Lausitz: Industriekultur im Zuge der Geschichte

Screenshot forster-hof.de

Die Stadt Forst in der Lausitz war einst berühmt für ihre zahlreichen Textilfabriken, aber nach der politischen Wende im Jahre 1990 setzte abrupt der Niedergang ein und bis heute wurde die ehemalige blühende Industriekultur nicht wieder aufgebaut. Die Ursachen hierfür reichen weit zurück.

>> Die deutsche Stadt im Mittelalter 1150-1550 von Eberhard Isenmann (Buch) <<

“Eine Vielzahl von Landstädten hatte im 12./13. Jahrhundert ein distanziertes, emanzipiertes Verhältnis zum Landesherrn gesucht und eine weitgehende, den Reichsstädten vergleichbare Autonomie erlangt. … Die Stadt Wien, die um 1200 als größte Stadt im Reich nach Köln gelten konnte und im 15. Jahrhundert mit etwa 20 000 Einwohnern zu den großen Städten zählte, besaß im Spätmittelalter immer nur eine begrenzte Autonomie und war auch nicht bestrebt, sie durch eine aktive Politik zu erweitern.”

Screenshot wikipedia.org

Das Hause Habsburg – welches über viele Jahrhunderte die Geschicke lenkte – waren Meister des diplomatischen Ausgleichs. Demzufolge konnte sich in der Lausitz eine blühende Industriekultur entwickeln.

>>Super Illu (Magazin)<<

“Wer nach Forst in der Lausitz kommt, sollte sich zuerst auf den “Pfad der Industriekultur” begeben. Der Weg lädt ein, die industrielle Vergangenheit der Stadt auf 3,54 Kilometer Länge kennenzulernen um ihre Gegenwart zu verstehen. “Wer unsere Stadt besucht, wird sehen, dass es hier viel schöner ist, als oft erzählt und geschrieben wird” , sagt Rathaussprecherin Susanne Joel. Ein Blick zurück aber ist wichtig: Um 1925 qualmten in Forst die Schornsteine, es gab 288 Textilfabriken. Namen wie Cattien, Hänsel, Noack, Avellis und Pürschel waren berühmt, alles innovative Fabrikanten, die Forst und seine Stoffen weltweiten prächtigen Ruf einbrachten und den Beinamen “Deutsches Manchester”. … 1990 riss der Faden, mit der Wende verschwand die Textilindustrie ins billige Ausland.”

 

>> Wir schaffen das – alleine! von Andreas Marquart & Philipp Bagus (Buch)<<

“Der Wettbewerb zwischen politischen Einheiten bietet neben dem leichteren Exit noch weitere Vorteile. Er macht es leichter zu vergleichen und zu experimentieren. Die unschätzbaren Vorteile von Vergleichen und Experimentieren beginnen im Kleinen. Wenn Ihr Nachbar sich eine neue Bewässerungsanlage für seinen Garten zulegt, werden Sie ihn vielleicht nach seiner Zufriedenheit befragen, wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich ebenfalls eine solche Anlage zu kaufen. Wenn Sie nach ein paar Wochen eine große Überschwemmung im Garten Ihres Nachbarn beobachten, werden sie wahrscheinlich von dieser Marke Abstand nehmen. Ist Ihr Nachbar aber hellauf von seiner Anschaffung begeistert und blüht der Garten auf wie nie zuvor, werden Sie vielleicht in Betracht ziehen, sich ein ähnliches Modell, wenn nicht sogar das gleiche, zuzulegen. So funktioniert Experimentieren. Jemand probiert etwas Neues aus. Dann vergleichen wir das Alte mit dem Neuen, unseren Garten mit dem des Nachbarn. Was funktioniert, wird kopiert, was nicht funktioniert, wird fallen gelassen. Wir lernen. Auf diese Weise entstehen und verbreiten sich Innovationen. Vergleichen und Experimentieren hilft auch auf Gemeindeebene. Wenn eine Gemeinde erstmals ein neues Weinfest veranstaltet, das sich als ein Riesenerfolg erweist, stößt das in den Nachbargemeinden Überlegungen an, ein ähnliches Fest anzusetzen. Was die eine Region gut macht, kann die andere kopieren.”

Die hohe Anzahl von Textilfabriken in der Stadt Forst geht eindeutig auf den Wettbewerb von kleinen politischen Einheiten zurück.

 

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