Bildersturm: “Die Kunst über guten und schlechten Geschmack definiert.”

Screenshot entoen.nu

In der Geschichte gab es eine Vielzahl von Ikonoklasmus: Der Letzte – zumindest in heimischen Gefilden – dürften die Geschehnisse unter den NS-Regime gewesen sein. Diese haben Werke als vermeintlich “entartete Kunst” definierten: Bereits im Jahr 1932 – also unmittelbar nach der Machtergreifung – musste das Bauhaus seinen Lehrbetrieb einstellen.

>>Stadt Frankfurt am Main<<

“Im Sommer 1937 entfernten die Nationalsozialisten auf Geheiß des Propagandaministers Joseph Goebbels so genannte „entartete Kunst“ aus allen Museen des Reiches.”

Zur Zeit erlebt der Bildersturm eine Neubelebung: Die Bandbreite der Motive reicht beginnend mit den vermeintlichen Sexismus, über religiöse Gefühle bis hin zu historischen Fotografien aus der NS-Zeit.

>>Welt<<

“In der Hamburger Helmut-Schmidt-Uni hing ein Foto des Namenspatron, das ihn in Wehrmachtsuniform zeigte. Es wurde auf Befehl entfernt. … Der Traditionserlass der Bundeswehr von 1982 beinhaltet neben vielen ausdrücklichen Bezügen zu den Werten des Grundgesetzes den Satz: „Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen.“ Daraus kann der berechtigte Schluss gezogen werden, dass eine Fotografie des Wehrmachtsoffiziers Helmut Schmidt in seiner Uniform nicht zu den Herzstücken der Traditionspflege der Bundeswehr gehört. Eine Abbildung in der Funktion als erster SPD-Verteidigungsminister in der sozialliberalen Koalition von 1969 bis 1972 dagegen sehr wohl.”

 

>>Der Tagesspiegel<<

“Auf der Galerie-Etage des Rathauses Köpenick befindet sich die Einbürgerungsstelle des Bezirks. Es kommen täglich Menschen mit Migrationshintergrund über die Flure. Doch von ihnen hat sich laut Bezirksamt keiner über die beiden Aktfotos beschwert, die inmitten anderer Bilder beim diesjährigen „Foto Klub Forum“ zu sehen waren. Dennoch: Die Bilder wurden abgehängt. Obwohl es eine „grundsätzliche Offenheit gegenüber Ausstellungsprojekten mit Aktfotografie“ gebe, seien „ die Rahmenbedingungen im Rathaus für eine derartige Ausstellung nicht geeignet“, schrieb Kulturamtsleiterin Annette Indetzki den Organisatoren in einer Mail zur Begründung dieses Schritts. Und weiter: „Es kommen viele Menschen mit Migrationshintergrund in das Rathaus (z.B. wegen Einbürgerung), deren religiöse Gefühle durch Aktfotos nicht verletzt werden sollen.“ De facto hatten sich aber wohl nur Rathausmitarbeiterinnen und eine Bürgerin beschwert, sämtlich ohne Migrationshintergrund. Ist dies nun vorauseilende Unterwerfung, ähnlich jener, die in der Verhängung von Statuen in Rom anlässlich des Besuchs des iranischen Präsidenten Hassan Rohani im vergangenen Januar zum Ausdruck kam?”

 

>>Göttinger Tageblatt<<

“Beschwerden bei der Gleichstellungsbeauftragten der Universität, ein offener Brief der Wohnrauminitiative und „heftige öffentliche Reaktionen“ haben dazu geführt, dass die Ausstellung „Geschmackssache“ am Freitag aus der Zentralmensa entfernt wurde. Das, so teilt der Chef des Studentenwerks, Jörg Magull, mit, sei nach Rücksprache mit den acht Künstlern der Gruppe „Das KomiTee“ beschlossen worden. „Die Künstler haben aufgrund der heftigen öffentlichen Reaktionen auf einige wenige Bilder entschieden, alle 45 Bilder der Ausstellung „Geschmackssache“ am Freitagabend nach Schließung der Zentralmensa abzuhängen“, so Magull. Die Geschäftsführung des Studentenwerks äußerte ihr Bedauern über diese Entwicklung. Magull: „Es ist schade, wenn das Studentenwerk in einem universitären Umfeld, das sich der Aufklärung verpflichtet fühlt, satirische Kunstausstellungen, die auch provozieren können, nicht zeigen kann.“ Er hoffe, dass dies nicht der Beginn einer Entwicklung sei, die Kunst über guten und schlechten Geschmack definiert.”

Unglücklicherweise hat diese Entwicklung bereits eingesetzt: In öffentlichen Räumen werden bereits Bilder entfernt.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Der Deutsche Kulturrat betonte hingegen, dass das Grundgesetz die Kunstfreiheit gerade auch im öffentlichen Raum gewährleiste. Geschäftsführer Olaf Zimmermann forderte die Göttinger Studenten und Professoren dazu auf, die Konsequenzen dieser „Zensur“ zu überdenken. Sie „sollten die Freiheiten in unserem Land mit Nachdruck verteidigen und nicht leichtfertig aufgeben.“

Bereits im Jahr 2004 wurde ein niederländischer Filmemacher ermordet, der Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo kostet 28 Menschen das Leben und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen führte zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit mindestens 139 Toten. Die Verteidigung der Kunstfreiheit kann mitunter ein sehr blutiges Unterfangen sein.

 

 

 

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