Der fiktive Quotenkrieg um die Fernsehzuschauer

Screenshot youtube.com

Die Welle der Digitalisierung erfasst fast alle Bereiche, besonders die Print-Branche hat mit einer stetig sinkenden Auflage zu kämpfen.  Davon – scheinbar – unberührt feiert das Staatsfernsehen immer neue Rekorde – bei dem Einschaltquoten.

>>Neue Osnabrücker Zeitung<<

“Doch seit 2012 verbucht der Münster-Tatort regelmäßig über 12, meist sogar mehr als 13 Millionen Fans vor dem Fernseher. Die 14-Millionen-Schallmauer aber wurde mit „Fangschuss“ nun zum ersten Mal durchbrochen.”

Die meisten Menschen dürften bei solche Zahlen sich verwundert die Augen reiben. Abgesehen von solchen Meldungen lässt sich dieser vermeintliche Erfolg der Spielfilmreihe “Tatort” nirgendwo verifizieren. Die Klickzahlen im Internet sind sehr verhalten und Daten über internationale Vermarktungen und Einspielergebnisse sind nicht zu bekommen. Selbst die gängigen Streamingportale im rechtlichen Graubereich – wo praktisch alles zu finden ist – machen um “Tatort” und Co einem großen Bogen. In jenen ausgeführten Kontext eingebettet stehen einsam und alleine die Angaben der >>AGF Videoforschung GmbH<< im Raum.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Die Mächtigen des Fernsehens behaupten immer wieder, sie machten Programme für die Mehrheit der Menschen im Land. Stimmt aber nicht. Die Mehrheit schaut überhaupt nicht fern. … Es ist also mehr als bloß ein Verdacht, dass die Einschaltquote nicht etwa misst, wie viele Menschen welche Sendungen sehen. Sie misst vielmehr, wann, was und wie lange jene Leute sehen, die Zeit und Nerven genug haben, an der Quotenmessung teilzunehmen. … Denn die Quote, also die Zahl derer, die eine bestimmte Sendung gesehen haben, ist zur entscheidenden Legitimation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens geworden. Zum wichtigsten Argument gegen alle Kritik.”

Hinter der Quotenmessung stehen also handfeste Interessen – jedoch die erhobene Datenbasis ist denkbar gering.

>>AGF Videoforschung<<

“Die Haushalte im Fernsehpanel sind über ganz Deutschland verteilt, wobei gewährleistet ist, dass in jedem Bundesland mindestens 200 repräsentative Haushalte zur Verfügung stehen.”

Mathematisch stellt es kein Problem da – aus ein paar hundert Fernsehzuschauern ein Millionenpublikum hochzurechnen. Auch über die Altersstruktur, die geographische Verteilung, Einkommen und Berufsgruppen sind keine Angaben zu finden. Öffentlich weigert man sich Fragen zu diesem Thema zu beantworten – vertrauensbildende Maßnahmen sehen jedenfalls anders aus.

>>Süddeutsche Zeitung<<

“Insofern war der 16.Dezember 1994 ein verheerender Tag für sie: Da flog auf, dass über mehrere Wochen die von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelten Quoten falsch waren. Ein Computerfehler hat 600 von damals 3900 Testhaushalten ausschließlich den Sendern RTL, RTL2 sowie dem schwedischen TV3 zugeordnet. Die Werbetreibenden glaubten den falschen Zahlen und buchten Werbezeiten bei RTL2 statt bei ProSieben. Zweieinhalb Millionen Mark haben die GfK die Reparaturen gekostet, der Imageverlust war beträchtlich. … Ob die GfK-Zahlen tatsächlich repräsentativ sind, ist Glaubenssache. Fehlerquellen gibt es genug.”

 

>>TV SPIELFILM<<

“Kein Wunder, dass die Ermittlung der Zuschauerzahlen immer wieder ins Kreuzfeuer der Kritik gerät. Ex-RTL-Chef Helmut Thoma bezeichnete im vergangenen Jahr Einschaltquoten als “imaginäre Werte”. Die Wochenzeitung “Die Zeit” stellte die Frage, ob in der Ära von Social Media die Messung des TV-Konsums am Fernsehgerät zum Ausstrahlungstermin veraltet sei. Und die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” diagnostizierte “Die große Quotenlüge”.  Tatsächlich ist ein gewisses Maß an Skepsis nicht verkehrt. … Dass die 10 500 GfK-Mitspieler alle 72 Millionen Zuschauer in Deutschland repräsentieren, dafür soll der Mikrozensus bürgen: das Testpanel als mikroskopisches Abbild der Gesellschaft in Bezug auf Geschlecht, Alter, Bildung, Wohnort etc. Das Problem: Niemand kann die Angaben der mächtigen GfK überprüfen. Das viertgrößte Meinungsforschungsinstitut der Welt mit mehr als 12.000 Mitarbeitern hat in Deutschland das Monopol auf die Ermittlung der Quoten. Es verpflichtet jeden Testseher zur Verschwiegenheit.”

Die gesamte Theorie der Quotenmessung basiert auf der Vermutung: Der klassische Rundfunk immer noch so funktioniert – wie in dem 1980er Jahre. Viele Bürger besitzen überhaupt keinen klassischen Fernseher mehr: Sobald eine gute Internetleitung vorhanden ist – ist dies auch nicht mehr notwendig.

 

 

 

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