„Länder mit dem weltweit höchsten Wohlstandsniveau sind praktisch durchwegs klein“

Screenshot vimeo.com

Die Vorzüge von kleinen Staaten werden gerne unter den Tische fallen gelassen. Dabei führen gerade kleine Länder die die Ranglisten des Wohlstandsniveau an. Dies kommt keineswegs von ungefähr, sondern ist Strukturbedingt.

>>Lausitzer Rundschau<<

„Die Lausitzrunde hat einen Vorteil. Sie ist eines der ganz wenigen Gremien, die die Lausitz in Brandenburg und Sachsen repräsentieren. 23 Bürgermeister und Landräte von Görlitz über Bautzen, Spremberg bis Senftenberg haben sich einem Ziel verschrieben: Einen Strukturbruch in der Kohle wie in den 1990er-Jahren darf es nicht noch einmal geben. Der Crash von damals hat zwar einen Großteil der Kohlendioxid-Reduzierung für Deutschland gebracht. Doch die Lasten von Massenarbeitslosigkeit bis Entvölkerung ganzer Landstriche sind an der Region hängen geblieben. Wenn die Lausitzrunde eher als geheime Verschworenentruppe gestartet ist – inzwischen scheint sie auf die Überholspur gekommen zu sein.“

 

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„Taleb argumentiert außerdem, dass »wir kleinere, dezentralisierte Regierungen benötigen. Auf dem Papier mag es aufgrund der Erzielung von Skaleneffekten effizienter erscheinen, wenn man groß ist, aber in der Realität ist es effizienter, wenn man klein ist. … Ein Elefant kann sich sehr schnell ein Bein brechen, während man eine Maus aus dem Fenster werfen kann, ohne dass sie Schaden nimmt, Größe macht zerbrechlich«, so Taleb weiter. Ist die Schweiz die Maus, dann sind die EU, aber auch Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien oder Deutschland die Elefanten. Wenn politische Einheiten tendenziell größer werden, nimmt auch ihre Komplexität zu. Umso störender wirken sich politische Eingriffe und Interventionen aus, die wegen ihrer Wechselwirkungen jedoch nicht als Störungsursache erkannt werden. Aber die Wechselwirkungen werden als Störungen wahrgenommen und dienen der Legitimierung weiterer Eingriffe und Interventionen seitens der Politik. Bei schwachem Wirtschaftswachstum oder Rezessionen nennt man diese reflexartigen Eingriffe Stabilisierungs- oder Konjunkturpolitik. Das klingt gut und lässt die Bürger annehmen, die Politik hätte eine Theorie und einen Plan. Je größer und regulierter Systeme sind und je stärker sie auf Stabilität ausgerichtet werden, umso träger und fragiler werden sie. Gerade in den vergangenen Jahren war regelrecht lehrbuchhaft zu beobachten, wie mittels künstlich geschaffener Stabilität komplexe Systeme ihrer Variabilität beraubt wurden. Das zeigt sich aber leider erst in dem Moment, in dem etwas Unvorhergesehenes passiert und Systeme dadurch in die Krise geraten. Dann verfällt die Politik in den Krisenmodus. Politiker treten vor Mikrofone und beginnen ihre Statements mit »Wir müssen …«. Das ist die Zeit der Besserwisser. Es folgen Maßnahmen, deren Wechselwirkungsweise – wie wir festgestellt haben – in einem komplexen System niemand abschätzen kann. Ein Teufelskreis. Am Beispiel der Schweiz, die Taleb »in ökonomischer Hinsicht als den robustesten Ort auf dem Planeten« bezeichnet, kommt er zum Schluss, dass es das »von unten nach oben« strukturierte Herrschaftssystem ist, verbunden mit der Größe des Landes, das ein hohes Maß an Variabilität ermöglicht und dadurch Antifragilität und Robustheit entstehen lässt. So verwundert es nicht, dass die Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft weder ein Staatsoberhaupt noch einen Regierungschef im klassischen Sinne kennt und sich die Aufgaben des Bundespräsidenten auf den Vorsitz des Bundesrates und das Repräsentieren beschränkt. Wer wüsste die Namen der wichtigsten Schweizer Politiker zu ­nennen? Selbst für die Schweizer ist es nicht besonders wichtig zu wissen, wer ihr aktueller Bundespräsident ist, da er sich wenig in ihr Leben einmischt. Ganz im Gegensatz zu den Mächtigen in der EU oder anderer Nationen. Die mischen sich gewaltig ein, und darum kennt man sie auch. Nur allzu gerne präsentieren sie sich auf globaler Bühne und jetten von Gipfeltreffen zu Gipfeltreffen, um scheinbar notwendige Eingriffe zu beschließen, die Probleme lösen sollen, die sie selbst verursacht haben. Dann doch lieber langweilig und stabil als instabil und nicht enden wollende Berichterstattungen über Politveranstaltungen.“

