Vae victis: „Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren“

Screenshot dia.org

Das Gefälle von Macht: Im antiken Rom wussten die Menschen um ihre soziale Stellung und es war niemals eine gute Idee, gegenüber den jeweiligen Herrschenden allzu viel Kritik zu üben. Die Kontinuität in der Geschichte ist bis heute Tag aktuell geblieben, auch wenn diese Feststellung, viele Menschen auf den ersten Blick verneinen würden.

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„Auch die später siegesgewohnte und als ruhmreich beschriebene Kriegsmaschinerie der Römer war noch keineswegs perfekt entwickelt – und deshalb nicht vor herben Niederlagen gefeit. Ein militärisches Fiasko, einen dramatischen Rückschlag auf ihrem Weg zur Vorherrschaft in Mittelitalien erlitten die Römer im Jahr 387: Am 18. Juli kam es zu einem gewaltigen Zusammenstoß mit eingewanderten gallischen Kriegerscharen. In der Schlacht an der Allia, einem Nebenfluss des Tiber, wurde das römische Heer, angeblich immerhin 40000 Soldaten stark, von den keltischen Stämmen vernichtend geschlagen. Doch damit nicht genug: Der gallische Anführer Brennus rückte mit seinen Truppen kurzerhand bis nach Rom vor; sie drangen ein, plünderten, steckten Häuser in Brand und ließen auch sonst keine Gnade walten. Sie »zerstörten die Stadt und brachten alle Gefangenen ohne Unterschied um, Männer und Frauen, Greise und Kinder«, schreibt Plutarch. … Sieben Monate lang sollen die Gallier das Kapitol belagert haben, ehe sie gegen Zahlung eines Lösegeldes von 1000 Pfund Gold abzogen. Beim Abwiegen des Goldes verwendeten sie, so Livius, gar noch falsche Gewichte, um einen Vorteil zu erzielen. Als die Römer den Betrug monierten, habe Brennus sein Schwert gezogen, es mit zu den Gewichten geworfen und hämisch auftrumpfend gerufen: »Vae victis – Wehe den Besiegten!« Zum Glück war die Bedrohung dann bald vorbei. Die Kelten hatten Beute machen wollen, aber Rom dauerhaft zu besetzen und sich dort niederzulassen war wohl nie ihr Plan gewesen.“

Vae victis – Wehe den Besiegten!“ Der Ausspruch des gallischen Heerführer Brennus ist im eigentlichen Sinne zeitlos. Er spiegelt das Gefälle von Macht und Ohnmacht wider: Ein Phänomen was auch heutzutage anzutreffen ist.

>>Stern<<

„Ein langjähriger Auslandskorrespondent musste sich rechtfertigen, während einer Dienstreise hatte er 2012 einer Praktikantin im Hotelzimmer bei Champagner einen Pornofilm vorgeführt. Einer WDR-Mitarbeiterin hatte der Korrespondent in einem längeren Email-Wechsel sexuelle Avancen gemacht. Der Korrespondent selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Er arbeitet weiter für den WDR und berichtet in der ARD. Eine Abmahnung erhielt er nicht, jedoch eine Ermahnung. Eines der Opfer hält diese Sanktion für enttäuschend. … Damit ist die Chefin des Personalrats aber noch nicht fertig. Sie schreibt weiter in ihrer Mail, der Personalrat habe „immer wieder vergeblich gefordert, im absolut hierarchisch geprägtem WDR eine wirklich umfassende, strukturelle Kontrolle und Ahndung von Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren und Abhängigen zu gewährleisten“. Und dann erhebt sie einen weiteren, einen scharfen Vorwurf: „Derartige Vorschläge von unserer Seite wurden teils ins Lächerliche gezogen, teils als überflüssig oder ‚zu aufwändig‘ erklärt. Sie wurden abgelehnt, verwässert oder aufgeschoben.“ Die Chefin des Personalrats zählt auf, was der Personalrat alles vorgeschlagen habe: „Anspruch auf Konflikt- und Sozialberatung, Klimaanalysen in wirklich allen Abteilungen, transparente Bewertung von Vorgesetzten, psychische Gefährdungsbeurteilung usw. usf.“ Sie nennt das „ganz ’normale‘ Instrumente in anderen Unternehmen“. Dafür aber, schreibt sie am Ende ihrer E-Mail, brauche es „den Willen der WDR-Spitze, das seelische und körperliche Wohl der Beschäftigten als zentrales Anliegen zu sehen und danach zu handeln“. … „Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Personalratsvorsitzende ihre Mitarbeit im Interventionsteam eingestellt hat und können die Begründung nicht nachvollziehen.“ Auf die konkreten Vorwürfe ging sie nicht ein.“

 

>>Express<<

„6.800 Euro für eine achtköpfige Familie – das zahlt die Stadt jeden Monat für ein gut 35 Quadratmeter großes Appartement im „Boarding Home am Schokoladenmuseum“ … Es ist eins von 40 Hotels, in denen die Stadt Flüchtlinge unterbringt. In der CDU gibt es Ärger um ein weiteres: Das „Hotel zum Bahnhof“ in Dellbrück. Es gehört CDU-Vorstandsmitglied Andrea Horitzky. „Ich hatte früher Gäste aus aller Welt, ich habe heute Gäste aus aller Welt. Das ist meine Privatsache und geht Sie nichts an“, versucht Horitzky den EXPRESS abzufertigen. … Doch Andrea Horitzky sitzt im Vorstand der Kölner CDU. Und sie hat kein Problem damit, als Politikerin, die die Geschicke der Stadt mitbestimmt, von der Not bei der Flüchtlingsunterbringung zu profitieren, indem sie öffentliche Gelder kassiert. „Das Hotel ist mein Beruf und damit meine Privatsache. Das andere ist mein ehrenamtliches Engagement in der CDU. Ich will für die Kölner was tun.“ … Nach EXPRESS-Informationen leben im „Hotel zum Bahnhof“ derzeit 31 Flüchtlinge. Es wird ein Tagessatz von 35 Euro pro Person gezahlt. Macht im Monat 32.500 Euro für Horitzky.“

Vae victis – Wehe den Besiegten!“ Seit der Antike hat sich gesellschaftlich wenig gewandelt und die Machthaber nehmen sich einfach heraus, was ihnen vermeintlich zusteht. Denn Konsequenzen müssen sie kaum fürchten.

 

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