Bildungspolitik: Warum die Zukunft anderswo stattfindet

Screenshot techviral.net

Selbst ungeübte Beobachter stellen unfreiwillig fest: Technologische Innovationen finden zunehmend in anderen Ländern statt. Die Ergebnisse hiervon – kommen dann als fertige Produkte oder Dienstleistungen am Ende des Entwicklungsprozesse als Neuerung hier an. Die Ursachen hierfür sind bereits frühzeitig zu Verorten.

>>Armut hier und heute – Adelheid Wedel (Buch) <<

“Ärmere Familien, also Eltern, die arbeitslos oder Geringverdiener sind, haben ein Anrecht auf staatliche Unterstützung. Das ist im Schulgesetz verankert. Diese Hilfen müssen von den Eltern beantragt werden. Bereits vor der Einschulung bzw. vor Beginn eines neuen Schuljahres müssen sie sich vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur eine Bescheinigung ausstellen lassen, damit die Schule die Lehrmaterialien, also alle Arbeitshefte und Lehrbücher, für sie einkauft. Das Ganze wird vom Landesschulamt verwaltet.”

Die Bürokratisierung von Bildung setzt sich später in Studium nahtlos fort.

>>Zeit<<

“Ich habe eine Ausbildung zum Grafikdesigner gemacht und dann in Regelstudienzeit Produktdesign studiert. Trotzdem finde ich keinen Job. Ich habe rund 30.000 Euro Schulden wegen dem Bafög und einem Bildungskredit. Oft frage ich mich, was mir mein Studium eigentlich gebracht hat. Mein Studium stand für mich immer an erster Stelle, nebenher gearbeitet habe ich nie; ich wollte mich ganz auf meine Seminarprojekte und Möbelentwürfe konzentrieren und im Ausland studieren. Außerdem war ich auf Bafög angewiesen, sodass ich keine Urlaubssemester für Praktika oder Jobs einlegen konnte, sondern in der Regelstudienzeit fertig werden musste. Meine Mutter ist alleinerziehend und hätte mich während unbezahlter Praktika nicht finanziell unterstützen können. Als ich für meinen Master in eine andere Stadt gezogen bin, wo die Mieten deutlich teurer waren, habe ich einen Bildungskredit aufgenommen. Man gab mir zwei Jahre Zeit für den Abschluss. Kurz vor meinem Master-Abschluss war ich sicher, dass ich irgendwie einen Job finden würde. Mit meiner Ausbildung und meinem abgeschlossenen Studium würde ich ein gefragter Absolvent sein, dachte ich. Meine Familie und Freunde sahen das auch so. Was beim Jobeinstieg zählt, ist ein fertiger Abschluss und der akademische Titel, sagten sie mir immer. Im Nachhinein war das naiv. Am Ende des dritten Semesters im Master habe ich angefangen, nach Jobs zu suchen. Als ich die Stellenanzeigen las, war ich optimistisch. Ich erfüllte alle Anforderungen: Ich beherrschte verschiedene Designprogramme, konnte 3-D-Objekte und -Flächen erstellen, Räume einrichten, Autos gestalten, hatte Werkstatt-Erfahrung und konnte mit 3-D-Druckern umgehen. Ich schickte rund 30 Bewerbungen und Mappen raus, voller Entwürfe für Möbel und industrielle Produkte, die während des Studiums entstanden waren. Dass keins davon bisher auf dem freien Markt gelandet war, störte mich nicht. Meine potenziellen Arbeitgeber schon: Ich bekam eine Absage nach der anderen. Einmal fragte ich nach, woran es gelegen hatte. Antwort: “Wie Sie unserer Stellenausschreibung entnommen haben dürften, suchen wir nach Kandidaten mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung. Die haben Sie nicht.” Das saß. Mein Studium war also keine Eintrittskarte für einen Job. Ich brauchte Berufserfahrung. Nur, wie sollte ich die sammeln – ohne Job?”

