Kernwaffen: Die inoffiziellen Nuklearprogramme

Screenshot businessinsider.com

Abseits der offiziellen Atommächte verfügen zahlreiche Staaten über ein klassifiziertes oder zumindestens teilweise geheimes Kernwaffenprogramm. Nicht alles – aber manches davon – dringt an die Öffentlichkeit, dennoch bleibt vieles Spekulation.

>>Zeit<<

“Die Atombomben existieren angeblich nicht mehr, das „Plant Y“ in Valindaba wurde demontiert. Es wäre ein einzigartiger Vorgang im Atomzeitalter: eine klammheimliche Nuklearmacht, die sich dazu entschließt, ihre Kernwaffen freiwillig zu vernichten. Zwanzig Jahre lang hat alle Welt über die Bombenpläne Pretorias gerätselt. Vorigen Donnerstag, 16.45 Uhr Ortszeit, lüftete Staatspräsident Frederik de Klerk das Geheimnis: Sein Land sei im Besitz von sechs einsatzfähigen Atombomben gewesen, an einer siebten sei gebaut worden; man habe sie aber längst wieder zerstört. „Südafrikas Hände sind sauber, und wir verbergen nichts.“ Die schwarze Befreiungsbewegung African National Congress (ANC) begrüßte das Bekenntnis de Klerks – und übte scharfe Kritik. Die Regierung solle „über jedes Gramm waffenfähigen Urans, das sich noch in ihrem Besitz befindet, Rechenschaft ablegen“. Ist es verwunderlich, daß der ANC den weißen Machthabern nicht so recht glauben will? Jahrelang hat das Apartheidregime die eigenen Bürger belogen, die Weltöffentlichkeit getäuscht und sogar die großen Geheimdienste an der Nase herumgeführt.”

Ob dieser “einzigartige Vorgang” Anfang der 1990er so überhaupt jemals stattgefunden hat, bleibt auch Jahrzehnte später eher fragwürdig. In den Zusammenhang steht auch der – bis heute – nicht gänzlich aufgeklärte Vela-Zwischenfall, wo spekuliert wird: Ob es sich dabei möglicherweise um einen Kernwaffentest von Südafrika gehandelt habe. Auch anderswo wurden nukleare Träume – teilweise mit deutscher Hilfe – Wirklichkeit.

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“Im Herbst 1987 fand in Dubai ein geheimes Treffen statt. In einem kleinen, verstaubten Büro kamen acht Männer zusammen: drei Iraner, zwei Pakistaner und drei Experten aus Europa (darunter zwei aus Deutschland), die allesamt für den Iran arbeiteten. Die Vertreter des Iran und Pakistans unterzeichneten eine geheime Vereinbarung. Den Pakistanern – genauer: Dr. Abdul Kadir Khan, dem Leiter des offiziellen pakistanischen Atomwaffenprogramms – wurde eine große Summe überwiesen. Pakistan hatte einige Jahre zuvor sein eigenes Atomprojekt in Gang gesetzt, um militärisch mit seinem Erzfeind Indien gleichzuziehen. Dr. Khan brauchte dringend spaltbares Material für den Bau einer Atombombe. Er wollte jedoch nicht Plutonium verwenden, wie es in den klassischen Atomreaktoren gewonnen wird, sondern angereichertes Uran. Abgebautes Uranerz enthält lediglich knapp ein Prozent des für die Herstellung von Nuklearwaffen benötigten Isotops U-235. Die übrigen mehr als 99 Prozent bestehen aus wertlosem U-238. Khan entwickelte eine Methode, bei der natürlich vorkommendes Uran in Gas umgewandelt und dann in eine Reihe hintereinander angeordneter Zentrifugen, eine sogenannte Kaskade, geleitet wird. Während das Urangas in den Zentrifugen mit der irrsinnigen Geschwindigkeit von 100 000 Umdrehungen pro Minute verwirbelt wird, trennt sich das leichtere Uran-235 vom schwereren Uran-238. Indem dieser Prozess tausendfach wiederholt wird, produzieren die Zentrifugen angereichertes Uran-235. Dieses Gas ergibt, wenn man es wieder in feste Materie umwandelt, genau jene Substanz, die man für den Bau einer Atombombe benötigt. Khan hatte die Pläne für den Bau einer solchen Zentrifuge von Eurenco gestohlen, einer europäischen Firma, für die er in den frühen Siebzigerjahren gearbeitet hatte, und in Pakistan mit dem Bau eigener Zentrifugen begonnen. Khan entwickelte sich zu einem »Händler des Todes« und verkaufte sowohl seine Methode als auch die Formeln und Zentrifugen. Sein bester Kunde wurde der Iran; Libyen und Nordkorea zählten ebenfalls zu seinen Abnehmern. Auch die Iraner kauften anderswo Zentrifugen und lernten, wie sie sie vor Ort herstellen konnten. Immer wieder trafen riesige Schiffsladungen mit Uran, Zentrifugen, elektronischem Material und Ersatzteilen im Iran ein. Ausgedehnte Anlagen zur Weiterverarbeitung von Rohuran, zur Unterbringung von Zentrifugen und zur Umwandlung von Gas zurück in festes Material wurden errichtet; iranische Wissenschaftler reisten nach Pakistan, pakistanische Experten in den Iran – und niemand bemerkte etwas. Die Iraner achteten sehr sorgfältig darauf, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Sie verteilten ihr Atomprogramm auf zahlreiche Standorte im ganzen Land, auf Militärbasen, getarnte Labors und abgelegene Anlagen. Einige wurden tief unter der Erde errichtet und mit ganzen Batterien von Boden-Luft-Raketen gesichert. Ein Werk wurde in Isfahan gebaut, ein weiteres in Arak, das wichtigste von allen – die Zentrifugenanlage – in Natanz, ein viertes nahe der heiligen Stadt Ghom. Gab es auch nur den kleinsten Hinweis, dass ein Standort aufzufliegen drohte, wurden die atomaren Anlagen sofort verlegt; man trug sogar Erdschichten ab, von denen man vermutete, dass sie radioaktiv verstrahlt sein könnten.”

