Künstlicher Intelligenz: Wie die Mathematik unser Leben bestimmt

Screenshot blogs.cfainstitute.org

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz schreitet in rasanten Schritten voran. Die ersten Auswirkungen sind bereits heutzutage Sichtbar und die die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung sind dabei an sehr unterschiedlichen Stellen zu verorten.

>>Neue Zürcher Zeitung<<

“Dass Facebook eine ganze Menge Daten seiner Nutzer sammelt und deren Verhalten analysiert, ist nicht neu. Immer wieder wird der Tech-Gigant wegen seines Umgangs mit Nutzerdaten kritisiert. Das Unternehmen aus dem Silicon Valley aber weiss noch viel mehr, als Nutzern überhaupt bewusst ist. Denn Facebook speist die Profile seiner Nutzer mit Informationen, die diese nicht selbst bei Facebook angegeben haben, sondern die von anderen Nutzern hochgeladen wurden. Wie das US-Techblog «Gizmodo» beschreibt, können insbesondere durch das Hochladen von Kontaktdaten durch Dritte Informationen bei dem sozialen Netzwerk landen, die ein anderer Nutzer selbst gar nicht preisgeben wollte. Dies geschieht zum Beispiel, wenn eine Person ihre Kontakte bei Facebook importiert. Facebook schlägt dies unter dem Schlagwort «Freunde finden» den Nutzern vor. Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder andere Daten und Namen aus den Kontaktdaten dieses Nutzers können dann einem bestehenden Profil zugeordnet werden. Ohne Zutun können die Facebook-Algorithmen damit Verbindungen herstellen, die Nutzer immer wieder überrascht stutzen lassen. Etwa wenn die Mechanismen im Hintergrund dazu führen, dass Facebook unter «Personen, die du kennen könntest» allzu merkwürdige Vorschläge für neue Freundschaften macht. … Man spricht hier von sogenannten Schattenprofilen, die Facebook-Nutzer nicht einsehen oder kontrollieren können. Facebook will so viele Menschen wie möglich miteinander in Verbindung bringen und sammelt so viele Daten wie möglich, um massgeschneiderte Werbung ausspielen zu können. Das Netzwerk sieht das als Service. Einen genauen Einblick in die Funktionsweise seiner Datenmaschinerie aber gibt Facebook nicht.”

 

>>Süddeutsche Zeitung<<

“Es ist derzeit nicht ganz einfach mit Stefanie Sprengnagel in Kontakt zu treten. Man kann der österreicherischen Schriftstellerin zwar eine Nachricht über Facebook schreiben, aber Sprengnagel schreibt nicht zurück. Weil sie es nicht kann, denn sie ist auf Facebook gesperrt. Sprengnagel, besser bekannt unter ihrem Pseudonym Stefanie Sargnagel, ist eine ironische Person, ihre Texte sind oft Satire, ihre Haltung ist politisch in aller Regel links. Würde sie das, was sie auf Facebook veröffentlicht, in einer Zeitung schreiben, entstünde gewiss ab und an eine Debatte über die Freiheit der Kunst. Auf Facebook aber drückt stattdessen ein Mitarbeiter die Taste Löschen – und die Sache ist erledigt. Natürlich nur für Facebook. Anderen Menschen fehlt ja etwas, nämlich der Text von Sprengnagel. Perfide daran ist, dass die meisten Nutzer meist gar nicht wissen, dass etwas fehlt. Anders als in einem Gerichtsverfahren, ist die Öffentlichkeit nicht zugelassen, wenn Facebook seine Urteile fällt. Es handelt sich nicht um Einzelfälle. So wie Stefanie Sprengnagel geht es jeden Tag vielen Menschen. Wie vielen genau, ist unklar, denn auf die Frage, wie viele Nutzer in Deutschland seit dem 1. Januar 2016 gesperrt wurden, antwortet Facebook-Sprecherin Tina Kulow: “Wir machen zu der Anzahl von gelöschten oder gesperrten Postings keine Angaben.” Nach Postings wurde allerdings nicht gefragt.”

 

