Das Rückzuggebiet der italienischen Mafia

Screenshot w-dog.net

Das kriminelle Netzwerk der italienischen Mafia in Deutschland wird häufig als blanke Folklore abgetan, dabei macht sie sich zunehmend breit und warnende Stimmen bleiben vielfach ungehört.

>>Focus<<

“Sechs Menschen waren damals vor dem italienischen Restaurant „Da Bruno“ in Duisburg erschossen worden. Die Attentäter gehörten zu einem Clan der kalabrischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta, die vor dem Restaurant auf Rivalen das Feuer eröffnet hatte. Zählte das Bundesinnenministerium damals insgesamt 136 Mafiosi in Deutschland, gegen die Ermittlungsverfahren liefen, sind es aktuell 560 – mehr als dreimal so viel. Dies geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.”

 

>>Tagesspiegel<<

“Bereits Ende 2008 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) einen umfangreichen Bericht erstellt über die Aktivitäten von rund 230 Clans und 900 Personen, die damals allein für die inzwischen weltweit dominante ’Ndrangheta in Deutschland tätig waren. Seitdem ist der Einfluss des Organisierten Verbrechens insgesamt gewachsen. … Sie sind dann auch weniger durch ihre organisierten Kerngeschäfte ins öffentliche Visier geraten als durch die sogenannten Ku’dammraser, die als Sozialhilfeempfänger ihre angeblich geliehenen oder geleasten 100000-Euro-Wagen in fahrende Kanonen verwandelt haben. … Roberto Saviano, der seit seinem Buch „Gomorrha“ von der Mafia verfolgte Autor, hat dem Tagesspiegel Ende 2016 anlässlich eines ihm in Potsdam in Anwesenheit der Bundeskanzlerin verliehenen Medienpreises gesagt: „Deutschland ist fast ein Paradies für das Organisierte Verbrechen, weil man die Mafia noch immer nur für ein Phänomen der Italiener, Russen oder Südamerikaner hält. Deutschlands Gesetze gegen Geldwäsche sind bisher nicht viel besser als die in Nordkorea oder Afghanistan!”

 

>>Thüringer Allgemein<<

” Dass Erfurt zu den Stützpunkten der `Ndrangheta gehört, ist keine neue These . Petra Reski, die einige Bücher über die Mafia geschrieben hat, behauptet seit Jahren, dass die gesamte Innenstadt mit Geld aus Kalabrien ausgebaut worden sei. Auch der Autor Jürgen Roth sagte schon 2009, dass Erfurt für „die kalabresische Mafia und besonders für die Clans aus San Luca als einer der wichtigsten Stützpunkte“ gelte. Dabei gehe es weniger um Mord, Totschlag oder Schießereien. Die Mafia wolle „gesellschaftlich anerkannt“ werden – und dies sei in Erfurt „in jeder Hinsicht geschehen“.

Dabei war unter Benito Mussolini die Mafia in Italien weitestgehend eliminiert und fristete – sofern überhaupt noch vorhanden – eher ein Schattendasein. Das änderte sich aber mit der alliierten Invasion von Sizilien.

>> Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel von Alfred W McCoy  (Buch) <<

“Die Geschichte mit dem Schal könnte erfunden sein, aber die fortlaufenden Operationen des ONI mit der Mafia verliehen Berichten über den – direkten oder indirekten – Kontakt zwischen Luciano und Don Calogero Glaubwürdigkeit. Tatsächlich wurde Luciano in Lercara Fridi geboren, kaum 20 Kilometer von Villalba entfernt, wo seine Mafiaverwandtschaft immer noch für Don Calogero arbeitete. Zwei Tage später rollten drei amerikanische Panzer in Villalba ein, nachdem sie 45 Kilometer durch feindliches Gebiet gefahren waren. Don Calogero kletterte an Bord und verbrachte die nächsten sechs Tage damit, durch Westsizilien zu reisen und die Unterstützung für die vorrückenden amerikanischen Truppen zu organisieren. Als General Pattons 3. Division in Don Calogeros Bergdomäne vorstieß, waren die Anzeichen ihrer Abhängigkeit von der Unterstützung durch die Mafia für die örtliche Bevölkerung offensichtlich. Die Mafia schützte die Straßen vor Heckenschützen, arrangierte enthusiastische Begrüßungen der vorrückenden Truppen und stellte Führer durch das verwirrende Berggelände zu Verfügung. Die Rolle der Mafia bei der alliierten Eroberung Siziliens ist wenig mehr als eine historische Fußnote, aber wichtig wurde ihre Kooperation mit den amerikanischen Befreiern. Obwohl es Raum für Spekulationen über Lucianos genaue Rolle bei der Invasion gibt, besteht wenig Zweifel über die Beziehung zwischen Mafia und amerikanischer Militärbesatzung. Dieses Bündnis entwickelte sich im Sommer 1943, als die Hauptsorge der Alliierten darin bestand, so viele Kräfte wie möglich von den Garnisonspflichten auf der Insel zu entbinden, um sie für die Offensive in Süditalien einzusetzen. Pragmatismus war die Losung der Stunde. Im Oktober teilte das Pentagon den Besatzungsoffizieren mit, dass »die Carabinieri und die italienische Armee zur Wahrung der örtlichen Sicherheit ausreichen«. Aber die faschistische Armee war längst desertiert, und Don Calogeros Mafia schien weit verlässlicher, die öffentliche Ordnung zu gewährleisten, als Mussolinis machtlose Carabinieri. So ernannte im Juli die Militärverwaltung (Allied Military Government, AMGOT) Don Calogero zum Bürgermeister von Villalba und seinen späteren Nachfolger als Siziliens Mafiaboss, Genco Russo, zum Bürgermeister von Mussumeli. Unter dem Kommando von Oberst Charles Poletti, dem ehemaligen Vizegouverneur von New York, wählte die Militärverwaltung in vielen Städten ganz Westsiziliens Mafiosi als Bürgermeister aus.”

Selbst der US-Kongress war seiner Zeit über den schnellen Vorstoß und die Eroberung von Sizilien überrascht. Seit diesem Zeitpunkt sitzt die Mafia fester in Sattel den je und breitet ihren Einfluss weit über die Grenzen Italiens aus.

 

 

 

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