 

>>Presseportal<<

“Rund zwei Drittel aller deutschen Studenten beenden das Studium mit Schulden, nur 37 Prozent werden schuldenfrei ins Berufsleben einsteigen. Jeder zweite Verschuldete behauptet, dass die Rückzahlung ihm manchmal Sorgen macht (50 Prozent). 44 Prozent versuchen, regelmäßig Geld zur Seite zu legen, um die Studienschulden schneller abbezahlen zu können.”

Die fortschreitende Industrialisierung von Studiengängen zeigt Wirkung. Das staatliche Bafög ist – in Gegensatz zu früher – beinahe zu einen vollständig rückzahlbaren Darlehen mutiert – mit einem verschwindet geringen Anteil einer sozialen Komponente. Eine wesentliche Voraussetzung zu Gewährung des Kredites ist: Das Studium muss in der vorgebenden Regelstudienzeit absolviert werden. Die einzelnen Semester sind mit Lerninhalten derart eng getaktet , dass es praktisch ausgeschlossen ist, nebenbei noch zu arbeiten oder freiwillig betriebliche Praktika zu absolvieren – ohne seinen Anspruch zu verlieren.

>>Spiegel<<

“Jetzt ist die Vergangenheit nichts mehr wert, die Zukunft nur noch bedrohlich und die Gegenwart voller Zweifel und Angst.  Woran es liegt, dass er jetzt so traurig und kraftlos ist? Wie es kommen konnte, dass er derzeit kaum noch rauskommt aus diesem schwarzen Loch? Patrick muss nicht allzu lange überlegen. Das Studium, sagt er. Das Studium sei der Hauptgrund. Der Stress, die Geschwindigkeit, das Anonyme. Die Angst, an der Universität nicht die gleiche Leistung bringen zu können wie damals an der Schule.  Es sind Ängste und Sorgen, die Zehntausende Studenten plagen, und häufig wachsen sie sich zu tiefgehenden seelischen Nöten aus. Rund 23.200 Studierende haben 2010 die psychologischen Beratungsstellen des deutschen Studentenwerks besucht, die Zahl der Beratungen hat sich seit 2003 verdoppelt. Die Ratsuchenden berichten von chronischer und bleierner Müdigkeit, von scheinbar grundloser Traurigkeit, von Konzentrationsschwächen, von der plötzlichen Angst vor Mitmenschen. Viele leiden unter Burnout, einem Leiden, das zu einer modernen Epidemie geworden ist.”

Neben einer Fülle von Problemen kommen noch eine weitere gravierende Fragestellung hinzu: Die Verknüpfung von eng gestaffelten Studienzeiten gekoppelt mit einer finanziellen Unfreiheit der Studenten, stellen einem Eingriff in die Freiheit der Wissenschaft da. Ein Studium beinhaltet eben nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern das selbstständige Produzieren von neuen Erkenntnissen – welche unter Umständen die Zukunft bestimmen können.

>>german.china.org.cn<<

“Guo Jiao, der stellvertretende Direktor des Forschungsinstituts MyCOS, sagte, die stabile Beschäftigungsrate vergangenes Jahr sei durch zwei Faktoren angetrieben worden: Viele Hochschulabsolventen hätten weiterstudiert, um einen höheren Abschluss zu erlangen, während andere ihr eigenes Unternehmen gegründet hätten. … Insgesamt drei Prozent gründeten ein eigenes Unternehmen, eine kleine Veränderung zu den vergangenen beiden Jahren.”

Studenten hierzulande als Firmengründer – dazu sind keine verlässlichen Zahlen zu finden. Zum einem haben die heutigen Studierenden dafür in der Regel überhaupt keine Zeit und zum anderen ist aus dem selben Gründen, das selbständige Denken an Universitäten immer weiter in den Hintergrund gerückt. Als Fazit kann ohne weiteres Behauptet werden: Die derzeitige Bildungspolitik verbaut systematisch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft des Landes.

 

Screenshot news.uchicago.edu

 

 

 

 

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