Lausitz: „Sorbisch muss erhalten bleiben“

Screenshot katholisch.de

Die sorbische Sprache und Brauchtum gehören zum kulturellen Erbe der Welt. Allerdings für die Förderung der Sorben stehen immer weniger Mittel bereit und viele Einrichtungen werden nur durch viel freiwilliges-ehrenamtliches Engagement am Leben gehalten. Dabei ist Sorbisch ein Bestandteil der Identität von der Lausitz.

>>Sorbischen evangelischen Verein – Serbske ewangelske towarstwo<<

„Diese Stämme konnten keine eigenen Staatsstrukturen aufbauen, ihre Gebiete wurden im Hochmittelalter in den Herrschaftsbereich des Heiligen Römischen Reiches eingegliedert. Seit Jahrhunderten leben die Sorben innerhalb deutscher Staatlichkeit. Sie haben kein Muttervolk in den angrenzenden Staaten. Das sorbische Siedlungsgebiet ist seit 1000 Jahren beständig geschrumpft. Das verbliebene Restgebiet in der Lausitz wurde mit Beginn des Industriezeitalters vom Auflösungsprozess erfasst. Die wachsende Dominanz deutscher Sprache und Kultur in allen Lebensbereichen, zuweilen noch verstärkt durch Unterdrückung des Sorbischen in Kirche, Schule und Öffentlichkeit, führte zum Verlust sorbischer Sprache und Kultur. Die Sorben wurden zur Minderheit im eigenen Gebiet.“

 

>>Sorbisches Institut<<

„Zusammenfassender Bericht der Kirchenvisitation in Schleife am 27. und 28. Ok­to­ber 1928 durch den Superintendenten Nay in Muskau Auf besonderen Wunsch des Geistlichen begann ich die Visitation bereits am Sonn­abend früh, um den ganzen Sonnabend zu verwenden auf die Prüfung des Pfarrarchivs und des kirchlichen Rechnungswesens. Auch einer Konfirmandenstunde des Geistlichen wohnte ich bei. Am Sonntag, den 28. Oktober, fanden die Visitationsgottesdienste statt; um 9 Uhr der deutsche mit Ansprache von mir an die Hausväter und Hausmütter, der deutschen Predigt des Geistlichen und im Rahmen des Gottesdienstes meine Unterredung mit der deutschen Jugend. Um 11 Uhr folgte der wendische Gottesdienst, in den außer meiner deutschen Ansprache an die Gemeinde nur die wendische Sprache vorherrschte. Ihm folgte als gesonderter Gottesdienst meine (deutsche) Unterredung mit der wendischen konfirmierten Jugend. Danach Sitzung mit den kirchlichen Körperschaften; am Nachmittag Schlussbesprechung mit dem Geistlichen und Rückkehr nach Muskau. Auf einen Gemeindeabend, mit dem ich sonst gern einen Kirchenvisitations-Sonntag zu beschließen pflege, musste ich verzichten, da einmal erst 8 Tage vorher ein Missions-Gemeindeabend stattgefunden hatte und zum andern, weil am nächsten Tage Kirmes im Dorfe war, bei der der Geistliche bereits am nächsten Morgen einen Festgottesdienst zu halten hatte. Meine Eindrücke von Gemeinde und Pfarrer sind dieselben wie bei meiner Visi­tation 1922. Es ist geradezu erstaunlich, wenige Kilometer von dem Industriezen­trum Weißwasser eine Gemeinde zu finden mit solch wundervoller Kirchlichkeit. Besonders die wendischen Gottesdienste legten davon ein beredtes Zeugnis ab. Der Kirchgang der etwa 800 wendischen Kirchgänger in ihren malerischen Trachten, wie sie beim Läuten der Glocken aus allen Gehöften hervorquollen, war ein Bild, wie man es sonst nirgends in der Oberlausitz zu sehen bekommt. Das Gotteshaus war bis zum letzten Platz gefüllt und zwar neben Frauen und Männern über 100 Jugendliche, die noch nachher zur Un­terredung mit mir weiter dablieben. Dieser kirchliche Sinn ist bei allen wendischen Gemeinden zu beobachten, hat sich hier aber noch seine besonders starke Note erhalten durch die energische und zielbewusste, auf Erhaltung der wendischen Sitte immer bedacht gewesene Arbeit des Ortspfarrers. Selbst geborener Wende, hat er das wendische Volk mit seinen guten Seiten wie auch den mancherlei Schwächen richtig zu nehmen gewusst, sodass ein enges Vertrauensverhältnis patriarchalischer Art zwischen Pfarrer und Gemeinde sich herausgebildet hat.“

 

>>Der Tagesspiegel<<

„Dabei wurde auch über das Verhältnis von Brauchtum und Kultur diskutiert, wie alle Jahre wieder zu den Osterfeiertagen. Denn da stehen die Bräuche der kleinen slawischen Minderheit in der brandenburgischen Nieder- und der sächsischen Oberlausitz plötzlich im Fokus des Interesses. Vielleicht liegt es daran, dass „Stary lud“, das „Alte Volk“, so eng mit der Natur verbunden war, dass Ostern mit dem Frühlingserwachen und dem Beginn der Feldarbeiten schon immer das wichtigste Fest war. Das Ei, in vielen Kulturen Fruchtbarkeitssymbol an sich, wurde nicht nur bemalt, sondern auch verschenkt und über die Felder gerollt. Ostersingen, Osterwasser-Schöpfen, vor allem aber Oster-Reiten locken alle Jahre wieder auch eine Menge Touristen an.“

 

>> Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen / Freie Wähler<<

„Iris Schülzke betonte in ihrer Rede zum Antrag „Sorbisch muss erhalten bleiben“, dass Sprache ein Teil der Menschen und der Region ist. Sorben und Wenden haben das Recht, ihre ethnische und sprachliche Identität zum Ausdruck zu bringen, zu bewahren und weiterzuentwickeln. Das Land ist dafür zuständig, dies zu gewährleisten und entsprechende Bedingungen zu bieten. Doch das Land tut dies nicht. Die Regelungen verlangen, dass Sorbisch nur dann unterrichtet wird, wenn für die Klassen mindestens 12 Schüler zusammen kommen. Dies ist in den verstreuten Siedlungsgebieten der Sorben und Wenden oft nicht möglich. Iris Schülzke sagte hierzu, dass es unverständlich ist, warum das Problem der unrealistischen Mindestgrößen der Sorbisch-Klassen erneut auftaucht. 2012 stand man vor der gleichen Situation und meinte, es im Sinne der Sorben gelöst zu haben. Doch es wurde wohl wieder mehr versprochen und geschrieben als man letztendlich hielt. Die Lösung muss endlich umgesetzt werden, die Sorben haben hierauf einen Anspruch.“

Das sorbische-kulturelle Erbe ist eben mehr als nur Folklore für Touristen: Dazu muss die Sprache und Kultur aktiv gefördert werden. Denn keineswegs alle Bräuche und Sitten der Sorben sind touristisch-kommerzielle Anziehungspunkte.

 

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