Urheberrecht: „Piraterie ist populärer als je zuvor“

Screenshot youtube.com

Während das klassische Fernsehen zunehmend seine Bedeutung verliert und die jüngeren Generationen häufig nur noch im Internet unterwegs ist. Wandert die relevante Zuschauergruppe derweilen immer mehr in einen rechtlichen Graubereich ab. Es findet schon seit Jahrzehnten in diesen Bereich, eine Abstimmung mit den Füßen statt, aber der Rechtsstaat selbst tut sich sichtbar schwer in solchen Fragen: Weil es die Frage des eigentlichen Souveräne und weniger des Urheberrechts betrifft.

>>WinFuture<<

„Angesichts des hohen Wachstumsraten von Streaming-Diensten wie Spotify, Netflix und Amazon Prime könnte man annehmen, dass immer mehr Internet-Nutzer auf den Pfad der Tugend zurückfinden. Dem sei aber mitnichten so, widersprechen nun jene, die die illegalen Angebote von Musik und Filmen im Netz im Blick behalten. Das Gegenteil sei der Fall – erklärt zumindest die Firma MUSO, die im Auftrag der Medienindustrie diverse Online-Angebote, die im Wesentlichen von Urheberrechtsverletzungen leben, im Auge behält. „Piraterie ist populärer als je zuvor“, heißt es im jährlichen Bericht der Organisation. Demnach hätten einschlägige Webseiten aus dem Bereich im vergangenen Jahr die Rekordzahl von rund 300 Milliarden Besuchen verzeichnet. Natürlich sind noch immer diverse Angebote verfügbar, die man schon seit langer Zeit kennt. Vielfach wurde allerdings angenommen, dass diese zunehmend Nutzer verlieren würden. Denn wer macht sich beispielsweise schon die Mühe, sich etwa auf Kinox.to durch problematische Werbung zu klicken, um dann Videos in minderer Qualität anzuschauen, wenn einen Klick weiter der bequeme Netflix-Zugang wartet. och bringen es die großen Portale hier weiterhin teilweise auf hunderte Millionen Seitenabrufe – am Tag. Im Vergleich zum vorhergehenden Jahr ist die Zahl der Besucher auf entsprechenden Plattformen sogar um 1,6 Prozent gestiegen, so die Statistiken von MUSO, die auf dem Tracking von einigen zehntausend Piraterie-Angeboten weltweit basieren sollen. Mehr als die Hälfte der Besuche – 53 Prozent – entfallen dabei auf die Streaming-Portale, die große Mengen an Links sammeln und die Nutzer dann zu den zahlreichen Stream-Hostern weiterleiten. Download-Angebote haben hingegen zwar eine ebenfalls nicht zu verachtende Stamm-Nutzerschaft, spielen aber eine weitaus geringere Rolle. Und auch Torrent-Portale haben längst nicht mehr die Bedeutung früherer Zeiten. Warum die Popularität der fraglichen Angebote nicht abnimmt, erklärt sich im Grunde durch einen Blick auf die genutzten Inhalte: Der mit Abstand größte Anteil entfällt hier auf Serien – denn die legalen Plattformen bieten die aktuellsten Folgen niemals an – und wer dann am Arbeitsplatz oder im Freundeskreis mitreden will, kommt kaum um den Rückgriff auf illegale Plattformen herum. Auf Serien entfielen so 106,9 Milliarden Besuche des letzten Jahres, während es bei Kopien von Filmen nur 53,2 Milliarden waren. Dazwischen liegt mit 73,9 Milliarden die Musik.“

 

>>Computer BILD<<

„Deren Angebot ist so umfangreich wie attraktiv und die Verlockung ist groß: Fast ein Viertel des weltweiten Internetverkehrs geht für Raubkopien drauf.“

 

>>OnlineMarketing.de<<

Das Fortbestehen der bei Internetnutzern noch immer beliebten Seite Kinox.to steht in Zusammenhang mit den Werbeeinahmen, die das Portal weiterhin erzielt – allen Widrigkeiten zum Trotz. … Dass der Streaming-Dienst bis heute weiter angeboten wird, ist seiner Popularität geschuldet. Denn gerade aufgrund dieser Beliebtheit – Kinox.to gehört zu den 100 beliebtesten Seiten im Netz – lässt sich trotz des illegalen Status der Seite dort gewinnbringend Werbung schalten. Sodass Kinox.to etwa 2,5 Millionen Euro an jährlichen Werbeeinnahmen generiert, wie Volker Rieck gegenüber der Welt einschätzt. Denn viel Traffic bedeutet auch viele Einnahmen mit Display Advertising. Dabei zeigt sich, dass weder User noch noch Werbetreibende vom Verfahren gegen das Portal gänzlich abgeschreckt werden. Während erstere also weiter Filme und Serien streamen, schalten die Advertiser mit Hilfe von Vermarktern auch weiterhin Anzeigen auf der Seite. Zu diesen zählen Vermarkter wie Matomy, denen das Verfahren in Deutschland bekannt ist, wie der Content-Schutz-Experte Rieck in einem Beitrag für die Wirtschaftskammer Österreich angibt.“

 

>>Advokat<<

„Beim Gewohnheitsrecht handelt es sich, anders als beim Richterrecht, um ungeschriebenes Recht. Es entsteht durch regelmäßige Ausübung einer Handlung über einen langen Zeitraum hinweg. Besteht allgemeine Einigkeit darüber, dass es ein Recht zu dieser Handlung gibt, erwächst daraus langfristig ein Gewohnheitsrecht. Dieses ist dem geschriebenen Recht gleichrangig, sofern in der konkreten Sache kein Gesetz eine schriftliche Regelung fordert.“

An gewissen Portalen scheiden sich gewiss die Geister. Dennoch treten an diesen Stellen sehr tiefe Verwerfungen zu Tage und der Rechtsstaat selbst ist gefordert. Große Teile des gegenwärtigen Urheberrechts wurden von umstrittenen Lobbyisten auf den Weg gebracht und nun zeigt sich: Der eigentliche Souveränezumindest nach den Grundgesetz her – ist dagegen. Alleine der Traffic auf diesen Seiten ist eine Abstimmung mit den Füßen, während zugleich das Staatsfernsehen – wie Beispielsweise die „Tagesschau“ – zwar auch frei verfügbar, jedoch tief in der Bedeutungslosigkeit versunken ist.

 

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