Alter wird oft auf den sogenannten Eckrentner verwiesen, der 45 Jahre lang exakt einen Entgeltpunkt verdient, und entsprechend seine eigene Rente verdient hat. Dass die gesetzliche Rente im Alter, Inflationsrisiko ausgeblendet, in den meisten Fällen kaum zum Leben reicht, zeigt dieses Zahlenbeispiel. Im Jahr 2015 hätte ein Eckrentner gut 1.300 Euro (West) oder etwas mehr als 1.200 Euro (Ost) Altersrente bezogen. Hiervon noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen. Am Ende bleiben dem Musterrentner nach 45 Arbeitsjahren je nach Lage des Falls rund 1.100 Euro Nettorente pro Monat. “

 

>>Deutsches Institut für Altersvorsorge<<

„Dieser konstruierte „Eckrentner“ dürfte jedoch in der Wirklichkeit so gut wie nie anzutreffen sein. … Wenn man den Eckrentner und dessen Alterseinkommen zum Maßstab für die zukünftige Rentenentwicklung nimmt, ist das Gros der Menschen schlechter gestellt. Laut Rentenbericht der Bundesregierung sowie der unterstellten Renten-Wachstumsrate von jährlich zwei Prozent wird die Eckrente bis zum Jahr 2029 auf 1.824 Euro steigen und somit nominal mehr als 500 Euro über dem heutigen Niveau liegen. Relativ betrachtet ergibt sich dennoch eine Verschlechterung, weil das Sicherungsniveau vor Steuern von heute 47,5 Prozent bis zum Jahr 2029 auf 44,6 Prozent sinken wird. Abgesehen von den Unwägbarkeiten der tatsächlichen Rentensteigerungen muss bei der Betrachtung der künftigen Renten noch die jährliche Inflationsrate berücksichtigt werden. Summa summarum wird die Bruttostandardrente für immer mehr Menschen im Alter zu einem abstrakten Wert, der für sie keine Bedeutung hat.“

 

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„Den Begriff des Eckbeamten gibt es eigentlich gar nicht. Dennoch soll er hier als Gegenstück zum Eckrentner eingeführt werden, um einen sinnvollen Vergleich zwischen Rentnern und Pensionären möglich zu machen. Der Eckbeamte hat 40 ruhegehaltsfähige Dienstjahre hinter sich gebracht und damit den höchstmöglichen Ruhegehaltssatz erreicht. Für die meisten Beamten gilt zwar noch die Übergangsregelung, nach der sie teilweise schon nach 35 Jahren den Höchstsatz erreicht haben; zugunsten der Beamten soll hier aber das aktuelle Recht ohne Übergangsregelung angewendet werden. Rund 25 % aller Beamten sind im höheren Dienst tätig, rund 50 % im gehobenen Dienst und ebenfalls rund 25 % im mittleren Dienst. Der durchschnittliche Beamte arbeitet somit im gehobenen Dienst und ist damit am Ende seiner Laufbahn in Besoldungsstufe A12 angelangt. Sein letztes aktives Einkommen beträgt dann inklusive ruhegehaltsfähiger Zulagen und Ehegattenzuschlag gut 4.800 €. Daraus errechnet sich eine Pension in Höhe von 3.600 €. Angaben des statistischen Bundesamtes führen zu einem sehr ähnlichen Ergebnis: Danach bekamen die Beamten, Richter und Soldaten des Bundes im Januar 2014 ein durchschnittliches Altersruhegeld in Höhe von 2.840 €. Zuzüglich der Erhöhungen in den Jahren 2014 und 2015 in Höhe von 2,8 % und 2,2 % ergibt sich für 2015 eine durchschnittliche ausgezahlte monatliche Pension in Höhe von rd. 3.000 €. Bei diesem Betrag handelt es sich jedoch um die tatsächlich gezahlten Pensionen und nicht um die Eckpensionen. Die Eckwerte sind deutlich größer als die ausgezahlten Beträge. So betragen die tatsächlichen durchschnittlichen Altersrenten im Westen 783 €, die Eckrente ist dagegen mit 1.314 € um mehr als 67 % höher. Die Differenz erklärt sich durch Teilzeitarbeit, Familienpausen und Arbeitslosigkeit. Beamte können zwar nicht arbeitslos werden, Teilzeitarbeit und Familienpausen führen jedoch auch bei ihnen dazu, dass die tatsächlichen Zahlbeträge niedriger liegen als die rechnerischen Eckpensionen. Und die Teilzeitquote ist mit 30 % bei Beamten sogar noch höher als unter den abhängig Beschäftigten insgesamt (13 % ohne Berücksichtigung von Mini-Jobs und sonstiger atypischer Beschäftigung). Es ist deshalb ohne weiteres zulässig, für diese Effekte einen sehr niedrigen Zuschlag auf den durchschnittlichen Zahlbetrag in Höhe von mindestens 20 % zu schätzen. Auch bei dieser Betrachtung ergibt sich dann eine Eckpension in Höhe von mindestens 3.600 €. Diese Eckpension ergibt sich bei einer unterstellten ununterbrochenen Vollzeittätigkeit über 40 Dienstjahre. Die Pension des Eckbeamten ist damit rund 3,1-mal so hoch wie die Rente des Eckrentners. Um es plastisch auszudrücken: Ein Arbeitnehmer müsste 120 Jahre arbeiten, um die Pension eines Beamten zu erreichen. Betrachtet man nicht nur den Bund, sondern bezieht auch die Länder und Gemeinden mit ein, so sind die Werte noch höher, und zwar aufgrund der Vielzahl der bei den Ländern beschäftigten Lehrer.“

Der direkte Vergleich zeigt: Ein Pensionär erhält rund dreimal so viele Bezüge, wie ein Rentner.

 

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