Pipeline Nord Stream 2: Energiesicherheit als politisches Betätigungsfeld

Screenshot maritime-executive.com

Die projektierte Pipeline Nord Stream 2 soll Erdgas aus Russland durch die Ostsee nach Deutschland transportieren. Dieses Unterfangen entwickelt sich mittlerweile zum geopolitischen Streitpunkt zwischen USA, Russland und Deutschland. Selbst die unkritische amerikafreundliche Bundesregierung lässt überraschend durchblicken, dass die USA auch wirtschaftliche Interessen verfolgen – in diesen Maßstab ein Novum.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Außenminister Sigmar Gabriel hat dem Senat der Vereinigten Staaten in scharfem Ton vorgeworfen, mit der geplanten Ausweitung der Sanktionen gegen Russland eigene wirtschaftliche Interessen zu verfolgen. … „Europas Energieversorgung ist eine Angelegenheit Europas, und nicht der Vereinigten Staaten von Amerika!“, betonten Gabriel und Kern. Politische Sanktionsinstrumente dürften nicht mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht werden.”

Im Kern geht es um die US-Schiefergasvorkommen, welche die Amerikaner gerne im großen Stil über den Nordatlantik transportieren lassen und zu guten Konditionen verkaufen würden. Bei diesen potentiellen Geschäft stört die angedachte Pipeline Nord Stream 2.

>>Wirtschafts Woche<<

“Um den heißen Brei herumreden, das kann Rainer Seele nicht. Der Chef des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV fand bei der Präsentation des Halbjahresergebnisses 2017 in Wien klare Worte in Bezug auf die neuen US-Sanktionen gegen Russland: „Wer sich den Gesetzestext ansieht, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die USA durch diese Sanktionen mehr LNG nach Europa verkaufen wollen.“ An Änderungen beim Projekt Nord Stream 2 denkt Seele jedenfalls nicht: „Wir stehen vollumfassend hinter diesem Projekt.“ Damit schloss Seele die Phalanx der deutschen und österreichischen Energieunternehmen gegen die US-Administration und deren neuen Strafmaßnahmen gegen Russland. Was die Unternehmen zusammenrücken lässt, ist die Pipeline Nord Stream 2, die von Russland durch die Ostsee Erdgas bis nach Deutschland leiten soll.”

Überhaupt ist es höchst zweifelhaft, wie nachhaltig die US-Gasreserven – beruhend überwiegend auf Schiefergas – sind. Mal abgesehen von den Umweltaspekten – vorallem die unabwendbare Verunreinigung des Grundwasser – ist die Förderung verglichen mit herkömmlichen Gasfeldern sehr kostspielig und diese aufwendig erschlossenen Lagerstätten erschöpfen sich dann auch noch überaus schnell.

>>n-tv<<

“Der Bergbaukonzern BHP Billiton beugt sich dem Druck wichtiger Aktionäre und stellt einen Teil seines US-Geschäftes zum Verkauf. Der Bereich Schiefergas zähle dort nicht mehr zum Kerngeschäft, erklärte das australisch-britische Unternehmen. Deswegen bemühe man sich um einen Ausstieg. Hedgefonds wie Elliott Management oder Tribeca fordern schon länger, die schwächelnde Sparte abzustoßen und den Aktionären mehr Geld zukommen zu lassen. Tribeca lobte umgehend die Ankündigung des in Melbourne ansässigen Konzerns. BHP-Verwaltungsratschef Jac Nasser hatte kürzlich eingeräumt, dass die Investitionen von 20 Milliarden US-Dollar in das Schiefergasgeschäft vor sechs Jahren im Nachhinein ein Fehler gewesen seien.”

 

>>Frankfurter Rundschau<<

“Das LNG-Geschäft hingegen ist nicht auf Rohrleitungen angewiesen: Erdgas wird auf minus 164 heruntergekühlt und nimmt dann nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Volumens ein. So wie Erdöl lässt sich der Rohstoff mit Spezialschiffen rund um den Globus transportieren. Auch ein Hinterland-Transport mit Zügen oder Lastwagen ist möglich. Nach der Regasifizierung kann der Stoff direkt verbrannt oder in die Gas-Verteilnetze gepumpt werden. … Beim LNG entstehen überdies beträchtliche Kosten durch Verflüssigung, Transport und Regasifizierung.”

Im Allgemeinen fristet das LNG-Geschäft eher ein Nischendasein in Relation zu den gehandelten Gasmengen. Der Grund sind – wie die Frankfurter Rundschau bereits ausführte – die Kosten. Sofern man eine kostengünstige Energieversorgung anstrebt, wird auf absehbare Zeit kein Weg an Pipelines – in Puncto Erdgas – vorbei führen. Schlussendlich dürfte es äußerst zweifelhaft sein, dass die Vereinigten Staaten von Amerika jemals über einen längeren Zeitraum nennenswerte Gasmengen über den Atlantik verschiffen werden können.

 

 

 

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