Bildung und die Drei-Klassen-Gesellschaft

Screenshot youtube.com

Viele Bürger welche aus einfachen Verhältnissen stammen überlegen es sich heutzutage sehr genau, ob sie an einer weiterführenden Universität oder Hochschule studieren sollen. Die Gründe kommen dabei keineswegs von ungefähr.

>>Süddeutsche Zeitung<<

“Bahnchef Rüdiger Grube zum Beispiel: Einer der einflussreichsten Manager Deutschlands erzählt dem jungen Journalisten, wie er mit 26 Jahren, nach seinem ersten Studium, an einem schweren Erschöpfungszustand litt. … Das Geld ist knapp, da sind keine Eltern, die mal eben was zuschießen, sie müssen neben dem Studium arbeiten und sich nicht zuletzt in einem Umfeld zurechtfinden, in das sie anders als Akademikerkinder nicht hineingeboren wurden.”

 

>>Katja Urbatsch<<

“Nicht nur die ideelle Unterstützung, sondern auch die finanzielle fehlt oft. Was ist, wenn eine Schülerin studieren möchte – und überhaupt kein Geld zur Verfügung steht? Weil ein Studium auch aus finanzieller Sicht ein Risiko bedeutet, wird der Druck auf den Studenten enorm erhöht. Wenn er es nicht schafft, steht man vor dem Nichts – und hat sich oft noch verschuldet.”

 

>>Zeit<<

“Es bewegt sich etwa auf dem Niveau der USA, wo der Aufstieg aus einem armen Elternhaus besonders schwierig ist. Glaubt man den Forschern, hat die Herkunft sogar mehr Einfluss als andere Faktoren wie etwa die Körpergröße, die ebenfalls über Karrieren entscheiden kann. Woran liegt’s? Die Ökonomen schreiben selbst, dass die Daten hierüber nur wenig Aufschluss geben. Studien aus Dänemark legen nahe, dass die Unterschiede bei den Einkommen weniger mit kulturellen Gründen zu tun haben, als mit institutionellen. Sprich: Mit dem Bildungssystem. Dass dieses in Deutschland zahlreiche Ungerechtigkeiten schafft, ist nicht unbedingt neu. Zeit, eine neue Bildungsdebatte zu beginnen.”

Die Ergebnisse zahlreicher jahrelanger “Bildungsreformen” sind dann in aussagekräftige Statistiken zu finden.

>> Kerstin Herrnkind – Vögeln fürs Vaterland? Nein danke! (Buch) <<

“Wen wundert es da, dass hierzulande von 100 Kindern aus Arbeiterfamilien nur 23 studieren? Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien dagegen 77. Auch hier wird Potenzial verschleudert. Und das in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland, dessen wertvollster Rohstoff der Grips seiner Bevölkerung sein sollte. Aber wehe, jemand wagt, die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems zu fordern, der muss sich als »Gleichheitsfanatiker« beschimpfen lassen. Schon im 19. Jahrhundert schickte das Volk seine Kinder auf die Volksschule, die Kinder des Mittelstandes gingen auf die Mittelschule und die der Oberschicht lernten in der Oberschule. Das Schulsystem spiegelte die Drei-Klassen-Gesellschaft wider.”

Immerhin beruht die Bildungspolitik hierzulande auf einer langen und beständigen Tradition.

>>Wikipedia<<

“Nach der Befreiung vom nationalsozialistischen Regime setzen die Alliierten eine Kommission ein, die ergründen sollte, inwiefern das deutsche Bildungssystem mit zur Entfaltung des Nationalsozialismus in Deutschland beigetragen hatte. Nach ihrem Leiter George F. Zook benannt, kam die Zook-Kommission zu dem Schluss, dass die sehr frühe Aufteilung der Schülerschaft durch das dreigliedrige Schulsystem ein Standesdenken fördere, welches seinerseits eine Untertanenmentalität hervorbringe. … Ralf Dahrendorf machte 1965 auf diese Bildungsbenachteiligung in seiner Untersuchung Arbeiterkinder an deutschen Universitäten aufmerksam. Eine ethnologische Untersuchung der kalifornischen Stanford University kam zu dem Schluss, dass der Unterricht für Arbeiterkinder Anfang der 1960er-Jahre in Baden-Württemberg im Einüben normativer Sinnsprüche bestand. Diskretion und Takt von Lehrern gegenüber Arbeiterkindern gab es nur in Ausnahmefällen. Die Auswertung ergab weiterhin, dass Schüler in den Volksschulen regelmäßig geohrfeigt wurden: für schlampige Hausarbeiten, Streit, Widerworte, verschmutzte Kleidung, ungewolltes Beschädigen von Schulmaterial, schlechte Tischmanieren oder langsames Essen. Bis 1962 wurde an Gymnasien noch Schulgeld erhoben.”

Schon der Roman von Heinrich Mann “Der Untertan” gibt die Verhältnisse vor Beginn des Ersten Weltkrieges wieder und zeichnet literarisch die Dekadenz seiner Zeit nach. Erst mit der Gründung der DDR war es überhaupt möglich: Das breite Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit hatten weiterführende Schulen, Hochschulen und Universitäten zu besuchen. Trotz aller Fehler der Deutsche Demokratische Republik strahlten derartige Bestrebungen weit über die Grenzen des kleinen Landes hinaus und nötigten die damaligen Bundesrepublik Deutschland ihrerseits dem Zugang zu Bildungseinrichtungen offener zu gestalten. Von diesen einstigen Reformen ist heutzutage nur eine blasse Erinnerung übrig geblieben.

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Werbung

table-layout
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Loading...
Scroll Up