Die fehlende muslimische Renaissance

Screenshot falstaff.at

Das Zeitalter der Renaissance führte einst Europa aus den finsteren Mittelalter und stellt den Beginn: Einer beispiellosen gesellschaftlich und wissenschaftlichen Entwicklung da. Jedoch eine muslimische Renaissance fand zu keinen Zeitpunkt statt.

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>>Welt<<

“Die Eröffnung einer liberalen Moschee durch die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates hat unter Muslimen im Ausland für große Aufregung gesorgt. Ein Bericht des arabischen Programms der Deutschen Welle über die Eröffnung der Ibn Rushd-Goethe-Moschee am vergangenen Freitag wurde bis Montagnachmittag 1,6 Millionen Mal angeschaut. Die meisten der arabischen Kommentare unter dem Video waren negativ. „Das ist nicht die Religion unseres Propheten“, schrieb ein Muslim. Eine andere Nutzerin stellte dagegen fest: „Heute mag uns das merkwürdig erscheinen, aber vielleicht ist es in einigen Jahren schon nicht mehr ungewöhnlich.“ Der Vorsitzende der Stiftung Dialog und Bildung, Ercan Karakoyun, erklärte, er habe Morddrohungen erhalten, nachdem ihn ein türkischer Fernsehsender fälschlicherweise mit dem Projekt von Ates in Verbindung gebracht habe.”

 

>>Cicero (Zeitschrift) <<

“In meinem Cicero-Artikel „Ich kapituliere“ habe ich mein Konzept des Euro-Islam vorgestellt und erklärt, dass ein europäisierter Islam eine friedliche Lösung der Wertekonflikte wäre. Ich habe jedoch meine Niederlage gegenüber dem Kopftuch-Islam eingeräumt.”

Der Erfinder des sogenannten Euro-Islam erklärt: Sein Konzept für gescheitert. Die liberalen Moschee und der Euro-Islam sind (beziehungsweise waren) Versuche den Islam zu reformieren. Tatsächlich treten innerhalb der islamischen Welt immer wieder – in der Regel – vereinzelte Gläubige hervor, welche den Versuch unternehmen, ihre Glaubenssystem zu reformieren. Eine breite Bewegung ist daraus jedoch noch nirgendwo geworden und die jeweiligen Reformer leben nach ihren Öffentlichen Bekundungen fast immer auch sehr gefährlich. Zum besseren Verständnis sollte man sich die gesellschaftliche Aufgabe vor Augen führen.

