Der Umbruch in den Medien

Screenshot nme.com

Die Verschmelzung der Bereiche Nachrichten und Unterhalten schreitet immer weiter voran. In dem Zusammenhang regiert der Staatsrundfunk recht konzeptlos auf diese Entwicklung.

>>Staatsrundfunk „ARD“ <<

„Content-Netzwerk von ARD und ZDF für 14- bis 29-Jährige, am 1.10.2016 mit mehr als 40 Formaten gestartet,  über welche die Nutzer sich informieren, orientieren und unterhalten können. Die Formate werden in erster Linie über soziale Netzwerke wie YouTube, Facebook, Snapchat, Instagram usw. verbreitet. Alle Inhalte sind werbefrei und auf der Website funk.net verfügbar. In der funk App werden fiktionale Lizenzserien sowie eigens für die App konzipierte Inhalte angeboten. funk wird kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt.“

 

>>Welt<<

„Aber dem Gros der übrigen Formate fehlt das Alleinstellungsmerkmal. Funk ist der verzweifelte Versuch, mit einem unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand eine Lücke zu schließen, die es gar nicht gibt. Man ist geneigt, von einer Luftnummer zu sprechen.“

Bezugnehmend auf die Klickzahlen ist „Funk“ schon heute eine überbezahlte Luftnummer – was wohl einer der Gründe ist: Warum das Staatsfernsehen sein Heil zunehmend in der Ausstrahlung von populären amerikanischen Filmen und Serien sucht.

Screenshot chip.de

>>FILMSTARTS<<

„Mit dem besten Start seit Dezember 2015 an die Spitze der deutschen Kinocharts gebrettert, steht „Fast & Furious 8“ auch in der zweiten Woche mit komfortablem Abstand an der Spitze. Den ersten Schätzungen von Blickpunkt: Film nach hatte der Auto-Actioner am zweiten Wochenende 565.000 Besucher, die Zwei-Millionen-Marke ist damit bereits jetzt gefallen. Da der Auto-Actioner weltweit ein Hit ist, ist es kein Wunder, dass Universal das Franchise erweitern will und bereits ein Spin-off mit Dwayne Johnson und Jason Statham (und angeblich auch Charlize Theron) plant. … Während Blickpunkt: Film den Familienfilm von Til Schweiger bei 80.000 Zuschauern verortet, gibt Inside:Kino über 85.000 Besucher an.“

>>nt-tv<<

„Bestrebungen, die Online-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten massiv auszuweiten, haben nicht nur die private Konkurrenz aufgeschreckt, sondern auch Kritik bei Rechtsexperten ausgelöst. „So macht man diese Märkte platt“, kommentierte Claus Grewenig, der langjährige Geschäftsführer der Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), in einem Gutachten im Auftrag des ZDF enthaltene Vorschläge. Demnach sollen bisherige Verbote und Begrenzungen für die Öffentlich-Rechtliche Sender weitgehend aufgehoben werden, sodass diese unter anderem ihre eigenen Inhalte, aber auch eingekaufte Spielfilme oder amerikanische Fernsehserien praktisch unbegrenzt im Internet bereitstellen dürften. Gegen die Präsenz von ARD und ZDF im Netz hätten die Privaten nichts einzuwenden, sagt Grewenig, aber sie müsse sich auf den Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks – das heiße vor allem Information, Bildung und Kultur – beschränken. Die Grenzen müssten klar definiert sein. Gebührenfinanzierte Konkurrenz etwa für die online bereits angebotenen Serien und Spielfilme würde die kommerziellen Anbieter ihrer Einnahmen berauben, ohne die schon existierende Vielfalt nennenswert zu erweitern.“

Hinzu kommt: Auf diese Weise fließen Unsummen der Rundfunksteuer in amerikanische Filmproduktionen à la Hollywood und Internetkonzerne wie Google. Dagegen haben es einheimische Produktionen außerhalb des geistig-begrenzten GEZ-Universums schwer.

>>WIRED<<

„Viele dieser Inhalte kommen von außerhalb der EU, meist aus den USA. Dass das bei EU-Wettbewerbs- und Kulturhütern Argwohn weckt, kündigte sich schon länger an. Nun plant der Kulturausschuss des EU-Parlaments, in der Mediendiensterichtlinie festzuschreiben, dass die Bibliotheken von Anbietern wie Amazon Video, iTunes und Netflix zu 30 Prozent aus europäischen Werken bestehen müssen. Die Reaktionen? Meist genervt.“

Grundsätzlich sei es überaus fraglich: Wie so eine hypothetische Quotenregelung – bei einem nichtlinearen Programm – sich überhaupt in der Praxis durchsetzen ließe, beziehungsweise signifikant Wirkung zeigen würde. Wie auch immer – 30 Prozent Marktanteil sind im Grunde genommen nicht viel und genau an dieser Stelle liegt der eigentliche Kern des Problems: Einheimische Filmproduktionen sind keine Kassenschlager und an dieser Tatsache sind die vermeintlich fehlenden Quoten unschuldig.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Für eine solche sind bei privaten Veranstaltern die Landesmedienanstalten zuständig, die als Medienaufsicht ziemlich in Vergessenheit geraten sind, jetzt aber die Chance sehen, groß rauszukommen. Ihr habt ein Problem mit dem Internet, mit Hassrede und Fake News?, rufen sie der Politik zu, und: Wir haben die Lösung, wir sind die Lösung, verteilen Lizenzen und räumen auf. Kommt es so, haben wir es mit einem Paradigmenwechsel im Netz zu tun. Zumindest hierzulande würde es der von den Bundesländern eingesetzten, vom Rundfunkbeitrag finanzierten Medienaufsicht unterstellt.“

Im Allgemeinen ist von Seiten der Behörden und Politik ein ziemlich kopf- und planloses Vorgehen zu beobachten. Alleine der laute Ruf nach Quoten belegt, wie wenig Ahnung die Verantwortlichen von der Materie haben mit der sich hauptberuflich beschäftigen. Viele Bürger sind allenthalben längst ganz woanders zu finden.

>>gulden röttger | rechtsanwälte GbR<<

„Nach der Razzia gegen Kinox.to haben uns zahlreiche Anfragen verunsicherter Nutzer erreicht, ob diese nun eine Abmahnung mit hohen Kosten oder sogar eine strafrechtliche Verfolgung zu befürchten haben. Bisher ist noch nicht einmal geklärt, ob die Staatsanwaltschaft die Server von Kinox.to tatsächlich beschlagnahmt haben. Vorschnelle Schlüsse sollten daher nicht gezogen werden. Die Seite von Kinox.to ist – Stand heute (27.10.2014) – weiterhin online.“

Einerseits: Die Webseite >>Kinox.to<< ist auch einige Jahre später immer noch online. An Speichermöglichkeiten auf externen Webservern herrscht demnach auf absehbare Zeit kein Mangel. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit an die meisten gängigen modernen Router mittels verfügbaren USB-Anschluss: Eine externe Festplatte oder anderes Speichermedium anzuschließen – womit diese zum Server mutieren. Auf der anderen Seite können die Anbieter Facebook und Youtube derzeit sehr wohl als etabliert betrachtet werden – allerdings handelt es sich dabei um eine äußerst begrenzte temporäre geistige Konstruktion: Die auf sehr weichen digitalen Boden errichtet ist.


#Anmerkung: Ursprünglich war vorgesehen ein Beispielvideo von Staatsrundfunk „Funk“ zu präsentieren, aber diese Videos sind derart Geschmacklos, dass die Redaktion beschlossen hat, davon abzusehen.

 

 

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