Autonomes Venetien: Die politische und ökonomische Grenze zu Italien

Screenshot lustauf.de

Zwischen Süd- und Norditalien klafft ein enormes ökonomisches Tal, welches bis zum heutigen Tag nicht überwunden werden konnte. Dies äußerte sich jüngst in einen Referendum nach mehr Autonomie für die Region Venetien.

>>Spiegel<<

“Im Nordosten Italiens lebt ein altes Volk mit großer Geschichte, die Veneter. Die waren früher bettelarm, sind heute vergleichsweise reich und entsprechend unzufrieden. Daran sind die Italiener schuld, die sie unterdrücken und ausbeuten. Gut 20 Milliarden Euro an Steuereinnahmen überweisen die fleißigen Veneter alljährlich an die Staatskasse. Trotzdem haben sie nicht einmal einen Minister in Rom. Und was an Geld zurückfließt, für den Straßenbau oder die Schulen zum Beispiel, ist arg wenig, finden die fleißigen Veneter. So soll es nicht bleiben. “Wir sind diese Trinkgelder leid, die uns dieser Schurkenstaat graziös zubilligt”, sagt Riccardo Barbisan, Abgeordneter im venetischen Regionalparlament, etwa vergleichbar einem deutschen Landtag. “Schluss damit”, ist seine Parole, “wir müssen mit allen Mitteln unsere bedeutende Geschichte und unsere Kultur verteidigen.”

Die besagten 20 Milliarden Euro stellen bei einen Bruttoinlandsprodukt von 155 Milliarden Euro eine gewaltiger Abfluss an Mitteln aus Venetien da.

>>Zeit<<

“Viele Bewohner der wirtschaftlich starken Regionen – rund 30 Prozent tragen sie zum Bruttoinlandsprodukt Italiens bei – werfen der Zentralregierung in Rom vor, die Steuereinnahmen aus dem Norden in die armen Gebiete in Süditalien umzulenken. Nun wollen Zaia und Maroni ihre Abgaben an Rom um die Hälfte kürzen. Zudem wollen sie größere Befugnisse in Fragen der Infrastruktur, Umwelt, Gesundheit und Bildung fordern. Schließlich verlangen sie größere Autonomie bei Sicherheitsfragen und Immigration.”

 

>>Der Standard<<

“Angesichts der starken Autonomie in dem an uns angrenzenden Trentino-Südtirol ist Venetien objektiv in Schwierigkeiten. Wir können unseren Unternehmern und Bürgern nicht all das bieten, was unsere Nachbarn bieten können. Unser Ziel ist, dasselbe Niveau an Autonomie wie Südtirol zu erreichen”, betonte der Präsident Venetiens, Luca Zaia.”

Hier zeigt sich klar die Analogie: Das Autonome Südtirol ist durch ihren fiskalisch niedrigeren Abfluss an Mitteln und der geringen rechtlichen Bevormundung durch Rom klar in einer besseren Position, als das vergleichbar benachbarte Venetien. Ähnliches gilt auch für die Schweiz, die mit ihrer eignen Währung und den kleinen Kantonen wirtschaftlich wesentlich besser dastehen, als das viel größere benachbarte Deutschland.

>> Wir schaffen das – alleine! von Andreas Marquart & Philipp Bagus<<

“Riesenreiche – wie sie in Asien entstanden und noch bestehen – führen dazu, dass sich politische Fehler häufen und nicht korrigiert werden. Dazu meinte der Philosoph Karl Popper (1902–1994): »Jede politische Machtanhäufung führt mit Notwendigkeit dazu, dass kleine Fehler zunächst unbemerkt bleiben …« Aber es geht nicht nur darum, Fehler und Fehlentwicklungen schnellstmöglich einzudämmen. Generell sind in Kleinstaaten die Auswirkungen schlechter Politik schneller und unmittelbarer sichtbar. Aus moralischer Sicht wiegt viel schwerer, dass durch die hohe Machtkonzentration in Riesenreichen die individuelle Freiheit auf der Strecke bleibt. Und ohne Freiheit erlahmen technologischer, kultureller und wirtschaftlicher Fortschritt. Europas Aufstieg und Blüte ist damit untrennbar mit seiner politischen Dezentralisierung ­verbunden.”

Die ganzen aufgeführten Beispiele lassen sich ohne weiteres auf die Lausitz übertragen: Der Ausstieg aus der Kohle wird weitestgehend von führenden politischen Kräften aus Brüssel, Berlin und teilweise den jeweiligen Landeshauptstädten forciert. Selbst die Protestaktionen der selbsternannten “Klimaretter” kommen überwiegend von außerhalb. Auch was die Infrastruktur zu Schiene, Straße oder Datenautobahn betrifft sind die Abhängigkeiten immens und Fortschritte kaum möglich oder werden bisweilen torpediert.

 

 

 

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