>> Die Medici: Florenz im Zeitalter der Renaissance – Volker Reinhardt (Buch) <<

“In der am Arno Ende 1494 einsetzenden Verfassungsdiskussion schienen sich zuerst die Kräfte der alten Oligarchie durchzusetzen, die möglichst bruchlos an die politische Praxis vor 1434 wiederanknüpfen wollten. Daß ihnen diese naheliegende Restauration nicht gelang, ist in beträchtlichem Maße auf den Einfluß Savonarolas zurückzuführen, der, amtlos, aber wortgewaltig und vor allem mit dem Charisma des Retters und Propheten, den Weg in eine andere Republik wies. Ab Mitte der 1480er Jahre einer von vielen Propheten einer Züchtigung Italiens vor dem nahenden Weltenende, hatte der Bußprediger nicht nur allen Kredit für diese jetzt in den Augen vieler eingetretene Vorhersage, sondern auch für den glimpflich verlaufenden Durchzug der französischen Armee durch Florenz gutgeschrieben erhalten. Voraussetzung für seinen jetzt fühlbar werdenden starken Einfluß auf Politik und Gesellschaft aber war eine ganz neue Endzeitvision, mit der der Dominikaner nahtlos an den mittelalterlichen Stadtmythos von Florenz anknüpfte und starke Reformantriebe freisetzte: Florenz werde nach empfangener Strafe, Läuterung und nachfolgender Reinigung die in der Offenbarung des Johannes verheißenen tausend Jahre Christi mit den Gerechten auf Erden heraufführen; als Erwählte Stadt werde Florenz die Einigung der Welt im christlichen Glauben vorantreiben und für diese Vorkämpferrolle auch materiell reich belohnt werden. Ein großes Los für eine Stadt, die unfähig war, das 1494 abgefallene Pisa zurückzuerobern. Daß ein breiter Ausschnitt der Florentiner, auch der Oberschicht, dieser hochfliegenden Botschaft zumindest zeitweise Glauben schenkte, ist vor allem darauf zurückzuführen, daß sie die Zeit der Wirren mit Sinn zu erfüllen vermochte und ein hohes Gut, Versöhnung zwischen den Parteien und Netzwerken, also die innere Einheit und Geschlossenheit, in Aussicht stellte, die sich mit irdischen Mitteln nie hatte bewerkstelligen lassen. Dieses Programm des Ausgleichs, der umfassenden Friedensstiftung und einer die kirchliche mit der bürgerlichen Gemeinde verschmelzenden Totalreform sprach mit seinem pädagogischen Impuls und seinem Versprechen sittlicher Besserung auch Philosophen wie Marsilio Ficino und Pico della Mirandola an, drückte aber vor allem das Unbehagen der Mittelschicht an der Elitenkultur, an der sozialen Ausdifferenzierung, an der Oligarchisierung der letzten Zeit aus. Zugleich sanktionierte das göttlich inspirierte Prophetenwort ein neues Republikmodell. Da die alte Oberschicht als servil, korrupt, eigennützig und areligiös diskreditiert war, konnte die innere Erneuerung nur vom Mittelstand getragen werden, in dem die alten Werte des Gemeinnutzes und echter Frömmigkeit noch lebendig waren. Mit dieser machtvollen Unterstützung vermochten die Handwerker und Ladenbesitzer ihren nie erloschenen, aber mehr als ein Jahrhundert lang mit politischen Brosamen vom Tisch der Oligarchie abgefundenen Anspruch auf gleichberechtigte Mitregierung um die Jahreswende 1494/95 einzulösen. Florenz erhielt mit dem Großen Rat jetzt ein politisches Basisorgan, in dem theoretisch bis zu 3000 Männer Sitz und Stimme besaßen: führende Patrizier neben kleinen Leuten.”

Der wirtschaftliche Erfolg strahlte weit über die Grenzen der italienischen Metropole Florenz hinaus und ebnete so den Weg für die Renaissance. Auf diese Weise wurde aufbauend auf antiken Aufzeichnungen die Wissenschaft, Medizin und viele weitere Disziplinen wiederentdeckt (Renaissance: französisch „Wiedergeburt“). Zu verstehen ist dabei: Der gesamt-gesellschaftliche Umbruchprozess, der keineswegs auf religiöse Fragen beschränkt blieb und streng genommen bis heute – wie bei den Frauenrechten – keinen Abschluss gefunden hat.

>>Spiegel<<

” SPIEGEL ONLINE: Sie betrachten muslimische Gesellschaften als kollektiv gescheitert. Wie meinen Sie das?

Hoodbhoy: Es gibt rund 1,5 Milliarden Muslime in der ganzen Welt – aber sie können in keinem Bereich eine substantielle Errungenschaft vorweisen. Nicht im politischen Bereich, nicht in gesellschaftlicher Hinsicht, weder in den Naturwissenschaften noch in der Kunst oder in der Literatur. Alles, was sie mit großer Hingabe tun, ist beten und fasten. Aber es gibt keine Bemühungen, die Lebensbedingungen innerhalb islamischer Gesellschaften zu verbessern. Unbewusst spüren die Menschen natürlich, dass das ein kollektives Versagen ist.”

In der breiten Masse verweigern Muslime bis heute eine islamische Renaissance. Dieses Verhalten hat natürlich auch auf das ökonomische Umfeld in den jeweiligen Ländern Auswirkungen und stellt einer der Gründe für die gegenwärtigen Migrantenströme da.

 

 

 

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