Hirntod-Diagnose: Warum Organspender plötzlich zum Leben erwachen

Screenshot trumpfmedical.com

Das Geschäft um die Organtransplationen ist ein Milliardenmarkt. Zahlreiche Kliniken und Pharmakonzerne erwirtschaften damit beträchtliche Umsätze. Der Druck auf Ärzte die „richtigen“  Hirntod-Diagnose zu erstellen ist hoch. Angehörige befinden sich dabei in einer Ausnahmesituation und werden genötigt Organe zum Spenden frei zu geben. In Erklärungsnot geraten immer dann Ärzte: Wenn vermeintlich tote Patienten auf eignen Füßen das Krankenhaus lebendig verlassen.

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„Als der 13 Jahre alte Trenton McKinley ins Krankenhaus eingeliefert wird, ist er bereits seit 15 Minuten tot. Die Ärzte des USA Medical Center in der US-Stadt Mobile müssen den Jungen wiederbeleben. Er hatte zuvor mit einem Freund gespielt, dabei in einem Anhänger gesessen, der plötzlich umgekippt war. Der Junge landete auf dem Betonboden, der Anhänger fiel ihm auf den Kopf. Trenton verbringt mehrere Tage in der Klinik, muss insgesamt vier Mal wiederbelebt werden. Am Ende vermuten die Ärzte, dass der Junge hirntot ist und führen die erste von zwei dafür notwendigen Untersuchungen durch. Sie bestätigt den Verdacht. Obwohl noch ein weiterer Test aussteht, sprechen die Ärzte bereits mit den Eltern über eine mögliche Organspende und lassen sie sogar schon eine Einverständniserklärung unterschreiben. Die Eltern wollen Trentons Organe an fünf kranke Kinder spenden. Umso unerwarteter ist für sie, dass der Junge zwei Tage nach der ersten Untersuchung plötzlich wieder ein Lebenszeichen zeigt. Die zweite Untersuchung wird abgesagt. Es kommt noch besser: Entgegen allen Erwartungen erholt sich Trenton langsam von dem Unfall. Mittlerweile ist er sogar wieder zuhause.“

 

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„Eigentlich sollte Carina (19) heute tot sein. Eigentlich sollten alle ihre Organe das Leben anderer Menschen gerettet haben. Aber die Dänin ist quicklebendig und geht auf Partys – wie jede andere junge Frau auch! … Die Mutter fragte verzweifelt: „Gibt es wirklich überhaupt keine Hirnaktivität?“  Die Ärztin antwortete mit einem überzeugenden Nein. … Oberärztin Dahlerup will bisher nichts zu Carinas Fall sagen, allerdings äußerte sich ihr Chef, Chefarzt Dr. Carsten Kock-Jensen. Gegenüber „Ekstra Bladet“ meinte er: „Die Eltern haben nicht richtig zugehört, sonst hätten sie verstanden, dass sie noch nicht ganz hirntot war.“

 

>>Der Tagesspiegel<<

„Das sind Fragen, über die die meisten Menschen kaum nachdenken. Nur eine Minderheit der Bundesbürger hat einen Organspendeausweis, gerade einmal 12 Prozent treffen zu Lebzeiten ihre Entscheidung. Die Konsequenz: In den meisten Fällen müssen Angehörige entscheiden, und das innerhalb weniger Stunden. Weniger als sechs Prozent aller Organspenden kommen, kritisiert die KAO, auf direkten Wunsch der Spender zustande. Die Last der Entscheidung liegt bei den Familien, und das findet die KAO unzumutbar: Menschen stünden beim Tod eines geliebten Angehörigen unter Schock. In dieser Situation verbiete sich die Frage nach einer Organentnahme eigentlich. „Es ging schon über meine Kraft, dass mein Sohn im Sterben lag“, erzählt Renate Focke. Auch Gisela Meyer hat sich in dieser Situation überfordert gefühlt und hat nicht einmal glauben können, dass ihr Sohn tot sein sollte: „Wie schlafend lag er da. Zwar wurde er beatmet, doch er bewegte sich auf Berührung.“ Für Gisela Meyer war das unbegreiflich: „Ich hielt seine warme Hand und glaubte keinen Moment, dass er tot ist.“ Dieses Problem haben viele Angehörige, weiß man bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation: „Die intensivmedizinisch aufrechterhaltene Herzaktion und Körperwärme des hirntoten Patienten wird von vielen Angehörigen auf der Gefühlsebene als Lebenszeichen gedeutet.“ „Es war unerträglich“, erinnert sich Gisela Meyer. „Und dieser Druck: Wenn du dich nicht entscheidest, dann bist du auch noch schuld am Tod derer, die ein Organ brauchen.“ Sie stimmte also einer Organspende zu. Sie dachte, die Maschinen würden nun abgestellt. Dass eine Entnahme nur bei schlagendem Herzen möglich ist und ihr Sohn dabei beatmet werden musste, wusste sie nicht. Sie fragt sich, was er noch empfunden haben mag. In den Krankenhausunterlagen fand sie später, dass er eine Lokalanästhesie bekam: „Wenn er tot sein soll, wieso kriegt er dann eine Lokalanästhesie?“ Ein Albtraum. Sie schämt sich, fühlt sich schuldig: „Ich muss damit leben, mein Kind im Sterben verlassen zu haben.“ Die KAO will eine Gesetzesreform und plädiert für die enge Zustimmungsregelung: Nur erklärten Spendern sollen Organe entnommen werden, Angehörige sollen das nicht entscheiden dürfen. 16-Jährige können in Deutschland einen Organspendeausweis haben, schon 14-Jährige können widersprechen. „Menschen müssen wissen, worauf sie sich bei einer Organentnahme einlassen“, fordert die KAO. Ethische Themen dürften bei der Werbung für Organspenden nicht vernachlässigt werden.“

Elektroenzephalografie: Damit können Hirnströme sehr genau gemessen werden und genau solche Untersuchungen finden bei einer Hirntod-Diagnose eben nicht statt. Weswegen die vermeintlichen „Wunder-Patienten“ – die vermeintlich von Toten zurück gekehrt sind – mitnichten Wunder vollbracht haben. Vielmehr ist Organhandel, Organentnahme, und Organtransplation ein lukratives Geschäft für nicht wenige Klinikbetreiber. Darum wird auf Angehörige enormen Druck ausgeübt und ein sogenannter Hirntod ist schnell herbeidiagnostiziert.

 

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