Operation Gallant Phoenix: Informationen sammeln auf den Schlachtfeld

Screenshot youtube.com

Auf Schlachtfeldern des Nahen Osten sollen BND-Agenten herumlaufen und nach DNA-Material suchen. So unglaubwürdig es klingen mag, dies soll die Erklärung für die sogenannte Operation „Gallant Phoenix“ sein. Von offizieller Seite zeigt sich die Behörde recht zugeknöpft, aber es werden dringend Agenten benötigt und die angehenden Spione erfahren bei der Rekrutierung bestenfalls Halbwahrheiten.

>>Abendzeitung München<<

„Der Bundesnachrichtendienst (BND) versucht mit Vorträgen an Universitäten neues Personal für sich zu gewinnen – zum Beispiel Studenten der LMU. Mit dem vermutlich größten Klischee räumt Michael Willkomm gleich zu Beginn auf: „Was Sie in Actionfilmen sehen, hat mit der Realität unserer Arbeit nichts zu tun“, erklärt er den Studenten im Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität. Die Enttäuschung darüber, dass bei der Veranstaltung „Berufsmöglichkeiten für Juristen beim BND“ keine neuen James Bonds oder Jason Bournes gesucht werden, scheint sich bei den Jura-Studenten aber in Grenzen zu halten. … Ob eine doppelte Staatsangehörigkeit bei der Bewerbung zum Problem werden könnte, will eine junge Frau aus dem Publikum wissen. Das komme ganz darauf an, so Willkomm: „Wir prüfen jeden Einzelfall.“ Ähnlich sind die Antworten auf Fragen nach Vorstrafen, längeren Auslandsaufenthalten und auch Profilen auf sozialen Netzwerken. Trotzdem scheint der BND auch ohne Geheimagentenmythos als Arbeitgeber attraktiv zu sein.“

In die Pflege des externen BND-Geheimagentenmythos wird offensichtlich viel Aufwand gesteckt: Der Bundesnachrichtendienst sammeln nur Informationen.

>>Der Standard<<

„Zur Bekämpfung der Terrorgefahr durch IS-Rückkehrer aus den bisherigen Kampfgebieten in Syrien und im Irak beteiligt sich der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) einem Bericht zufolge an einer US-geführten Geheimaktion. Seit Oktober gehöre der deutsche Auslandsnachrichtendienst der Operation „Gallant Phoenix“ an – gemeinsam mit 21 weiteren Nationen, schreibt das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dies gehe aus einer vertraulichen Antwort der deutschen Regierung an die Bundestagsfraktion der Linken hervor. Die geheime Einheit sammelt demnach Informationen über Kämpfer der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und im Irak. Sie werde vom US-amerikanischen Joint Special Operations Command von einer Militärbasis in Jordanien aus gesteuert.“

 

>>Zeit<<

„Der BND und die Bundeswehr seien der Auffassung, diese Zusammenarbeit sei notwendig, um der Terrorgefahr durch IS-Rückkehrer zu begegnen.“

Die meisten sogenannten „Geheimaktion“ hinterlassen eine Schneise der Verwüstung und sind mitnichten unauffällig.

>>Der Schattenkrieg: Israel und die geheimen Tötungskommandos des Mossad von Ronen Bergman (Buch) <<