>>Die Presse<<

“Die britische Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf mehr als 100 interne Dokumente, die festschreiben, wie mit gemeldeten Inhalten in dem sozialen Netzwerk umzugehen ist. “Trete jemanden mit roten Haaren” ist ebenso erlaubt wie “Lass uns fette Kinder treten” oder “Um den Nacken einer Schlampe zu brechen, richte all deinen Druck auf die Mitte ihres Halses” – Facebook stuft solche Inhalte als “unglaubwürdig” und “gewalttätigen Ausdruck von Antipathie und Frustration” ein. Aussagen wie “Irgendwer sollte Trump erschießen” oder “#ersteche und werde zur Furcht der Zionisten” hingegen müssten gelöscht werden. … Moderatoren hätten oft nur zehn Sekunden Zeit, um eine Entscheidung zu treffen, schreibt der “Guardian”. “Facebook kann seine Inhalte nicht unter Kontrolle halten”, sagte ein Facebook-Angestellter. “Es ist zu schnell, zu groß gewachsen.” Viele Moderatoren hätten Bedenken über die Widersprüchlichkeit der Regeln. So seien die Bestimmungen über sexuelle Inhalte besonders komplex und verwirrend. In der Vergangenheit war Facebook mehrmals wegen seiner Löschpolitik in Kritik geraten. Für Aufsehen sorgte etwa, dass die Plattform das weltbekannte Foto des “Napalm-Mädchens”, das die Grauen des Vietnamkriegs festhält, von der Facebook-Seite einer norwegischen Zeitung entfernte. So forderten Kritiker in Europa und den USA, das einflussreiche Unternehmen solle sich an die gleichen Regeln wie Massenmedien halten müssen. Die veröffentlichten Dokumente geben unter anderem Einblick in den Umgang Facebooks mit Gewalt-Videos. Sie seien zwar verstörend, doch könnten sie Bewusstsein über psychische Krankheiten, Kriegsverbrechen oder “andere wichtige Themen” schaffen. Daher sollen sie vor “Minderjährigen versteckt”, aber nicht “automatisch gelöscht” werden.”

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Stuart Russell, Professor für Informatik an der University of California und einer der führenden Forscher zur Künstlichen Intelligenz (KI), zeigte kürzlich einen Science-Fiction-Clip: Darin präsentiert der CEO einer Firma im Stile von Steve Jobs eine handgroße Drohne, die, ausgestattet mit drei Gramm Sprengstoff und Gesichtserkennungssystem, ihre Zielperson ansteuert und sie vollautomatisch eliminiert. Tausende solcher Minidrohnen (Slaughterbots) könnten ausschwärmen und eine halbe Stadt auslöschen. „Die böse Hälfte“, wie der Firmenchef in dem Clip sagt. … Zudem könnten die Waffensysteme in die Hände von Terroristen und Diktatoren fallen. „Wenn diese Büchse der Pandora einmal geöffnet ist, wird es schwierig, sie wieder zu schließen“, schreiben die Verfasser. Sie sind nicht die Ersten, die sich gegen die neuartigen Waffen wenden. Bereits 2015 hatten mehr als tausend Wissenschaftler und IT-Unternehmer, unter ihnen Stephen Hawking, Steve Wozniak und Noam Chomsky, ein Verbot autonomer Waffen gefordert. Die Forscher warnten vor einer Zukunft, in der diese Waffensysteme so allgegenwärtig sein könnten wie Kalaschnikow-Sturmgewehre – weil sie billiger und einfacher herzustellen sein könnten. Kampf- und Polizeiroboter kommen längst zum Einsatz. In der „demilitarisierten“ Zone zwischen Nord- und Südkorea patrouilliert Tag und Nacht eine Flotte halbautonomer Kampfroboter. Der Typ SGR-A1, eine Entwicklung der Samsung-Tochter Techwin, ist mit einem Maschinengewehr ausgerüstet und soll in der Lage sein, mittels Bewegungssensoren und Wärmebildkamera den Feind über vier Kilometer aufzuspüren und automatisch zu feuern. Kampfroboter haben gegenüber Soldaten aus Fleisch und Blut entscheidende Vorteile: Sie werden nicht müde, sind billiger und desertieren nicht. Menschliche Sicherheitskräfte müssen sich nicht mehr in Gefahrensituationen begeben, wenn an der Front ein Roboter steht. … Der französische Informatiker Jean-Paul Delahaye hält das Argument „sauberer“ Kriegsführung für falsch, weil es unterstelle, dass man einem Killerroboter Regeln wie „Ziele nicht auf Zivilisten“ oder „Greife nur den Feind an“ einprogrammieren könne. Das sei in der Praxis nicht möglich.”

Eines der Grundprobleme dürfte sein, das künstliche Intelligenz vollkommen anders funktioniert als menschlich Intelligenz. Auf Basis von vorhandenen Daten berechnet ein mathematischen Algorithmen einen theoretischen Wahrscheinlichkeitswert und auf genau diesen Wert fußt eine sehr reale Entscheidung. Das ist auch der Grund, warum die menschliche Sprache für das Programm so unpraktisch ist und es sich deshalb bereits eine eigene künstliche Sprache selbst geschaffen hat. Die bereits heute eingesetzten Roboter – beispielsweise zu Grenzsicherung oder Drohnen in der Luft – stellen dabei nur eine Vorstufe da: Die Achillesverse solcher Systeme bleibt die kabelgebundende oder kabellose Verbindung zum menschlichen Operator. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Drohne X-47B heute im Museum und nicht in der Luft zu bestaunen ist. Ziel war es eine Drohne zu entwickeln die selbstständig Kampfeinsätze fliegen kann und das ist gegenwärtig nur in Staaten möglich, die keine nennenswerte – aus welchen Gründen auch immer – Luftvermeidung haben. Ansonsten fliegt die teure Technik direkt die Arme des Gegners.

 

 

 

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