Energiepreise & Arbeitsplätz: „Der Industriestandort Deutschland ist in Gefahr“

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Der Strukturwandel in der Lausitz zeichnet sich durch einen massiven Arbeitsplatzabbau aus. Die Zukunftsszenarien sind denkbar schlecht: Denn der Wegfall löst eine negative Spirale, aus Kaufkraftverlust und weiteren Stellenstreichungen aus, dessen Ende aus heutiger Sicht unabsehbar ist. Außerdem durch die Abschaltung von weiteren Braunkohlekraftwerken werden die Energiepreise weiter ansteigen und noch mehr Stellen gefährden. Nichtsdestotrotz gibt es auch alternative Vorstellungen.

>>Greenpeace Magazin<<

„Die Gutachter empfehlen eine starke öffentliche Beteiligung am Strukturwandel sowie die Unterstützung durch wissenschaftliche Expertise. … Die Kosten der Energiewende müssten regional fair verteilt werden. Das Wuppertal Institut regt an, die Lausitz in eine Wissenschaftslandschaft umzubauen und zu einem attrakiven Standort für die Ausbildung von Fachkräften zu machen.“

 

>>Lausitzer Rundschau<<

„Am ersten Oktober geht der jüngste von sechs 500 MW-Blöcken im Kraftwerk Jänschwalde des Energiekonzerns Leag in eine bundesweite Sicherheitsbereitschaft. Ein Jahr später folgt ein zweiter 500-MW-Block des Kraftwerkes. … Im Kraftwerk und Tagebaubetrieb fielen durch die Sicherheitsreserve 600 Jobs weg, die über vorgezogene Renteneintritte abgebaut werden. „Wir benötigen dann aber auch weniger Instandhaltungsleistungen“, so Rendez. Dadurch würden bei Zulieferern und Servicefirmen etwa eintausend weitere Jobs verloren gehen.“

Der Wegfall von tausenden Arbeitsplätzen ist für die Lausitz ein herber Schlag: Irgendwelche Ideen von einer ominösen „Wissenschaftslandschaft“ zu fabulieren, klingt reichlich weltfremd. In der Realität sind die realen Voraussetzungen für neue Arbeitsplätze denkbar schlecht.

>>Münchner Merkur<<

„Während viele Konzerne nur mehr ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Deutschland belassen, ist Wacker auch ein gewaltiger Produzent in Burghausen und Nünchritz. Was hält Sie hier?

Wir haben hier in Deutschland sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Unsere Standorte hierzulande sind über Jahrzehnte gewachsen. Die Produktionsprozesse sind hervorragend eingespielt, laufen im Verbund und greifen wie ein Uhrwerk ineinander. Das bringt Kostenvorteile, hohe Ausbeuten und hervorragende Qualität der dort hergestellten Produkte. Außerdem: Großchemie-Anlagen lassen sich nicht einfach so versetzen.

Wenn über 70 Prozent des konzernweiten Stromverbrauchs auf Deutschland entfällt, wie oft haben Sie angesichts der hohen Strompreise hierzulande in Gedanken schon mal alles zusammengepackt?

(lacht) Die Strompreise sind genau der Grund, warum wir die nächste große Produktionsanlage in den USA bauen. In Deutschland kann derzeit niemand prophezeien, wohin sich der Strompreis tatsächlich entwickeln wird. Wettbewerbsfähige Stromkosten sind eine der großen Herausforderungen der Energiewende.

Wie sehr hemmt diese Unsicherheit die Industrie?

In der chemischen Industrie bedeuten hohe Strompreise hohe Produktionskosten, weil die Produktion sehr energieintensiv ist. Deshalb sind hohe Strompreise schädlich. Wenn in Deutschland die Energie-Preise also so hoch bleiben oder weiter steigen, dann werden wir eine schleichende Deindustrialisierung in Deutschland feststellen und das halte ich für sehr problematisch. Da muss etwas getan werden. Der Industriestandort Deutschland ist in Gefahr.“

 

>>Zeit<<

„Die mittleren Einkommen seien geschrumpft, parallel wachse aber die Gruppe mit extrem hohem Einkommen. Um die mittleren Einkommen zu stärken, fordern die Autoren Branchenflächentarife. Doch dazu müssten wieder mehr Beschäftigte Mitglied in einer Gewerkschaft sein. Die Zahl der organisierten Beschäftigten sinkt jedoch seit Jahren: Ende 2017 hatten die DGB-Gewerkschaften noch knapp sechs Millionen Mitglieder. Dabei gibt es gut 40 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland. Im Jahr 2000 waren noch 7,8 Millionen Menschen Mitglied in einer Gewerkschaft und damals war auch die Zahl der Erwerbstätigen geringer. Eine Möglichkeit wäre es, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären, wie etwa gerade bezüglich der Pflegebranche diskutiert wird. Bisher sind nur 1,5 Prozent aller gut 70.000 Tarifverträge in Deutschland allgemeinverbindlich. Davon profitierten alle Erwerbstätigen in einer Branche, heißt es in der Studie. Apropos Zahl der Erwerbstätigen: Diese steigt seit Jahren stetig, und zwar nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Zu erklären sei das einerseits durch die Emanzipation, immer mehr Frauen sind berufstätig, schreiben die Verfasserinnen und Verfasser der Analyse. Zugleich steige die Lebenserwartung und immer mehr Menschen arbeiteten auch im Alter. Auch wächst die Weltbevölkerung. Bei der Zahl der Beschäftigten spiele auch die Arbeitsmigration eine große Rolle. Während in Deutschland in den vergangenen vier Jahrzehnten über zwei Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden seien, sei die Zahl der Arbeitslosen effektiv nur um 400.000 gesunken, heißt es in der Studie. Warum? Weil viele Menschen aus anderen Ländern mittlerweile in Deutschland arbeiteten. Die Autoren gehen davon aus, dass die Arbeitsmigration in Zukunft noch weiter steigen werde. … Nur jeder Zehnte allerdings könne seine Arbeitszeit auch selbstbestimmt wählen. Viele Beschäftigte klagten über Stress, Überstunden und Arbeitsverdichtung.“

Gute bezahle Arbeitsstellen brechen weg und die die bleiben, werden immer schlechter bezahlt. Hinzu kommt: Arbeitsbelastung und unbezahlte Überstunden steigen kontinuierlich an. Denn am Arbeitsmarkt gilt: Das klassische Prinzip von Angebot und Nachfrage.

 

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