Rechte der Frauen: „Wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen“

Screenshot huffingtonpost.ca

Einsparungen und vielfältige wirtschaftliche Zwänge gefährden immer mehr den Berufsstand der Hebammen. Unter den Folgen leiden auch werdende Mütter, die entweder keine Hebamme mehr finden oder weite Strecken bis zum nächstgelegenen Kreißsaal zurücklegen müssen. Die natürliche Hausgeburt ist vielerorts schon akut gefährdet, womit das Recht auf Wahlfreiheit der Frauen eingeschränkt wird.

>>Hebammen für Deutschland (PDF-Datei) <<

„Hausgeburten sind nicht nur zu verantworten sondern sie sind absolut zu befürworten. Gesunde Schwangere und Gebärende sind zu Hause einfach besser aufgehoben als in einem Krankenhaus Vorausgesetzt, sie werden von einer kompetenten Hebamme begleitet. Der große Vorteil einer Geburt zu Hause ist, dass dort keine Interventionen stattfinden. Die Frau entbindet in ihrem Tempo. Denn alles, was den Beginn oder die Häufigkeit und Stärke der Wehen manipuliert, greift in das komplexe Geschehen der natürlichen Geburt ein. Viele dieser Interventionen im Krankenhaus führen dazu, dass die Wehen sehr stark und sehr schmerzhaft werden. Starke Schmerzen produzieren große Angst, die sorgt für starke Verspannung. Dann folgt die nächste Intervention. Der regelrechte, also der normale Verlauf wird mehr und mehr gestört. Der geschützte Raum zu Hause bietet beste Voraussetzungen dafür, dass die Hormone, die für eine gut verlauf der Geburt sorgen, fließen können. Deshalb gehört Geburt nach Haus.. Bei einer geplanten Hausgeburt lernt die Hebamme die Frau, ihren Partner und ihr Umfeld schon lange vor der Geburt kennen. Durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen, die zumeist zu Hause stattfinden, entsteht ein Vertrauensverhältnis. Und die Hebamme erkennt dabei auch frühzeitig Risiken.“

 

>>Deutscher Hebammenverband<<

„Alle Frauen in Deutschland haben das Recht auf Hebammenhilfe – und zwar von der Feststellung der Schwangerschaft an bis zum Ende der Stillzeit. Schwangere müssen außerdem selbst entscheiden können, wo und wie sie ihr Kind zur Welt bringen möchten! Diese Wahlfreiheit ist vielerorts in Gefahr. Eine Hebamme zu finden, die Schwangere und Mütter mit ihren Familien bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betreut, ist nicht immer und überall möglich. In einigen Regionen Deutschlands gibt es schon heute keine Wahlfreiheit mehr – weil die klinische Geburtshilfe auf wenige Krankenhäuser zentralisiert wurde oder die freiberufliche Geburtshilfe weggefallen ist. Auch für die Wochenbettbetreuung und Schwangerenvorsorge findet sich immer schwerer eine Hebamme.“

 

>>Zeit<<

„Doch an Krankenhäusern, in denen die Babys zur Welt kommen können, mangelt es. Die Zahl der Kliniken mit Geburtshilfeabteilungen schrumpft seit Jahren: Noch 1991 gab es 1.186 Geburtsstationen, wie die Bertelsmann Stiftung in einer Studie ermittelte, 2014 dagegen waren es nur noch 725, und danach sank die Zahl noch weiter. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) verzeichnet 35 tatsächliche und 15 drohende Schließungen seit 2015. Auf einer Landkarte der Unterversorgung sammelt der Verband seit zwei Jahren Fälle, in denen Schwangere keine Betreuung fanden. Über 11.000 Einträge gibt es dort bereits. „Schwangere finden vielerorts keine Hebamme mehr, sie müssen 20, 40 oder noch mehr Kolleginnen kontaktieren. Oder sie werden wegen Personalengpässen und Schließzeiten von Kliniken zu anderen Krankenhäusern weitergeschickt“, sagt DHV-Referent Robert Manu. Vor allem in den Ballungsräumen wie Hamburg, Berlin oder München, aber auch in ländlichen Regionen wie der Uckermark, dem Bayerischen Wald oder in Thüringen sind Hebammen knapp. Zu knapp, mahnt Manu: „Das Netz der Unterversorgung zieht sich durch ganz Deutschland. Und die Situation wird sich noch verschärfen, da monatlich Kreißsäle schließen.“ … Weil die nahe Kreisstadt Bad Tölz ihre Geburtsstation schloss, müssten Schwangere nun 25 bis 30 Minuten übers Land in die nächsten Krankenhäuser fahren, oder hoffen, dass sie rechtzeitig im 50 Minuten entfernten Garmisch oder Starnberg ankommen, wenn die Geburt losgeht. Ins 40 Kilometer entfernte München zu fahren, mache in den wenigsten Fällen Sinn. Die städtischen Kliniken dort wiesen selbst Frauen, die schon starke Wehen hätten, an der Kreißsaaltür ab und schickten sie weiter zum nächsten Krankenhaus, weil die Kapazitäten erschöpft seien.“

 

>>Hebammen für Deutschland<<

„Das Gesundheitssystem unterliegt wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Kleinere geburtshilfliche (Beleg-)Abteilungen können nicht mehr kostendeckend arbeiten und müssen schließen. In der Geburtshilfe führt das zu einer immer schlechter werdenden Personalsituation in den Kliniken, die sich durch weniger Zeit für die individuelle Betreuung von Mutter und Kind direkt auswirkt. Die Geburtshilfe wird in große, medizinische Zentren verlegt und orientiert sich an Risikogeburten. Von Frauen mit Geburtswehen müssen Anfahrtswege bis zu 100 km zur nächsten Geburtsklinik in Kauf genommen werden. Auch die individuelle Betreuung durch Hebammen zuhause und im Geburtshaus ist nicht mehr flächendeckend gewährleistet.“

Viellernorts sind die Anfahrtswege für werdende Mütter schon heute unzumutbar und bei Hausgeburten sieht es kaum besser aus.

 

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