Die explosiven Hinterlassenschaften der Vergangenheit

Screenshot videogamesartwork.com

In regelmäßigen Abständen finden diverse Gedenkveranstaltungen zu Ereignisse der Jahre zwischen 1933 bis 1945 statt. Über die Jahrzehnte hat sich dieses “Gedenken” zumindest in der Politik zu einem gewissen religiösen Kult entwickelt – jedoch die aktive Vergangenheitsbewältigung hat zu jeder Zeit – auch heute – nur eine untergeordnete Rolle gespielt.

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>>Staatsfernsehen “tagesschau” <<

“Lammert erinnerte auch an die Wannseekonferenz der Nazis: “Es ist heute fast auf den Tag genau 75 Jahre her, dass 15 hochrangige Vertreter des Nazi-Regimes in einer Berliner Villa im Westen der Hauptstadt zusammenkamen, um mit unfassbarer Menschenverachtung den millionenfachen Mord an den europäischen Juden möglichst effizient zu organisieren, der damals längst beschlossen war und auch seit langem begonnen hatte.”

Das Staatsfernsehen verschweigt: Ein Teilnehmer der Wannseekonferenz war ein gewisser Hans Globke – ein hoher NS-Funktionär. Dieser Umstand beeinträchtigte seine späteren Karriere in der Bundesrepublik in keinster Weise.

>>Legal Tribune Online<<

“Der Ministerialbeamte und spätere Staatssekretär im Bundeskanzleramt war ein wichtiger Mitarbeiter des greisen Adenauers. Globke bereitete Personalentscheidungen in den Ministerien mit vor. Beim Aufbau des Bundesnachrichtendienstes war er offenbar mehr als eine bloße Schnittstelle zum Kanzleramt. “

Bei der Personalie “Globke” handelt es sich mitnichten um einem Einzelfall.

>>Zeit<<

“Noch 1957 sei etwa ein führender und erheblich belasteter Nazi mit einem Empfehlungsschreiben eines Exkameraden eingestellt worden, der in der Hitler-Zeit dessen Vorgesetzter war. In dem Organisation Gehlen genannten Geheimdienst habe es für die Beurteilung ausgereicht, wenn ein ehemaliger Kollege die Schuldfreiheit des Verhaltens im Dritten Reich garantierte. “Die Leitung des BND machte somit die im Nationalsozialismus entstandene Kameradschaft zur Grundlage ihrer Personalpolitik”, sagte Historiker Sälter. Die Organisation wurde nach dem früheren Wehrmachtsgeneral Reinhard Gehlen benannt, der 1902 geboren wurde und 1979 starb. Er hatte 1946 unter US-Führung den deutschen Auslandsnachrichtendienst geschaffen. Zehn Jahre später gründete die Regierung von Kanzler Konrad Adenauer (CDU) den BND. Gehlen leitete den Dienst bis 1968.”

 

>>n-tv<<

“Im Bundesjustizministerium waren in den Nachkriegsjahrzehnten besonders viele Leitungspositionen von früheren NSDAP-Mitgliedern besetzt. Von 170 Juristen, die zwischen 1949 und dem Anfang der 70er Jahre in Leitungspositionen gewesen seien, gehörten 90 der NSDAP an, wie die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Deutschlandfunk sagte. 34 von ihnen seien zugleich in der NS-Schlägertruppe SA gewesen. … “Es gab sehr große Kontinuitäten”, sagte die frühere Ministerin im Deutschlandfunk. Viele der nach dem Krieg leitenden Mitarbeiter des Hauses hätten während der NS-Zeit als Richter bei Sondergerichten gewirkt und seien damit verantwortlich für Todesurteile. Später hätten sie als Abteilungsleiter, Unterabteilungsleiter oder Referatsleiter im Bundesjustizministerium gearbeitet. So sei etwa ein Mitarbeiter, der an den Rassengesetzen der Nazis mitgewirkt habe, später für Familienrecht zuständig gewesen.”

Viele Günstlinge des NS-Regimes wurden während der Nazi-Zeit und in der späteren Bundesrepublik protegiert – hingegen gelten diese Maßstäbe nicht für die einfache Bevölkerung. Viele Bürger kamen innerhalb der NS-Bürokratie unter die Räder und hatten gleichzeitig mit diversen Kriegsfolgen zu kämpfen – letzteres Kapitel ist bis heute keinesfalls abgeschlossen.

Screenshot taz.de

>>Zeitungsverlag tz München GmbH & Co. KG<<

“In dem trichterförmigen Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden tonnenweise Granaten, Bomben und Minen jeden Kalibers und unterschiedlicher Herkunft entsorgt. Quasi eine Müllhalde des Kriegs (Zweiter Weltkrieg 1939-1945, Anmerkung der Redaktion). „Wir werden viel russische Munition finden“, sagt Kampfmittelexperte Heinrich Bernhard Scho (49). Sprengstoff sei grundsätzlich gefährlich, meint er – aber je länger er im Boden liegt, desto unberechenbarer werde er. … Das wird teuer! Die Sprengstoff-Entsorgung von Freimann wird rund 200.000 Euro ­kosten. Und wer zahlt? Möglicherweise die Besitzerin des Grundstücks selbst, also ­Rentnerin Melitta Meinberger. Im ­Allgemeinen Kriegsfolgegesetz ist seit 1950 zwar geregelt, dass eigentlich der Bund ­zuständig ist – allerdings nur für deutsches Sprengmaterial, nicht für ausländische ­Bomben. Womit der Schwarze Peter ­automatisch zum Grundbesitzer wandert.”

Es bedarf schon eine gewisse Impertinenz: Kriegsfolgekosten – welche von Staaten – verursacht wurden auf gewöhnliche Bürger abzuwälzen.

 

 

 

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