Flugabwehrraketen: Wie mit dem Leben von Piloten und Passagieren gespielt wird

Screenshot youtube.com

Als am Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die ersten tragbaren Boden-Luftraketen zum Einsatz, deren späteren weltweiten Siegeszug konnte sich zu jenen Zeitpunkt gewiss niemand so richtig vorstellen. Selbst ein ungeübter Schütze ist mit solch einer Waffe in der Lage, ein modernes Kampfflugzeug oder eben eine zivile Verkehrsmaschine abzuschießen. Jedoch die meisten militärischen Muster können Gegenmaßnahmen – wie Ausstoß von Täuschkörpern – einleiten. Die nichtmilitärischen Gegenstücke können dies nur in sehr wenigen Fällen und die zivilen Maschinen unter Deutscher Flagge praktisch in Gänze überhaupt nicht. Dabei nimmt die Verbreitung und Leistungsfähigkeit von sogenannten MANPADS beständig zu.

>>Jüdische Allgemeine<<

“Den 28. November 2002 werden die 261 Passagiere des Arkia-Fluges von Mombasa in Kenia nach Tel Aviv wohl nicht so schnell vergessen. Nur um Haaresbreite entging die Maschine der israelischen Chartergesellschaft einem Anschlag, als Al-Kaida-Terroristen zwei SA-7 Strela Flugabwehrraketen auf die Boeing 757 abschossen. Allein das Geschick der Piloten und eine gehörige Portion Glück verhinderten die Katastrophe.”

 

>>Welt<<

“Eine tragbare Rakete, ein mittelmäßiger Schütze – das genügt, um ein Flugzeug abzuschießen, zumindest in niedriger Höhe. Zivile Jets können sich kaum wehren: Nur wenige fliegen mit Abwehrsystem. … Weltweit gibt es Hunderttausende sogenannter Einmannlenkwaffen. Bei kriegerischen Auseinandersetzungen können damit militärische Flugzeuge und Hubschrauber abgeschossen werden. Geraten die relativ leicht zu bedienenden Lenkwaffen, die von der Schulter aus abgefeuert werden, aber in die falschen Hände, so lassen sich damit auch Passagierflugzeuge zum Absturz bringen. Weltweit wurden bereits Dutzende von Angriffen mit den unter Experten als „Manpads“ bezeichneten Lenkwaffen auf Zivilflugzeuge gezählt – meist in Krisengebieten. So wurde beispielsweise 2007 in Mogadischu ein russisches Illjuschin-Flugzeug kurz nach dem Start von drei Raketen getroffen. Dabei kamen elf Menschen ums Leben. 2003 wurde von irakischen Aufständischen ein Airbus-Frachtflugzeug der deutschen Logistikfirma DHL von einer Rakete getroffen, konnte aber in Bagdad notlanden. Die Einmannlenkwaffen, wie die amerikanische Stinger oder die russischen Systeme Strela und Igla, steuern ihr Ziel nach einer groben Ausrichtung durch den Schützen selbstständig an. Nach dem Fire-and-Forget-System sucht sich die tödliche Sprengladung selbst ihren Weg. Je nach technischer Generation der Systeme orientiert sich der Suchkopf meist an der Infrarotstrahlung des Flugzeugs und steuert damit die heißen Triebwerke an. Militärflugzeuge haben Schutzsysteme gegen diese Angriffe. Sie können beispielsweise heiße Täuschkörper, sogenannte Flares, ausstoßen. Außerdem gibt es Laser-Abwehrsysteme, die den Suchkopf der anfliegenden Lenkrakete ablenken, verwirren oder zerstören.”

 

>>Bundeszentrale für Politische Bildung <<

“Die Bedrohung der zivilen Luftfahrt durch MANPADS gilt als extrem hoch und wird von Piloten, Fluggesellschaften und zivilen Luftfahrtbehörden sehr ernst genommen.”

 

>>Spiegel<<

“Fluglinien und Behörden planen technologische Maßnahmen gegen die Bedrohung. Das US-Heimatschutzministerium hat Anfang dieses Jahres die Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne BAE Systems, Northrop Grumman und United Airlines beauftragt, Raketenabwehrsysteme für Ziviljets zu entwickeln. … In Israel ist man schon einen Schritt weiter: Im August 2003 kündigte Premierminister Ariel Sharon an, für insgesamt neun Millionen US-Dollar sieben bis zehn Passagierflugzeuge so schnell wie möglich mit dem Abwehrsystem “Elta” ausrüsten zu lassen. … Militärische Anti-Raketen-Systeme beruhen in der Regel auf Täuschkörpern: Ein Flugzeug, das von einer Rakete ins Visier genommen wird, stößt Hitzefackeln (“Flares”) aus, um den Hitzesuchkopf des anfliegenden Geschosses in die Irre zu führen. Daneben gibt es so genannte Infrarot-Jammer, die mit Lichtblitzen die feindlichen Raketen stören oder gleich gänzlich vernichten.”

Mittlerweile sind zahlreiche zivile israelische Flugzeuge mit dem System ausgerüstet.

>>Tagesspiegel<<

“Entlang der irakischen Grenze verlaufen die beiden Luftstraßen UL223 (Richtung Südosten) und Q1 (Richtung Nordwesten). Sie stellen die wichtigste Route zwischen Europa und den Golfstaaten dar. Rund 800 Flugzeuge passieren sie täglich. Auch am Montag zeigten sich im Radarbild die Jets von Gesellschaften wie Emirates, Etihad und Qatar Airways, aber auch von Air Berlin, British Airways, Lufthansa, KLM und vielen anderen Airlines aufgereiht wie auf einer Perlenschnur.”

 

>>Rheinmetall AG<<

“Rheinmetall bietet ein breites Spektrum an hochwirksamen aktiven und passiven Schutzlösungen. Entwickelt werden hocheffiziente Luftfahrzeugscheinziele und so genannte Flares zum Schutz von Transportflugzeugen, Hubschraubern und Jets vor modernen infrarotgelenkten Boden-Luft- und Luft-Luft-Lenkflugkörpern. Die Scheinziele können von den Krisenreaktionskräften oder beispielsweise auch von der zivilen Luftfahrt eingesetzt werden.”

Wenn man sich die Masse der Konfliktgebiete ansieht, kommt unweigerlich zum Ergebnis: Das diese gar nicht mehr umflogen werden können. Hinzu kommt: Niemand kann heutzutage mehr seriös beurteilen, wo überall auf der Erde sich einsatzbereite Boden-Luft-Raketen – in welchen Händen auch immer – befinden. Diesen Sachverhalt haben offensichtlich auch hohe politische Funktionäre erkannt und haben ihrerseits die eignen hausinternen “Privatjets” mit zusätzlichen Schutzsystem ausrüsten lassen. Piloten und Passagiere von gewöhnlichen zivilen Linienmaschinen dürfen allerdings weiterhin – anders als in Israel – sogenanntes “russisches Roulette” mit den Terroristen überall auf den Planeten spielen.

 

 

 

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