Protest gegen die Versetzung des sorbischen Geistlichen Dr. Jens Buliš außerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes

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Mit Enttäuschung und Unverständnis haben wir die Absicht der Leitung des Bistums Dresden-Meißen vernommen, den sorbischen Kaplan Dr. Jens Buliš der sorbischen katholischen Kirchgemeinde in Ostro zu entziehen und außerhalb des sorbischen Siedlungsgebietes einzusetzen.

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Von Serbski Sejm

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Wir teilen die öffentlich geäußerte Sorge vieler betroffener Gemeindeglieder, dass sich mit der Versetzung von Kaplan Dr. Buliš die sorbischsprachige Seelsorge und Verkündigung der christlichen Botschaft in der Muttersprache verschlechtert. Einer der wichtigsten Sprachräume der – laut UNESCO bedrohten – sorbischen Sprache würde infrage gestellt, zumal für Kaplan Dr. Buliš kein sorbischsprachiger Ersatz vorhanden scheint. Wir erwarten daher, dass sich die Leitung des Bistums Dresden – Meißen in ihrer Entscheidung von Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein für die besonderen sprachlichen Bedürfnisse der sorbischen Gläubigen leiten lässt.

Außerdem erwarten wir von den Verantwortlichen der katholischen Kirche in Sachsen Vertragstreue bezüglich der in Artikel 10 des Vertrages zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Sachsen eingegangen Verpflichtung zur „Pflege sorbischer Belange“. Denn es stellt sich die Frage, wie soll der Wortlaut des Artikels 10 – „Die katholische Kirche wird das katholisch geprägte sorbische Kulturgut bewahren und schützen.“ – mit Leben erfüllt werden, wenn sorbische Geistliche für die sorbischen Gläubigen in ihren Gemeinden nicht zur Verfügung stehen bzw. aus diesen Gemeinden abgezogen werden.

Vom Freistaat Sachsen als zweiten Vertragspartner erwarten wir, dass er die Verantwortlichen der katholischen Kirche zur Vertragstreue anhält, sie dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt  (Artikel 10 Satz 2) und von dem in Artikel 2 geregelten Instrument Gebrauch macht,  den Bischof bei „Fragen, die für beide Seiten von besonderer Bedeutung sind“ zu einem Gespräch zu laden. Der Fall des Kaplans Dr. Buliš stellt nach unserer Auffassung wegen seiner unmittelbaren Auswirkungen auf die Pflege sorbischer Belange – und dies nicht nur in der Kirchgemeinde Ostro – eine solche Frage von besonderer Bedeutung dar.

Dafür spricht auch der historische Kontext. Denn wiederholt gab es in der Vergangenheit verhängnisvolle Personalentscheidungen zu Ungunsten der Pflege sorbischer Belange in den einzelnen Kirchgemeinden. Prominentestes Beispiel ist das Schicksal von Jakub Bart-Ćišinski, aufopferungsvoller Seelsorger und zugleich herausragender sorbischer Schriftsteller und Journalist, dem die kirchliche Obrigkeit vor über 120 Jahren fast zwei Jahrzehnte eine Anstellung als Geistlicher in einer sorbischen Kirchgemeinde verwehrte. Jüngstes Beispiel war bisher der junge Geistliche Tomasz Dawidowski, der vor 12 Jahren gegen seinen Willen aus einer sorbischen Gemeinde – auch damals ging es um Ostro – wegversetzt wurde. Während des Naziregimes fügte sich das Bischöfliche Ordinariat dem Druck der Machthaber und versetzte alle sorbischen Geistlichen in deutsche Gemeinden.

Um die Zukunft der katholischen Kirche in der sorbischen Lausitz zu gestalten, ist es nötig, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und diese nicht zu wiederholen. Religiosität und Nationalität sind bei den katholischen Sorben wechselseitige Stützen. Der anstehende Dialog zur Zukunftssicherung der katholischen Kirche im sorbischen Siedlungsgebiet muss von dieser Erkenntnis getragen sein. Die Abgeordneten des Serbski Sejm wurden von Gläubigen aus Ostro um Unterstützung gebeten und stehen selbstverständlich als Dialogpartner zur Verfügung.