Söldner am Horn von Afrika: „Die Interessen der Bundesrepublik Deutschland“

Screenshot golfpunkhq.com

Der >>Staatsrundfunk “Deutschlandfunk” << vermelde: “Offiziell aber gibt es keine deutschen Söldner. “Der Bundesregierung liegen keine eigenen Erkenntnisse über die Aktivitäten privater deutscher Sicherheits- und Militärfirmen in Krisen- oder Kriegsgebieten vor” so der offizielle Tenor. Dabei müsste es die Bundesregierung eigentlich besser wissen.

>>Der Tagesspiegel <<

“Der Mann aus Westfalen sieht sich als Vorkämpfer für einen Wirtschaftszweig, den man bisher vor allem aus den USA kennt: private militärische Dienstleister. Zwischen belegten Brötchen, dampfenden Kaffeetassen und jungen Müttern mit ihren schlafenden Babys entwirft er seine Vision von „Sicherheit made in Germany“. Die soll ein echter Exportschlager werden. Und hat doch erst mal nur Entsetzen ausgelöst. Kaltegärtners Firma heißt Asgaard German Security Group, sie tritt im Internet mit Deutschlandflagge, Wikingerschiff und den Begriffen Treue, Ehre, Tapferkeit auf. Asgaard, das ist in altnordischer Mythologie ein Schlafplatz der Götter, klingt aber auch wie eine Mischung aus „Guardian“ und Aasgeier. … Deutsche Söldner als Kriegspartei im somalischen Bürgerkrieg? Söldner sind ein scheues Völkchen. Identitäten haben sie nicht. Wer als ehemaliger Soldat in privatwirtschaftlichen Kriegen weiter beschäftigt wird, tut dies im Verborgenen. Das macht es schwierig, hinter die Kulissen dieses Gewerbes zu blicken. Doch ein Treffen mit Kaltegärtner ist kein Problem. Im Zehn-Minuten-Takt nimmt er an diesem Morgen auf seinem Handy Anrufe von Investoren und Bewerbern entgegen. Eine Sekretärin, die dem Geschäftsführer dies abnehmen könnte, gibt es offenbar nicht. Ebenso wenig ein Büro. Firmensitz von Asgaard ist sein eigenes Einfamilienhaus in einer ruhigen Wohnstraße in Telgte. … Doch am Horn von Afrika gibt es eine Übergangsregierung, die von Deutschland anerkannt wird. … In Somalias Hauptstadt Mogadischu haben sie ohnehin andere Probleme. Regierungstruppen liefern sich seit Wochen blutige Kämpfe mit einer islamistischen Rebellenfraktion. Ein Ende ist nicht in Sicht. Somalia befindet sich seit 1991 in einem Bürgerkrieg. Vor der Küste kreuzen deutsche Kriegsschiffe, um gegen Piraten und Terroristen vorzugehen. … Sein Auftraggeber ist erst einmal abgetaucht. Da wird auch Kaltegärtner bescheidener, will von einer großspurig als operativem Einsatz angekündigten Mission nichts mehr wissen. „Wir werden erst aktiv, wenn Darman von den UN anerkannt ist und die Regierungsgeschäfte in Somalia übernommen hat“, sagt er. In einer Pressemitteilung vom 20. Mai hatte er noch erklärt: „Schon bald könnten Schiffe unter dem Schutz von Asgaard durch die Gewässer vor der Küste Somalias laufen.“ Ein Präsident, der keiner ist, eine Armee, die es nicht gibt, Verträge, die plötzlich etwas ganz anderes bedeuten als angekündigt. Je länger Kaltegärtner über seinen privaten Krieg plaudert, desto wirrer wird es. Seine Ledermappe spuckt immerzu neue Belege für die Seriosität seiner Aufträge aus. Darunter ein Dokument vom Januar, das Asgaard autorisiere, Waffen und Ausrüstung nach Somalia einzuführen, was gegen UN-Sanktionen und das deutsche Außenwirtschaftsgesetz verstoßen würde. „Keinesfalls werden wir gegen die Interessen der Bundesrepublik Deutschland handeln“, beteuert er dann wieder und zieht ein neues Papier hervor – gerade so weit, dass der Briefkopf zu sehen ist. Absender: Das Bundeskanzleramt. Empfänger: Asgaard Security. …Und schon ist Kaltegärtner einen Schritt weiter, bei Kampfeinsätzen privater Firmen im Auftrag der Bundesregierung, beispielsweise in Afghanistan. Der Vorteil sei, führt er aus, dass Einsätze diskret ausgeführt werden könnten ohne Mandat, ohne offizielle Opferstatistik. „Der Bürger“, sagt er, „will doch gar nicht wirklich wissen, wer für ihn den Kopf hinhält.“

 

>> Killing Business. Der geheime Krieg der CIA von Mark Mazzetti (Buch) <<

“Im Frühjahr 2006 luden in der kenianischen Hauptstadt Nairobi CIA-Agenten raketenangetriebene Granaten, Granatwerfer und AK-47- Sturmgewehre in unmarkierte Frachtflugzeuge und flogen die Ladung auf Flugfelder, die von somalischen Warlords kontrolliert wurden. Zusammen mit den Waffen schickten sie Koffer voller Geld – rund 200000 Dollar pro Warlord als Dank für ihre Dienste im Kampf gegen den Terror. Obwohl die Klanchefs und Kriegsherren über die Jahre hinweg mehrfach versucht hatten, sich gegenseitig umzubringen, hatten sie keine Probleme, sich zu einer Allianz zusammenzuschließen, kaum dass die CIA mit Dollarscheinen winkte. Sie brachten es sogar fertig, ihre Vereinigung auf einen Washington genehmen Namen zu taufen: Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus (Alliance for the Re storation of Peace and CounterTerrorism, kurz ARPCT) – ein Name, der in Anbetracht der brutalen Vergangenheit mancher der Warlords, etwa Abdi Hasan Awale Qeybdii oder Mohammed Qanyare Afrah, nicht einer gewissen unfreiwilligen Ironie entbehrte. Selbst bei der CIA machte man sich hier und da über die Gruppe lustig, und einige ihrer Agenten verballhornten die Abkürzung ARCPT zu SPECTRE, der globalen Terrororganisation aus einem der James Bond-Filme.”

Im privaten Sicherheitsgewerbe gibt es in der Praxis keine Trennlinie zwischen Geheimdienst und Militär. Fast alle Aufträge unterliegen in der Regel der Vertraulichkeit, Debatten in Bundestag finden de-facto nicht statt und die Öffentlichkeit wird demzufolge weitestgehend im dunklen gelassen.

 

 

 

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