Staatsfunk und Schleichwerbung: „Augen zu, Ohren zu, Mund zu – …gelebte Praxis“

Screenshot youtube.com

Gegen Schleichwerbung wird immer rigoroser vorgegangen und immer mehr Videomacher erhalten deswegen Bußgeldbescheide. Beim Staatsfunk liegen die Dinge jedoch anders: Rein „formal“ ist dort genauso Schleichwerbung verboten, aber in der Praxis werden diese Regeln mit sehr viel Nachsicht ausgelegt.

>>Staatsfernsehen „Westdeutscher Rundfunk“ (PDF-Datei) <<

„Schleichwerbung ist die Erwähnung oder Darstellung von Waren, Dienstleistungen, Namen, Marken oder Tätigkeiten eines Herstellers von Waren oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Programmen, wenn sie zu Werbezwecken vorgesehen ist und die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann. Eine Erwähnung oder Darstellung gilt insbesondere dann als zu Werbezwecken beabsichtigt, wenn sie gegen Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erfolgt. … Schleichwerbung und entsprechende Praktiken sind unzulässig.“

Das zweiseitige Pamphlet verliert über Kontrollen und Strafandrohungen keine einzige Silbe.

>>Der Tagesspiegel<<

„Und wie sich die Partner, darunter Daimler oder Audi, und das Zweite Deutsche Fernsehen sich immer wieder versichern ließen: Die Werbeauftritte seien alles, aber keine verbotene Schleichwerbung. Strikt würde den Regeln des Rundfunkstaatsvertrages gefolgt. Augen zu, Ohren zu, Mund zu – das war beim ZDF offenbar gelebte Praxis. Dolce Media hatte sich die Markenrechte an der Show gesichert, die Firma schloss Verträge über Produktpräsentationen ab. Derartige Deals gab es reichlich.“

>>Meedia<<

„Im September vergangenes Jahr veröffentlichte die Lufthansa einen Image-Film mit der surfenden Flugbegleiterin Dani Mischon-Gross. Das SWR-Jugendangebot DasDing nahm den Erfolg des Films zum Anlass, aktuell auch über die surfende Stewardess zu berichten. Im Social Web wird nun debattiert, ob dies unzulässige Werbung ist. „Seitdem der Lufthansa Image-Clip veröffentlicht wurde, werde ich auch an Bord angesprochen, von Passagieren. Ob ich nicht das Surfergirl bin …“, sagt Dani Mischon-Gross zu Beginn des SWR-Beitrags. Private Bilder zeigen die junge Frau beim Surfen. Kurz darauf sieht man sie in Lufthansa-Uniform am Schalter. „Ich bin bei der Lufthansa bekannt als die Flugbegleiterin, die immer ihr Surfbrett dabei hat …“, sagt sie. Die Bilder mit LH-Uniform und verpacktem Surfbrett ähneln dem Werbefilm der Fluggesellschaft.“

 

>>Verlag Werben & Verkaufen GmbH<<

„Influencer erhalten für diese Art der Produktplatzierungen in der Regel eine Gegenleistung der beworbenen Marke in Form von Geld, Produkten oder auch Rabatten – in den seltensten Fällen werden diese Werbemaßnahmen jedoch auch korrekt als solche bezeichnet. Es stellt sich demnach die Frage, wie die Kennzeichnung der Produktplatzierungen von Influencern ausgestaltet sein muss, um nicht als Schleichwerbung eingeordnet zu werden. Diese Frage sollte sowohl Influencer selbst als auch werbetreibende Unternehmen beschäftigen. Denn nicht selten ist bei Missachtung der Regelungen mit Abmahnungen, Schadensersatzklagen und Bußgeldern zu rechnen.“

 

>>t3n<<

„Und noch auf ein anderes Thema haben sich die Landesmedienanstalten eingeschossen: Schleichwerbung. In diesem Fall ist es die Landesmedienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein, die unter anderem den Youtuber Flying Uwe im Visier hat. Der soll zum Beispiel von ihm vertriebene Fitnesspräparate wie Proteinpulver immer wieder in seinen Streams präsentieren. Dem Hamburger drohe – offenbar nach einer Ermahnung vor einigen Monaten – ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro wegen teilweise nicht ausreichender Kennzeichnung von Werbeinhalten. Doch Flying Uwe ist nicht der Einzige, der einen Brief bekam. Insgesamt sollen rund 30 Streamer aus den beiden Bundesländern Post von der Behörde erhalten haben.“

Der durchaus zynische Spruch: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.“ dürfte die derzeit – angewendete – Rechtslage doch recht realistisch wiedergeben.

 

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