Deutscher Krieg: Der Informationskrieg im Jahr 1866

Screenshot wikipedia.org

Die hohe Bedeutung der Übermittlungen von Daten und Informationen scheint auf dem ersten Blick ein neuzeitliches Phänomen zu sein, was fälschlicherweise mit der Entwicklung des Internets in Verbindung gebracht wird.

>>Wikipedia<<

“Zu einem großangelegten strategischen und taktischen Einsatz kam erstmals der elektromagnetische Telegraf. Auf russischer Seite bestanden schon vor dem Krieg mehrere optisch-mechanische Telegrafenlinien nach dem Chappe-System. Neben der Strecke Moskau – St. Petersburg – Warschau gab es auch eine Verbindung von Moskau nach Sewastopol auf die Krim, wodurch eine einfache Nachricht in etwa zwei Tagen übermittelt werden konnte. Im Jahr 1854 begann Russland mit dem Bau von erheblich schnelleren elektromagnetischen Telegrafenlinien von Moskau aus wiederum nach St. Petersburg und Warschau und Richtung Süden nach Odessa und Sewastopol, die 1855 fertiggestellt wurden. Diese Linien erlaubten Russland, die Truppen- und Materialbewegungen zu koordinieren sowie schnellen Kontakt nach Berlin für die Bestellung von Kriegsgütern herzustellen.”

 

>> Bremm, Klaus-Jürgen – 1866 Bismarcks Krieg gegen die Habsburger (Buch) <<

“Gegen Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges erreichte die Unionsarmee unter General William T. Sherman die Stadt Colombia in North Carolina. Als einer seiner Divisionskommandeure, General Hugh Boyle Ewing, ein Bündel von offenbar dringenden Meldungen nicht sofort mit dem Telegrafen weiterleiten konnte, da die erforderliche Apparatur noch fehlte, drohte er, außer sich vor Zorn, dem zuständigen Telegrafen-Superintendanten mit der Erschießung. Der gescholtene Untergebene blieb jedoch gelassen, nahm die beiden Enden des durchgeschnittenen Leitungsdrahtes und kabelte durch entsprechende Berührungen die Nachrichten des Generals auch ohne Apparatur. Zu Ewings maß- losem Erstaunen konnte er sogar die eingehenden Antworten empfangen und dekodieren, indem er einfach die beiden Enden ober- und unterhalb seiner Zunge ansetzte und die eingehenden Impulse gewissermaßen schmeckte. Der ungewöhnliche Vorfall zeigte zweierlei. Wie hervorragend es erstens die Amerikaner verstanden, zu improvisieren, und wie sehr zweitens in der Unionsarmee die elektrische Telegrafie nach vier Jahren Krieg sogar auf Divisionsebene zu einer Selbstverständlichkeit geworden war, auf die kein Truppenführer mehr verzichten wollte. Als nur ein Jahr später die preußischen Armeen in Böhmen einrückten, lag man in Europa technisch keineswegs hinter den Amerikanern zurück. Der Morsecode, der nur noch eine Leitung zur Übermittlung elektrischer Signale benötigte, hatte sich seit den 1840er-Jahren auch auf dem alten Kontinent durchgesetzt.”

Der Deutsche Krieg von 1866 stellt insofern eine Besonderheit da, weil erstmals durch telegraphische Nachrichtenübermittlungen eine zentraler Lagebericht über die aktuelle militärische Situation ständig aktualisiert werden konnte. Auf diese Weise waren die Befehlshaber in Berlin – weitab von der Front – besser über dem gegenwärtigen Kriegsverlauf informiert, als die zuständigen Generäle und Offiziere Vorort – was bei Letzteren einiges an Verwirrung stiftete. Dennoch spielte schon im Jahr 1866 der “Informationskrieg” eine entscheidende Rolle. Dessen Bedeutung war so groß, dass man aus heutiger Sicht behaupten kann: Jene Tatsache war kriegsentscheidend. Die eignen Truppenverlegungen und Vorgehen gegen dem Gegner wäre ohne ein zentrales Führungskommando unmöglich gewesen. Es liegt in der Natur der Sache, das unbeteiligte Dritte, durch studieren und bewerten unterschiedlicher Meldungen zu fundamentierteren Ergebnissen kommen können, als mittelbar beteiligte Augenzeugen in direkter Nähe.

 

 

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