Dunkle Absprachen: Wettbewerbsverzerrung durch Steuerflucht, Subventionen und Wagniskapital

Screenshot vimeo.com

Das hierzulande erwirtschaftete Umsätze in Ausland versteuert werden können: Auf dieser Basis bauen alle Steuersparmodelle auf. Außerdem kommen noch staatliche Subventionen und fragwürdige Quellen des Wagniskapital hinzu. Auf diese Weise entstehen nicht nur Wettbewerbsverzerrungen zugunsten internationale Konzerne, sondern es führt zu Zerstörung gewachsener Wertschöpfungsketten und letztendlich zu preisbestimmenden Monopolen.

>>Netzpolitik<<

„Start-ups setzen zudem oft auf geschlossene Produkte und Plattformen, um möglichst schnell hohe Gewinne einzufahren. Dafür versuchen sie mitunter Nutzerinnen und Nutzer, darunter auch Behörden, so viel und lange wie möglich in und auf ihrer Plattform zu halten. Sogenannte Lock-In-Effekte sind integraler Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Gepaart mit der Marktmacht einiger weniger Konzerne wird damit Missbrauch auf allen möglichen Ebenen Tür und Tor geöffnet. Und schließlich ist die Idee von Wagniskapital selbst zweischneidig. Beispielsweise nutzt der Transportdienstleister Uber seit seiner Gründung die nicht versiegen wollenden Milliarden US-Dollar an Wagniskapital, um durch preisliche Unterbietung andere Unternehmen beziehungsweise ganze Gewerbezweige vom Markt zu verdrängen. Es ist – bald neun Jahre nach der Gründung – immer noch nicht profitabel. Im letzten Quartal hat das Unternehmen 4,5 Milliarden US-Dollar Verlust gemacht, ohne Widerspruch seiner Investoren zu ernten. Das ehemalige Start-up Amazon wiederum schreibt zwar keine roten Zahlen mehr, verzichtet aber lieber auf Gewinne, um einen Markt nach dem anderen an sich zu reißen. Dabei hat das Unternehmen, insbesondere in den USA, auf zahllosen Feldern einen gewaltigen Flurschaden hinterlassen, vom Buch- bis hin zu anderen beliebigen Bereichen im Einzelhandel. Diesen Strategien liegt die Überlegung zugrunde, historisch gewachsene Wertschöpfungsketten zu zerstören, um am Ende als alleiniger Herrscher über ein bestimmtes Marktsegment dazustehen. Ist dies geschafft und der Wettbewerb vom Markt gefegt, lassen sich Preise und sonstige Bedingungen nach Belieben setzen, zum Schaden von Mitarbeitern, Verbrauchern und einer zunehmend atomisierten Gesellschaft.“

 

>>Stern<<

„Alexander Rack und seine Frau Nadine sind beide Bäcker und haben sich vor drei Jahren den Traum einer eigenen Bäckerei erfüllt: In Büdingen eröffneten Sie eine 100 Jahre alte Traditionsbäckerei in der Altstadt wieder neu. Die Banken zeigten wenig Vertrauen in das Konzept, das ja schließlich neben den zahlreichen Ketten bestehen müsste. Das Ehepaar eröffnete trotzdem ihre „Brotzeit“ – mit Erfolg. Die Geschäfte laufen gut und Alexander Rack konnte vor gut sechs Monaten eine weitere Filiale eröffnen. Für das Einkommen, mit dem die Racks auch ihre drei Kinder ernähren müssen, arbeiten er und seine Frau quasi rund um die Uhr. Noch dazu bedeuten zwei Filialen auch: mehr Personal, höhere Kosten und erst recht viel höhere Steuern. Wenn es weiter gut läuft, wird der Umsatz für Alexander Rack in den nächsten Jahren auf 700.000 Euro steigen, 100.000 Euro davon wären sein Gewinn – abzüglich Steuern in Höhe von 26.700 Euro. Was Alexander Rack ärgert: Das Unternehmen Starbucks beispielsweise hat in Deutschland noch nie Ertragssteuern bezahlt, obwohl es hier rund 150 Filialen der Kaffeespezialitäten-Kette gibt. Der Grund: Starbucks hat Gesellschaften in mehreren Ländern, insbesondere in solchen, in denen sie wenig oder gar keine Steuern bezahlen müssen. Die Gewinne werden einfach dorthin verschoben, der Gewinn in Deutschland geht damit gegen Null.Internationale Konzerne wie Apple, Amazon, Google, Starbucks und Co., mit zahlreichen Gesellschaften und Tochtergesellschaften in den verschiedenen Ländern schieben die Gelder kaum nachvollziehbar hin und her. Jedes Land hat seine eigenen, zum Teil günstigeren Steuergesetze für Unternehmen, die deshalb häufig Firmen in Irland oder den Niederlanden gründen, oder in Steueroasen wie die Bermudas verlegen. In Fachkreisen wird dieses Steuersparmodell „Double Irish with a Dutch Sandwich“ genannt.“

 

>>Steuerflucht: Das Milliardengeschäft mit dem Schwarzgeld. Ein Insider packt aus von Hans-Lothar Merten (Buch) <<

„Ärgerlich, aber legal. Steuerauswanderer – Unternehmen wie Privatpersonen – zahlen weiterhin Steuern, nur eben nicht ausschließlich an den deutschen Fiskus. Das unterscheidet sie von kriminellen Steuerflüchtlingen, die Schwarzgeld in Steueroasen verfrachten und dort steuerunbehelligt Erträge kassieren. Derart offensichtliche Betrügereien haben deutsche Großkonzerne nicht nötig. Sie beschäftigen hochqualifizierte und hochbezahlte Finanzexperten sowie Steuerberater von international operierenden Steuer- und Wirtschaftsprüfungskanzleien, die gekonnt Lücken in den unterschiedlichen nationalen Steuersystemen ausnutzen. Dabei geht es immer darum, die Unterschiede im Steuerrecht zweier Staaten so zu nutzen, dass Erträge möglichst nirgendwo mehr versteuert werden müssen – dies wird von den Steuerschiebern mit liebevollen Kosenamen bedacht: „Coordination-Center“, „Dublin-Docks“ oder „Dutch-Swiss-Sandwich“.

Kleine Unternehmen stehen in direkter Konkurrenz mit internationalen Konzernen – die hier kaum Steuern zahlen, üppige Subventionen kassieren und zusätzlich noch auf fragwürdige Quellen des Wagniskapitals zurückgreifen können.

 

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