Armlänge Abstand: „Einen Idioten mit düsteren Absichten kann man kaum stoppen“

Screenshot all4shooters.com

Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Viele Bürger meiden bestimmte Gegenden oder gehen zu verschiedenen Veranstaltungen nicht mehr hin, weil die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann. Derweilen geben Politiker unterschiedlicher Couleur diverse Verhaltenstipps für den Bürger ab, sie selbst scheinen indes aber davon wenig zu halten und scheuen für ihre persönlichen Sicherheitsbedenken weder Mühen, noch Kosten.

>>NRW Innenminister<<

„Polizisten schützen wir dadurch, dass wir sie mit Schutzwesten ausstatten. Und Bürgerinnen und Bürger werden einfach sensibler sein müssen. Man muss nicht unbedingt Menschen nah an sich heranlassen.“

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat für Frauen einen Tipp: Sie sollen zu Fremden „eine Armlänge“ Abstand halten.“

 

>>Staatsfunk „Südwestrundfunk“ <<

„Als Hilfsmittel empfiehlt er, ganz klassisch, eine Trillerpfeife dabei zu haben: „Das heißt, in dem Moment wo Sie sich unsicher fühlen, wo Sie jemand anmacht, wo Sie sehen, Sie kommen in eine Situation, die für Sie bedrohlich ist: ganz laut trillern, um Hilfe herbeizuholen.“

Die amtliche Sicherheitsbelehrung kurz zusammen gefasst: Eine Armlänge Abstand halten und ganz laut trillern mit der Pfeife. Diese sogenannten „Ratschläge“ unterstreichen wohl eher die Dekadenz der Parteifunktionäre: Denn für ihre eigene Sicherheit legen sie ohnehin ganz andere Maßstäbe an.

>>Süddeutsche Zeitung<<

„In Deutschland genießen der Bundespräsident, der Kanzler, sämtliche Minister des Bundeskabinetts, Parteivorsitzende, Fraktionschefs und eine fast unüberschaubare Zahl von ehemaligen politischen Notablen Personenschutz. Das Bundeskriminalamt (BKA) erarbeitet eine so genannte Gefährdungseinschätzung, nach der sich auch die Zahl der Personenschützer richtet. Genaue Angaben zu den Schützern und den Beschützten werden aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gehandelt. Geschätzt wird, dass sich in Deutschland zwischen 500 und 700 Polizisten allein um Politiker kümmern. … „Einen Idioten mit düsteren Absichten kann man kaum stoppen“, meinte der Leibwächter eines hochrangigen deutschen Regierungsmitglieds am Donnerstag. … Mindestens drei Bewacher sind immer in unmittelbarer Nähe des zu Beschützenden – einer läuft voraus, einer ist an der Seite und der dritte folgt in etwa fünf Meter Abstand.“

 

>>Bundeskriminalamt<<

„Der erforderliche Personenschutz ist deutlich mehr als nur die oftmals sichtbare unmittelbare Begleitung in- wie ausländischer Schutzpersonen. Die Gewährleistung eines „sicheren“ Raumes als Ausdruck professionellen Personenschutzes erfordert eine breite Palette ineinandergreifender, unterschiedlicher Maßnahmen. … Um Personenschützer/in beim BKA zu werden, muss man die allgemeine Ausbildung für den gehobenen Polizeivollzugsdienst absolvieren. Anschließend erfolgt eine mehrmonatige Spezialausbildung im BKA. Zum Berufsalltag eines Personenschützers gehört kontinuierliches Training in Selbstverteidigung, Schießen, Teamübung etc. Eine hohe physische Fitness ist für diesen Beruf wichtig, damit man für jeden Ernstfall gerüstet ist.“

 

>>Deutscher Bundestag<<

„Der Deutsche Bundestag ist ein eigener Polizeibezirk, in dem der Bundestagspräsident das Hausrecht und die Polizeigewalt ausübt. Die Polizei beim Deutschen Bundestag sorgt für die öffentliche Sicherheit und Ordnung und damit für die Arbeitsfähigkeit des Parlamentes und seiner Gremien. Die Polizeibeamten sind für alle Gebäude, Räume und Grundstücke verantwortlich, die der Verwaltung des Bundestages unterstehen, aber auch für solche, die nur vorübergehend vom Bundestag etwa bei internationalen Konferenzen genutzt werden. Die parlamentarische Polizeigewalt ist in der Verfassung verankert. Die Zuständigkeit anderer Polizeibehörden im Bereich des Deutschen Bundestages wird damit ausgeschlossen. Der Bundestag ist so vor einer Einflussnahme durch Exekutive und Judikative geschützt, was dem Prinzip der Gewaltenteilung entspricht.“

Der Deutsche Bundestag verfügt über eine eigene sogenannte „Privatpolizei“ : Offensichtlich trauen die Parteifunktionäre nicht mal ihrer eignen „normalen“ Polizei über den Weg. Auch die Spezialausbildung des Bundeskriminalamtes wirft in den Zusammenhang merkwürdige Fragen auf. Wie auch immer, fest steht aber eines: Auf ihre eignen Ratschläge, Trillerpfeife und Armlänge Abstand verlassen sich die Parteifunktionäre keinesfalls.

 

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