Beamte: Der neuzeitliche Adel

Screenshot oxford-royale.co.uk

Im Grundgesetz steht in Artikel 3, Absatz 1: “Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.” Die Realität sieht freilich etwas anders aus und besonders wenn es um die Privilegien von Beamten geht: Liegen Anspruch und Wirklichkeit sehr weit voneinander entfernt.

>>Staatsfernsehen “Bayerischer Rundfunk” <<

“Anerkannte Asylbewerber, die keinen Job finden, erhalten wie Deutsche auch Sozialleistungen und sind krankenversichert. Die gesetzlichen Krankenkassen bekommen 96,81 Euro pro Arbeitslosengeld-II-Empfänger. Doch reicht das? Rund 40 Euro mehr müssten es sein, behauptet die Bild-Zeitung.”

Die gesetzlichen Krankenkassen sind solidarisch organisiert: Die fehlenden rund 40 Euro werden anteilig von den übrigen Beitragszahler übernommen. Davon ausgenommen sind Beamte: Denn die sind in der Regel über eine private Krankenversicherung versorgt.

>>Check24<<

“Eine private Krankenversicherung ist für Beamte in der Regel deutlich günstiger als die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Kasse. Denn sie haben meist Anspruch auf Beihilfe, mit der sich ihr Dienstherr an den Gesundheitskosten beteiligt. Erhält ein lediger Bundesbeamter beispielsweise eine Beihilfe von 50 Prozent, erstattet ihm der Dienstherr die Hälfte seiner anfallenden Gesundheitskosten. Er benötigt daher eine private Krankenversicherung, welche die andere Hälfte seiner Kosten abdeckt.”

 

>>Spiegel<<

“Der Beamtenbund (dbb) lehnt die SPD-Idee einer einheitlichen Bürgerversicherung – anstelle von gesetzlicher und privater Krankenversicherung – entschieden ab. Man werde “jedem Versuch entgegentreten, Versorgung und Rente, Beihilfe, PKV und gesetzliche Krankenversicherung in einen Topf zu werfen”, sagte Beamtenbundchef Ulrich Silberbach. Seine Warnung klingt schrill: Der Beamten-Vertreter sieht durch eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung sogar “die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens” gefährdet, deren “Rückgrat nun einmal die Beamten mit ihrem besonderen und entsprechend alimentierten Pflicht- und Treueverhältnis sind”.

 

>>Deutscher Beamtenbund<<

“Man könne zwar nicht sagen, dass beim Privatisierungsprojekt Post alles misslungen sei. Gelungen sei es aber mit denselben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zuvor im „Staatsbetrieb Deutsche Bundespost“ gearbeitet haben, konstatierte Silberbach. Bei allem Verständnis für den Wettbewerb der Unternehmen müssten „dauerhafte Aufgaben im Kerngeschäft auch von dauerhaft angestellten, eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfüllt werden – und zwar auf der Basis fairer Tarifverträge“, forderte der dbb Chef.”

Die Tarifbindung nimmt schon seit Jahren ab und was genau jene “Basis fairer Tarifverträge” sein soll bleibt unklar. Ob Beamte wirklich für die Funktionsfähigkeit des Staatswesens unerlässlich sind: Darf getrost bezweifelt werden.

>>Frankfurter Rundschau<<

“In seinem Buch „Beamte. Was die Adeligen von heute wirklich verdienen“ (Tectum Verlag) rechnet der gelernte Bankkaufmann und Betriebswirt Torsten Ermel den Wert dieser Privilegien genau aus. Sein Ergebnis: Im Vergleich zu einem Arbeitnehmer mit vergleichbarem Aufgabenfeld verdient ein Beamter effektiv rund das Doppelte. Dabei geht es Ermel nicht um „Beamtenbashing“, sondern um Gerechtigkeit, wie er betont. Als Steuerberater fiel Ermel (Jahrgang 1966) schon früh auf, dass es zwischen Beamten und „normalen“ Arbeitnehmern große Einkommensunterschiede gibt. Das liegt nicht zuletzt an den teilweise unsinnigen Zuschlägen, die man im Staatsdienst erhält. Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Ehegattenzuschlag, der bis zu 133 Euro im Monat beträgt. Kurios: • Auch verwitwete Beamte bekommen den Ehegattenzuschlag • Es wird nicht geprüft, ob der Ehepartner selbst ausreichend verdient • Sogar wenn beide Ehegatten verbeamtet sind, erhalten sie den Zuschlag, jeder zur Hälfte … Auch für Kinder gibt es Extrageld: „Für einen Beamten im mittleren Dienst mit drei Kindern summieren sich die Kinderzuschläge im Laufe von 25 Jahren auf 170.700 Euro.“ Rechne man in diesem Beispiel noch den Familienzuschlag hinzu, ergeben sich insgesamt Familienzuschläge von 252.780 Euro. „Das entspricht für den Durchschnittsverdiener in Vollzeit der Arbeitsleistung von fünfeinhalb Jahren“, rechnet Ermel vor. Auch bei der Altersvorsorge genießen Beamte einige Privilegien, wie Torsten Ermel recherchiert hat: • Beamte erhalten 25 Prozent mehr Riesterzulage als Arbeitnehmer • Pensionäre, die während ihrer Dienstzeit hauptsächlich in den Besoldungsgruppen A7 bis A10 (Sachbearbeiter-Ebene) eingestuft waren, erhalten eine höhere Altersversorgung als Arbeitnehmer, die 45 Jahre lang Spitzenverdiener waren • Beamte können die Mindestpension von 1573 Euro monatlich schon nach fünfjähriger Dienstzeit erreichen • Ein Arbeitnehmer müsste 120 Jahre arbeiten, um die Pension eines Beamten zu erreichen „Für die genannten und viele weitere Privilegien gibt es in der heutigen Zeit keine Rechtfertigung mehr. Sie sind ungerecht und nicht mehr zu bezahlen“, schreibt Autor Ermel im Manager Magazin.”

Tatsache ist: Beamte genießen zahlreiche Privilegien und verteidigen diese eifrig.

 

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Werbung

table-layout
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Loading...
Scroll Up