Der sinkende medizinische Standard

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Mit der medizinischen Versorgung der Bevölkerung steht keineswegs zum Besten: Fehlende Ärzte prägen landauf und landab das Bild. Die wenigen verbliebenen Mediziner werden schlecht bezahlt und nichtvorhandene Studienplätze sorgen dafür dass der Nachwuchs ausbleibt. Bei den ausländischen Ärzten – welche das Problem lösen sollen – ist zumindestens bei manchen fraglich, inwieweit sie überhaupt dafür eine Qualifikation besitzen.

>>Hannoversche Allgemeine Zeitung<<

„Klaus Reinhardt kann ein Lied davon singen, wie schwer es ist, vernünftig über die finanzielle Lage von Ärzten zu reden. Reinhardt ist praktizierender Hausarzt in Bielefeld und nebenbei seit drei Jahren Vorsitzender des Hartmannbundes, der ältesten Interessenvertretung der Ärzteschaft. Lobbyist also. „Ein moderater“, sagt er über sich. Einer, der zunehmend aneckt, weil viele Kollegen immer weniger verstehen wollen, dass man Kompromisse schließen muss. „Es ist schwierig, wenn jeder auf seinen eigenen Teller schaut“, sagt Reinhardt. „Und wenn jeder nur beklagt, dass er zu wenig abbekommt.“ Das heißt noch lange nicht, dass Reinhardt mit der Bezahlung der Ärzte in diesem Land zufrieden ist. Das Gegenteil stimmt. Das Honorarsystem hält er für grotesk. Da die Krankenkasse für jeden Patienten pro Quartal die gleiche Grundpauschale zahlt, gleich, wie oft er in der Praxis erscheint, sei der Arzt mit den meisten schwierigen Fällen der Dumme. „Der schlechte, oberflächliche Arzt wird gut bezahlt“, sagt Reinhardt. „Der gute Mediziner, der sich für seine Patienten Zeit nimmt, schlecht.“ Hinzu komme, dass kaum jemand die komplizierte Gebührenordnung verstehe. Sogar die meisten Experten seien überfordert, wenn sie die Regeln erklären sollen. Fest steht: Da das Gesamtbudget gedeckelt ist, drückt die Menge auf den Preis. Millionen Überstunden blieben mittlerweile unbezahlt, klagten die Kassenärztlichen Vereinigungen kürzlich, als die alljährlichen Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen anstanden. Eine fiktive Rechnung, versteht sich. Aber der Grund ist offensichtlich: Es gibt nicht weniger Ärzte, aber immer mehr Patienten.“

 

>>Spiegel<<

„Wer sich für einen Studienplatz interessiert, wird wohl vorerst weiter warten müssen. Denn die komplizierte Abstimmungsmechanik zwischen Ländern und Bund im deutschen Bildungsföderalismus bedeutet, dass die von den Richtern für die Neuregelung verlangte Zwei-Jahres-Frist völlig lebensfremd ist. An dem Grundproblem, dass es trotz Ärztemangels und steigendem Bewerberandrang viel zu wenig Medizinstudienplätze in Deutschland gibt, ändert allerdings auch der Spruch aus Karlsruhe nichts. Derzeit sind es 62.000 Bewerber für 11.000 Ausbildungsplätze. Die „Bemessung der Anzahl verfügbarer Ausbildungsplätze“ obliege allein „der Entscheidung des demokratisch legitimierten Gesetzgebers“ urteilten die Richter. „

Das Problem ist, dass der „demokratisch legitimierte Gesetzgeber“ eine andere Entscheidung getroffen hat.

>>Neue Westfälische<<

„Die Ärztekammer Westfalen-Lippe schlägt Alarm: Lückenhafte Fachkenntnisse ausländischer Ärzte die in Deutschland arbeiten wollen, drohen, so Kammerpräsident Theodor Windhorst aus Bielefeld, die Versorgung der Patienten zu beeinträchtigen. Der Grund: Die Kammer darf nur deren sprachliche, nicht aber ihre fachliche Kompetenz prüfen. … Solche Mängel haben in Westfalen-Lippe gerichtlich bestätigt bereits Leben gekostet. So ist an den vom Heimatland bescheinigten, aber offenbar doch fehlenden Kenntnissen einer Gynäkologin aus Libyen ein Kind in einem Krankenhaus in Westfalen-Lippe bei der Geburt gestorben. Die Ärztin wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und arbeitete an einem anderen Krankenhaus weiter. Im zweiten Fall starb ein Mann nach einem Sturz unter Alkoholeinfluss. Ohne weitere Diagnostik wurde er in die Psychiatrie eingewiesen. Dort starb er an einer Gehirnblutung. Sowohl der Notarzt als auch der diensthabende Arzt der Psychiatrie waren Ärzte „mit ausländischen Studienabschlüssen und fraglich ausreichenden Sprachkenntnissen“, so die Kammer. Will ein Arzt mit ausländischer Qualifikation in Deutschland tätig werden, benötigt er eine staatliche Zulassung, die Approbation mit uneingeschränkter Berufserlaubnis. Erteilt wird die Approbation in NRW von den Bezirksregierungen. Kommen die Ärzte aus einem Mitgliedsland der EU, der EFTA oder der Schweiz, ist das einfach: Ihre Abschlüsse sind gleichwertig. Für Ärzte aus anderen Teilen der Welt wird ein Gutachten erstellt.“

Fehlende Studienplätze, mangelhafte Bezahlung der Ärzte und ausländische Mediziner mit offenkundigen fachlichen Defiziten: Der Berufsstand hat sicherlich auch schon bessere Tage gesehen.

 

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