„Vor einer Lagerhalle am Hafen leuchteten am Abend des 6. April 1979 ein Paar Scheinwerfer in die Dunkelheit, warfen zwei Kegel weißgelben Lichts auf den Bürgersteig, die sich vergrößerten, als der Wagen näher kam. Es war ein Fiat 127, ein Kleinwagen, dessen Motor stotterte und schepperte, bis das Auto 200 Meter vor dem Eingangstor zum Halten kam. Die beiden französischen Wachmänner vor der Lagerhalle in La Seyne-sur-Mer, ein wenig westlich von Toulon an der französischen Mittelmeerküste gelegen, beäugten den Wagen misstrauisch. Die Halle gehörte der CNIM-Gruppe, die auf die Herstellung großer, komplexer Bauteile für Schiffe und Atomreaktoren spezialisiert war. Es waren stets zwei Wachleute im Dienst, in drei Schichten pro Tag, jede davon acht Stunden lang, allesamt langweilig. Die Wachmänner gingen ein paar Schritte auf den Zaun zu, als die Wagentüren geöffnet wurden. Zwei Frauen stiegen aus. Hübsche Mädchen, dachten die Wachleute. Doch die Frauen wirkten verwirrt, beinahe zornig, als sie auf das Tor zustöckelten. »Pouvez-vous nous aider?«, fragte eine von ihnen durch den Zaun hindurch. Können Sie uns helfen? Sie seien britische Touristen, sagte sie, die sich einen schönen Abend an der Riviera machen wollten, doch das lausige Auto habe eine Panne nach der anderen. Sie lächelte. Ein Flirt. Später vielleicht könnten sich die Wachleute in einer der Kneipen mit ihnen treffen. Die Wachmänner holten ein paar Werkzeuge, öffneten das Tor, gingen auf das Fahrzeug zu. Sie lächelten. Hinter ihrem Rücken überwanden fünf Agenten der Einsatzgruppe Kidon rasch und lautlos den Zaun, ein Manöver, das sie an einem Militärstützpunkt an der Südküste Israels endlos geübt hatten. Ebenso leise drangen sie in die Lagerhalle ein. Drinnen brachten sie an zwei riesigen Zylindern fünf starke Sprengladungen an. Sie stellten die Zeitzünder ein, dann schlichen sie wieder nach draußen, zurück über den Zaun, und verschwanden in der Nacht. Sie benötigten weniger als fünf Minuten, um hinein- und wieder herauszukommen. Auf der Straße vor der Halle gelang es den Wachleuten, das Auto wieder in Gang zu bringen. Es war überraschend einfach. Die beiden Frauen – israelische Agentinnen – versprachen ihnen daraufhin, sich später mit ihnen zu treffen, und fuhren davon. Gleichzeitig gingen in einiger Entfernung ein Mann und eine Frau händchenhaltend vorüber. Sie schienen in ihre Romanze versunken. Mit seinem zurückgekämmten Haar erinnerte der Mann ein wenig an Humphrey Bogart. Er blickte über die Schulter der Frau und sah, wie der Wagen startete und davonfuhr. Das Paar machte kehrt, stieg ein paar Straßen weiter in ein Auto und fuhr ebenfalls davon. Es waren Mike Harari, Chef der Caesarea, und Tamara, eine Agentin des Mossad. 30 Minuten später ging die Lagerhalle in die Luft. Grelle Flammen schossen in den Nachthimmel empor und tauchten die Hafengegend in orangefarbenes und rotes Licht. Bevor das Gebäude vollkommen zerstört wurde, löschte die Feuerwehr den Brand, doch alles, was sich in der Halle befand, war schwer beschädigt, darunter auch einige besonders hochwertige Präzisionsmaschinen, deren Herstellung mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen hatte. Zusammengesetzt mit den restlichen Komponenten hätten sie einen 70-Megawatt-Atomreaktor ergeben, groß genug, um in die sogenannte Osiris-Klasse zu fallen.“

An der sogenannten Operation „Gallant Phoenix“ beteiligen sich 21 Nationen angeführt von den Vereinigten Staaten und die Basis soll sich auf irgendeinen Stützpunkt in Jordanien befinden. Die offizielle Begründung der Bundesregierung ist gleichzeitig viel- und nichtssagend. Die Beamten verstecken sich hinter den vermeintlichen „Staatswohlgedanken“ und können oder besser ausgedrückt, wollen deshalb nichts sagen. Etwas deutlicher wird da die >>Washington Post<< , diese spricht darüber hinaus von Angriffe gegen Führungspersonen des Islamischen Staates. Das passt auch zu den Charakter der doch recht eigenwillig operierenden amerikanischen Special Forces. Im Allgemeinen sind die offiziellen Erklärungen allesamt in hohen Maße unglaubwürdig, insbesondere durch den aktuellen Konflikt, welcher in genau dieser Region stattfindet. Der Islamische Staat kontrolliert bestenfalls noch einige unbedeutende Randgebiete und spielt als territoriale Macht kaum mehr eine Rolle. Wie dem auch sei: Zwischen blutigen Panzerschlachten sollen also ein paar BND-Agenten herumstolpern und DNA-Material sammeln – klingt zwar wenig überzeugend, aber es handelt sich ja auch um den Bundesnachrichtendienst. Eine erhellendere Erklärung liefert der Vortrag an der Ludwig-Maximilians-Universität ab: Da der BND anscheinend seine Personalprobleme durch recht bizarre Veranstaltungen an Universitäten versucht zu lösen, scheinen die Himmelfahrtskommandos Operationen zur Informationsbeschaffung in unwirklichen Wüstenregionen des Nahen Osten wohl nicht sonderlich beliebt zu sein. Und über getötete Agenten im Einsatz, erfährt man von der Behörde bekanntlich auch nie etwas.

 

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