Multiresistente Keime: Bakteriophagen als biologische Waffe

Screenshot phages.org

Ungefähr 500.000 Menschen infizieren sich jedes Jahr an multiresistenten Keimen und rund 15.000 sterben daran. Schon der Erfinder des Antibiokitas >>Alexander Fleming<< warnte vor Antibiotikaresistenzen: “Die Zeit wird kommen, in der Penicillin von jedermann in Geschäften gekauft werden kann. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Unwissende das Penicillin in zu niedrigen Dosen verwendet. Indem er die Mikroben nun nicht-tödlichen Mengen aussetzt, macht er sie resistent.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Als der Mikrobiologe Georgi Eliava im Jahr 1921 aus Paris in seine Heimatstadt Tiflis zurückkehrte, hatte er Lebensformen im Handgepäck, die so klein waren, dass man sie mit keinem Mikroskop beobachten konnte. Die Bakteriophagen, die Eliava in Paris bei dem britisch-kanadischen Biologen Félix d’Hérelle kennengelernt hatte, waren eine Revolution der Mikrobiologie. Zwanzig Jahre vor der ersten klinischen Anwendung von Penicillin hatten die Georgier damit bereits eine Waffe gegen tödliche Krankheiten wie Lungenentzündungen oder Blutvergiftungen. Phagen sind hochspezialisierte Viren, die sich ausschließlich von Bakterien ernähren. Hat man einmal die passende Phage gefunden, isoliert und dem kranken Organismus eingeimpft, pflanzen die Viren den Bakterien ihre DNA ein und programmieren das Verhalten um: Ein befallenes Bakterium produziert dann selbst nur noch Phagen, bis es platzt und eine Armada hungriger Fressfeinde ausschüttet. Sobald die Phagen ihre Wirtsbakterien vernichtet haben, sterben sie ab. Ein Killer ohne Nebenwirkungen, günstig in der Produktion und anwendbar von der Magen-Darm-Infektion bis zum Milzbrand. Die perfekte Volksmedizin für ein riesiges Land wie die Sowjetunion.”

 

>>Ärzte Zeitung<<

“Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen sind Bakteriophagen (kurz: Phagen) – natürlich vorkommende Viren, die bestimmte Bakterien angreifen und fressen – in den Fokus der Forschung geraten. Die Viren haben sich in Experimenten bereits als wirksam gegen multiresistente Bakterien erwiesen.”

 

>>Phagentherapie<<

“Mit Phagen lässt sich ein Infekt sehr gezielt und damit schonend für den Organismus bekämpfen. Antibiotika wirken wie Schüsse aus Schrotflinten in die Menge. Sie killen alles, was in ihrer Reichweite ist. Phagen hingegen zielen ausschliesslich nur auf die ‘Bio-Terroristen’ und lassen die harmlosen, respektive nützlichen Bakterien unversehrt. Phagen lassen sich mit einfachen Mitteln suchen und kultivieren. In einem Forschungsprojekt fanden Schüler innerhalb einer Woche hunderte von Phagen in Abwässern, Erde und tierischen Ausscheidungen. Phagen infizieren Bakterien um sich darin zu replizieren. Dabei wird die Hülle der Bakterien zersetzt, das Bakterium stirbt. Sind alle krankmachenden Bakterien abgetötet, werden die Überbleibsel mitsamt den Phagen über Niere und Darm ausgeschieden. … Phagen-Therapie ist bis jetzt nur anwendbar gegen Bakterien, die mit einer Phagen-Lösung angespült werden können. Befinden sich die Erreger im Innern menschlicher Zellen oder im Blut, können die Phagen bisher die Erreger nicht erreichen oder werden durch das Immunsystem schnell vernichtet. Für die Mehrzahl der in der medizinischen Praxis auftauchenden Infektionskrankheiten kann die Phagen-Therapie unbedenklich und äusserst wirksam eingesetzt werden. Für die nicht behandelbaren Infekte ist man nach wie vor auf Antibiotika angewiesen. Wir haben allerdings Kontakt zu einem Hersteller von Phagen-Enzymen, welche auch in Gewebezellen eindringen und dort eingenistete Keime ‘auflösen’ können. Darüber hinaus haben diese Enzyme die positive Eigenschaft, dass sie viele verschiedene Bakterien bekämpfen können im Unterschied zu den Phagen, welche jeweils nur ein spezifisches Bakterium angreifen. Die Wirksamkeit dieser Enzyme hängt vom chemischen Zusammensetzung der Zellwand des Bakteriums ab. Die Enzyme sind schon seit längerer Zeit im Einsatz gegen ganz bestimmte Krankheiten (verursacht durch sogenannte Mycobakterien). Gegenwärtig wird untersucht, die Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Wenn Sie diese Enzyme ausprobieren möchten, weil eine Phagenbehandlung nicht möglich ist, können Sie gerne mit uns Kontakt aufnehmen. Um antworten zu können, müssen Sie uns den Keim nennen, welcher mit diesen Enzymen behandelt werden soll. Wir klären dann ab, ob dieses Bakterium mit dem Mittel bekämpft werden kann. Da die Zellwände der fraglichen Bakterien deutlich anders aufgebaut sind als menschliches Gewebe, können die genannten Enzyme im menschlichen, resp. tierischen Organismus keinen Schaden anrichten.”

 

>>Pharmazeutische Zeitung<<

“Einen Nutzen haben sie für die Wissenschaft zum Beispiel unter anderem als “Gen-Taxis”, also als Vehikel, mit dem man bestimmte DNA-Abschnitte in bakterielle Zellen einschleusen kann.”

Das in Georgien ansässige >>Georgi-Eliava-Institut für Bakteriophagen, Mikrobiologie und Virologie<< führt die Forschungen auf den Gebiet bis zum heutigen Tag fort.

 

 

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