Die wirtschaftliche Entwicklung in der Lausitz

Screenshot lta-neumann.de

Die ökonomische Entwicklung in der Lausitz blickt auf eine lange Tradition zurück. Die Industrialisierung setzte bereits früh im 19. Jahrhundert ein, dabei kam es zu zwei massiven wirtschaftlichen Einschnitten: Einmal durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs und dann noch einmal im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung.

>> Russensommer: Meine Erinnerungen an die Befreiung vom NS-Regime von Cornelia Schmalz-Jacobsen (Buch) <<

“Fast überall hatten Plünderungen stattgefunden auf dem Eroberungsmarsch der Roten Armee nach Deutschland, und auch in der ersten Zeit der Besetzung. Sie warfen Möbel aus dem Fenster auf die Straße, sie nahmen mit, was ihnen gefiel, sie demolierten Wohnungen in scheinbar sinnloser Wut. Uns Kindern war nicht verborgen geblieben, dass die russischen Soldaten es ganz besonders auf zwei Dinge abgesehen hatten: Armbanduhren und Fahrräder. Und natürlich auf Frauen. Manchmal war es nicht zu übersehen, dass sie ihre Fahrräder gerade erst geklaut hatten – sie probierten die Räder mit kindlicher Begeisterung aus, schlingerten fröhlich hin und her und feuerten sich in Grüppchen gegenseitig an, noch waghalsiger zu fahren. Sie waren offenbar Anfänger im Radeln, nicht selten fielen sie dabei um, und das Rad war zerbeult und nicht mehr zu gebrauchen. Dann hieß es: »Nitschewo« – macht nichts! –, und sie holten sich eben ein anderes. Die deutsche Bevölkerung musste den Diebstahl hinnehmen, so ärgerlich er auch war. In dieser autolosen Zeit stellten Fahrräder ein nahezu unersetzliches Fortbewegungsmittel dar wie auch einen soliden Lastesel.”

Zwar gab es auch unmittelbar nach den Zweiten Weltkrieg – durchaus – Polizisten, aber diese hatten gegenüber den Alliierten keinerlei Befugnisse. In solchen oder ähnlichen Formen stellte sich zu jener Zeit die “Befreiung von NS-Regime” da. Die Enteignung waren hierbei keineswegs auf Fahrräder und Armbanduhren beschränkt, sondern ganze Industriebetriebe und Schienengleise wurden abgebaut. Die Machthaber wechselten, aber echte Verbesserungen für die Bevölkerung waren kaum zu spüren.

>>Der Tagesspiegel<<

“Und vor knapp einem Vierteljahrhundert, am 1. Juli 1990, prägte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl den Begriff von den „blühenden Landschaften“. In seiner Fernsehansprache aus Anlass des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion prophezeite er: „Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“ … In rhetorisch leicht abgeschwächter Form hat Kohls Nachnachfolgerin, Angela Merkel, dieser Tage etwas Ähnliches gesagt. Ostdeutschland sei „alles in allem 25 Jahre nach der friedlichen Revolution eine Erfolgsgeschichte“, die neuen Bundesländer hätten sich trotz noch vorhandener struktureller Probleme gut entwickelt.”

Auch wenn die DDR rund 40 Jahre existierte, eine echte Teilung bestand hingegen nur 28 Jahre: Denn bis zum Jahr 1961 konnte jeder für ein paar Pfennige mit der Straßenbahn von Ost- nach West-Berlin fahren. Im Gegensatz dazu, lassen die versprochenen „blühenden Landschaften“ offenkundig noch viel länger auf sich warten. Aus ökonomischer Sichtweise betrachtet: Die Wiedervereinigung war ein einziges wirtschaftliches Desaster. Viel produzierendes Gewerbe ging damals verloren und die damit weggefallenen Arbeitsplätze konnte bis zum heutigen Tag nicht wiederhergestellt oder kompensiert werden.

>>Sächsische Zeitung<<

“Der Personalabbau verteile sich über alle Werke. Mehrheitlich seien jedoch Görlitz in Sachsen und Hennigsdorf in Brandenburg betroffen. Geplant ist der Stellenabbau bis 2020. Die genaue Zahl hänge von der Marktentwicklung und dem Auftragseingang ab, hieß es. Unter den bis zu betroffenen 2200 Arbeitsplätzen seien etwa 700 Leiharbeiter. „Wir müssen uns neu aufstellen“, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer. „Mit dieser Aufstellung werden wir Innovationen fördern und uns fit für die Zukunft machen.“ Ziel ist es, die Standorte stärker zu spezialisieren. Aufsichtsratschef Wolfgang Tölsner betonte, die Eckpunkte für den Umbau seien in dem Kontrollgremium einvernehmlich beschlossen worden.”

 

>>Lausitzer Rundschau<<

“Der CSU-Politiker weigert sich, die Genehmigung für Planungsvorleistungen für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Cottbus-Görlitz zu geben. „In der Region trifft diese Entscheidung auf Unverständnis“, heißt es in einem der RUNDSCHAU vorliegenden Brief der SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Jurk (Weißkeißel) und Ulrich Freese (Spremberg). Obwohl eine wissenschaftliche Potenzialstudie der IHK Cottbus der elektrifizierten Strecke eine Vervierfachung des Güterverkehrs und eine erhebliche Steigerung im Personenverkehr prognostiziert, lehnt der Minister Vorplanungen ab. „Die vom Strukturwandel betroffene Lausitz braucht die Modernisierung dieser Strecke, um ihr wirtschaftliches Potenzial ausschöpfen zu können“, betont Thomas Jurk. Der Minister hat mit der Ablehnung sein Eigentümerrecht gegenüber der Bahn wahrgenommen. Damit ist er den Ländern Sachsen und Brandenburg in die Parade gefahren, die mit den von ihnen vorfinanzierten Planungen darauf regieren haben, dass der seit Jahrzehnten vernachlässigte Streckenausbau Cottbus-Görlitz im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 erneut nicht in die höchste Kategorie des vordringlichen Bedarfs gerückt war. Darauf hatten beide Länder gesetzt.”

Natürlich ließe sich problemlos die Schieneninfrastruktur ausbauen und neue Schienenfahrzeuge bestellen, womit der Standort in Görlitz und die damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten blieben. Aber ein echter politischer Wille ist – jenseits aller politischen Lippenbekenntnisse – nicht zu erkennen.

>>german.china.org.cn<<

“Die Eisenbahnlinie zwischen Lanzhou und Xinjiang ist 1776 Kilometer lang. Seit die Hochgeschwindigkeitsstrecke 2014 den Betrieb aufgenommen hat, hat in der autonomen Region der Uiguren die Ära der Hochgeschwindigkeitszüge begonnen. In der ersten Jahreshälfte 2017 stieg die Zahl der Passagiere aus Xinjiang auf mehr als 2,1 Millionen. Der Zug hat die Lebensweise der lokalen Bevölkerung bereits jetzt verändert, denn sie benutzen den Zug viel häufiger.”

Abgesehen von der Entfernung sind die topographischen Bedingungen in Westchina weitaus schwieriger als in der Lausitz.

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Werbung

table-layout
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Loading...
Scroll Up