 

>>Welt<<

“Als kürzlich bekannt wurde, dass der Bundesnachrichtendienst die Türkei ausspäht, gab es dafür gleich mehrere denkbare Gründe: Durch das Land am Bosporus ziehen islamistische Kämpfer in die Krisenherde im Irak und Syrien. Drogenschmuggel, Schleuserkriminalität, militante Kurden kann man in Erdogans Türkei ebenfalls auskundschaften. Doch es gibt einen noch besseren, wenn auch kaum bekannten Grund, der die Türkei zu einem legitimen Ziel deutscher Nachrichtendienste macht. Seit einiger Zeit mehren sich die Anzeichen, dass Präsident Erdogan sein Land nuklear bewaffnen will. … Und auch die Türkei hat in den vergangenen Jahren ein groß angelegtes ziviles Nuklearprogramm aufgelegt. Die offizielle Begründung dafür: Die heimische Wirtschaft wachse und brauche mehr Strom. 2011 beauftragte Ankara die russische Firma Rosatom für 15 Milliarden Euro mit dem Bau eines großen Reaktorkomplexes an der Mittelmeerküste, etwa 300 Kilometer östlich der Touristenhochburg Antalya. Zwei Jahre später folgte eine ähnliche Vereinbarung mit einem japanisch-französischen Konsortium zum Preis von 17 Milliarden. Noch interessanter als diese Zahlen aber sind die Verträge – und vor allem das, was nicht darin steht. Wenn Unternehmen einen Leichtwasserreaktor bauen, dann verpflichten sie sich normalerweise gegenüber der Regierung, das Projekt 60 Jahre lang zu betreiben, das zum Betrieb erforderliche Uran zur Verfügung zu stellen und anschließend die abgebrannten Brennelemente zurückzunehmen. Genau das boten im Fall der Türkei sowohl Rosatom als auch das japanisch-französische Konsortium an. So weit nichts Besonderes also. Die Türkei aber hat in beiden Fällen darauf verzichtet, die Lieferung von Uran und die Rücknahme der abgebrannten Brennelemente vertraglich zu fixieren.”

Abdul Kadir Khan wird in vielen islamischen Ländern als Held verehrt, weil er den Muslimen die “Bombe” brachte. Die Verbreitung von Kernwaffen wird unweigerlich ihre Fortsetzung finden: Zu viele Staaten verfügen bereits über ausreichend Kenntnisse als auch Erfahrung und Technologie hinsichtlich über die Anreicherung von spaltbaren Material.

 

 

 

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