 

>>Neue Zürcher Zeitung<<

„Wenn man den Wohlstand von Staaten in Beziehung zu deren Bevölkerungsgrösse setzt, zeigt sich ein klares Bild: Die Länder mit dem weltweit höchsten Wohlstandsniveau sind praktisch durchwegs klein. Die bevölkerungsreichsten Staaten hingegen sind (mit Ausnahme der sehr föderalistisch organisierten USA) relativ arm. … Nur klein sein genügt eben nicht. Wer klein ist und Erfolg haben will, braucht einen funktionierenden Rechtsstaat, der Korruption eindämmt, und eine schlanke Verwaltung. Er muss ideenreich und wettbewerbsfähig sein. Unter den ersten zehn in der Rangliste des IMD World Competitiveness Center der wettbewerbsfähigsten Länder finden sich mit Ausnahme der USA nur kleinere Länder (vgl. Grafik). Und in Europa sind die Länder mit den geringsten Staatsschulden alle klein; Liechtenstein hat gar keine Schulden, in Estland betragen sie bloss 10% des BIP. Henrique Schneider, Chefökonom des schweizerischen Gewerbeverbands, erklärt dies unter anderem mit der grösseren Flexibilität und der geringeren Regulierungsdichte in kleinen politischen Einheiten. Im Kanton Appenzell Innerrhoden, wo alle Gesetze explizit durch die Landsgemeinde angenommen werden müssen, habe es beispielsweise nie ein Gesetz über die Ladenöffnungszeiten gegeben. Während andernorts endlos über die Ladenöffnung an Sonntagen gestritten wurde, hätten Appenzeller Geschäftsleute auf die sich verändernden Gewohnheiten reagieren und sich bietende Geschäftsgelegenheiten wahrnehmen können. Auch vom Argument, dass es teuer komme, klein zu sein, weil die Verwaltungskosten auf weniger Köpfe verteilt werden müssen, hält Schneider wenig. Knappheit sei meist nicht das Problem, sondern eine treibende Kraft hinter Innovation und Wettbewerbsfähigkeit, hält er dem entgegen. Zu den Faktoren, die kleine Länder erfolgreicher machen als grössere, gehört die direktere Verantwortlichkeit der Politik gegenüber den Bürgern, was unter anderem Antonio Martino hervorhebt, der in der Regierungszeit von Silvio Berlusconi in Italien als Minister gewirkt hat. Die Art, wie es die Schweizer Verfassung den Bürgern ermöglicht, auf die Politik Einfluss zu nehmen und diese zurückzubinden, hält Martino explizit für vorbildlich. Subsidiarität und das Bewusstsein, dass der Staat für den Bürger da ist und nicht umgekehrt, gehören zu den Faktoren, die den meisten erfolgreichen Kleinstaaten gemein sind.“

Selbst innerhalb der Schweiz zeigt: Kleine Kantone stehen tendenziell wirtschaftlich besser da, als große Kantone.

 

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