Neue Seidenstraße: „In nur zehn Jahren werden 90 Prozent des weltweiten Wachstums außerhalb Europas stattfinden“

Screenshot german.china.org.cn

Ein großer Teil des wirtschaftlichen Leben ist schon heute ohne China kaum vorstellbar: Viele Produkte des täglichen Bedarfs kommen aus den Reich der Mitte und dieses baut seine industrielle Stärke stetig aus. Hinzu kommen neue weitreichende Handelsnetze, auf denen in Zukunft große Teile des wirtschaftlichen Lebens abspielen wird. Die USA dürften in dieses Rahmen zur Regionalmacht schrumpfen, beschränkt auf den amerikanischen Doppelkontinent.

>>Focus<<

„Wenn wir von der Seidenstraße hören, denken viele von uns an die abenteuerliche Reise des Kaufmannssohns Marco Polo zum mongolischen Großmogul Kublai Khan. Vier Jahre verbrachte der wagemutige Venezianer mit seinem Vater und Onkel auf der Hinreise und noch einmal drei Jahre auf der nicht minder beschwerlichen und gefährlichen Heimreise, dabei dann einen großen Teil auf dem Seeweg. Dazwischen lagen 20 Jahre am Hofe des Großmoguls, der den jungen Marco zu einem seiner wichtigsten Berater beförderte und nur höchst ungern wieder ziehen ließ. 750 Jahre später erleben wir nun, wie der mächtige chinesische Staatspräsident die Wiederbelebung dieses antiken Handelsweges unter der klangvollen Überschrift „One Road one Belt“ zum wohl wichtigsten strategischen Projekts seiner Amtszeit erkoren hat. Das war im Jahre 2013. Schon im vergangenen Mai lauschten in Peking auf der größten Konferenz, die die Volksrepublik China je gesehen hatte, 29 Staatsoberhäupter und insgesamt 1500 Vertreter aus 130 Ländern und etwa 70 internationalen Organisationen der Grundsatzrede des chinesischen Präsidenten, die er unter das Motto: „Kooperation für gemeinsamen Wohlstand“ gestellt hatte. Deutschland war durch die Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries vertreten. Im Journal Foreign Affairs, das vom chinesischen Institut für ausländische Angelegenheiten herausgegeben wird, konnte man die wichtigsten Punkte der großen Rede nachlesen. Das Projekt ist wirklich gigantisch. 100 Länder werden betroffen sein, denn das Vorhaben deckt nicht nur den Weg nach Europa ab, sondern erstreckt sich in seinem maritimen Teil auch in Richtung Indonesien, Arabien und Afrika. Es gibt Schätzungen, dass der Handel entlang der Seidenstraße bald knapp 40% des gesamten Welthandels umfassen könnte. Man liest von möglichen Investionen in Eisenbahnen, Straßen, Häfen, Flughäfen, aber auch Krankenhäuser und kulturelle Einrichtungen in der schwindelerregenden Höhe von 900 Milliarden Dollar. Immer wieder ist von einer Win-Win Situation, von Wohlstand für Alle die Rede und von einer friedenstiftenden Mission.“

 

>>Deutscher Industrie- und Handelskammertag<<

„Grundsätzlich sei die chinesische Initiative für ganz Deutschland von großer Bedeutung, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in Berlin: „Die Belt and Road Initiative hat weit über Asien hinaus einen Modernisierungsschub ausgelöst“, berichtete er. „In nur zehn Jahren werden 90 Prozent des weltweiten Wachstums außerhalb Europas stattfinden.“ Als kurzfristig interessant für deutsche Unternehmen bewertet Treier eine Beteiligung an Projekten zwischen Peking, Duisburg, Jakarta und Dar es Salaam. „Mittel- bis langfristig rückt dann auch die Erschließung dieser neu verbundenen Märkte in den Fokus.“ Durch die Neue Seidenstraße würden westliche Investoren beispielsweise auch Zentralasien in den Blick nehmen. „Hinzu kommt, dass China den Aufbau neuer Handelsregime zwischen Asien, Europa und Afrika im Rahmen dieses Projektes vorantreibt“, so der DIHK-Außenwirtschaftschef weiter. „Es ist wichtig, dass wir uns hier einbringen – um Regeln für fairen Handel und nachhaltige Standards auch im Umwelt- und Sozialbereich mitzugestalten“, betonte er. „Die deutsche Wirtschaft ist nahezu auf der ganzen Strecke der Seidenstraße mit Auslandshandelskammern vertreten, sodass die Beteiligung deutscher Unternehmen an Projekten sowie die Mitgestaltung der Handelsregeln gut gelingen kann.“ Bereits jetzt fließen massive Investitionen in die Neue Seidenstraße. 900 Milliarden US-Dollar sind fest verplant oder befinden sich bereits in der Umsetzung von Projekten. Vor allem die Infrastruktur soll auf den geplanten Routen ausgebaut werden.“

 

>>Beijing Rundschau<<

„Beijing Rundschau: Wie sollte man die Gedanken und Inhalte der „Diplomatie Chinas als die eines großen Landes mit eigener Prägung im neuen Zeitalter“ verstehen?

Qu Xing: Die Diplomatie Chinas als die eines großen Landes mit eigener Prägung im neuen Zeitalter umfasst zwei Hauptlinien: Eine besteht darin, neuartige internationale Beziehungen aufzubauen, und die andere darin, die Schicksalsgemeinschaft der Menschheit zu verwirklichen. Die Inhalte des Aufbaus neuartiger internationaler Beziehungen beziehen sich auf gegenseitigen Respekt, Fairness und Gerechtigkeit sowie Zusammenarbeit für den beiderseitigen Gewinn. Diese drei Punkte bilden die chinesischen Konzepte für die Lösung der bestehenden Probleme in den internationalen Beziehungen. Der Hauptgrund für die vielen Widersprüche und Konflikte in der heutigen Welt besteht doch darin, dass sich die Länder nicht gegenseitig gleich behandeln können. Einige Länder möchten ihre Ideen und Systeme immer auf andere Länder übertragen. Wenn dies nicht erreicht werden kann, setzen sie verschiedene Mittel ein, um sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, was zu einer weiteren Verschlechterung und einer zusätzlichen Verschärfung der Konflikte führt. Daher setzt sich China für den Aufbau neuartiger internationaler Beziehungen ein, die durch gegenseitigen Respekt, Fairness und Gerechtigkeit sowie Kooperation und gemeinsame Gewinne gekennzeichnet sind.“

Der Stern des amerikanischen Jahrhunderts ist im Sinken begriffen. Die faktische Insellage des Doppelkontinentes Süd- und Nordamerika dürfte sich in den nächsten Jahrzehnten als verhängnisvoll erweisen. Auch mit den allseits gelebten Protektionismus, stoßen die USA, Freund wie Feind regelmäßig vor den Kopf. In den Zusammenhang drängen sich Weisheiten der amerikanischen Ureinwohner, genauer der Dakota-Indianer nahezu auf: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

 

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