Vergabe von Titeln und Auszeichnungen: Selbstdarstellung als Beruf

Screenshot history.com

In der Vergangenheit haben es vielen Zeitgenossen belächelt, wenn sich diverse hochgestellte Persönlichkeiten gegenseitig mit Orden, Titeln und Auszeichnung überhäuften.

>>Wikipedia<<

“Wilhelm I. gestattete dem damals bereits 80-jährigen Fürsten Hermann von Pückler-Muskau, sich dem königlichen Gefolge anzuschließen. Am Tag der Schlacht versäumte man es jedoch, den alten Herrn zu wecken. Obwohl er die Ereignisse verschlief, wurde er für seine Teilnahme später ausgezeichnet.”

 

>>Süddeutsche Zeitung<<

“Viele Menschen müssen Großes leisten und lange warten, bis sie die Auszeichnung erhalten. Bei Parlamentariern geht das einfacher: Sie müssen nur vorgeschlagen werden – schon klappt es mit dem Bundesverdienstkreuz. Dahinter steckt eine umstrittene Absprache. … Wie der Berliner Kurier berichtet, gibt es zwischen den Fraktionen im Bundestag eine Abmachung, wonach Verdienstorden an Bundestagsabgeordnete pauschal vergeben werden. Der Verfassungsrechtler und Parteienkritiker Hans Herbert von Arnim nennt das eine “ganz neue Form der Selbstbedienung”. Während sich andere Bürger jahrelang nach einer Auszeichnung sehnen, stehen den Politikern demnach 30 Ehrungen pro Legislaturperiode zur Verfügung. Eine Sprecherin des Bundestages bestätigte die Existenz der Regelung. Die Aufteilung erfolge nach Proporz, sagte sie dem Boulevardblatt: “Die jeweiligen Parteien sollen in einem ausgewogenen, ihrer Fraktionsstärke entsprechenden Verhältnis berücksichtigt werden.” … Die Regelung besteht offenbar seit Mitte der neunziger Jahre. Sie sei nur mündlich überliefert, heißt es in dem Bericht. Kein Wunder: Mit der eigentlichen Idee des Verdienstordens hat sie wenig zu tun. Bundespräsident Theodor Heuss hatte die Bundesverdienstorden 1951 gestiftet, um “verdienten Männern und Frauen des deutschen Volkes und des Auslandes Anerkennung und Dank sichtbar zum Ausdruck zu bringen”. In seinen acht Abstufungen – von der Verdienstmedaille bis zur Sonderstufe des Großkreuzes – wurde es bislang etwa 240.000 Mal verliehen.”

 

>>Rheinische Post<<

“Bundestagsabgeordnete haben da deutlich bessere Chancen, Ordensträger zu werden. Denn für sie gibt es ein festes Orden-Kontingent, bestätigt Esther Uleer, stellvertretende Sprecherin des Bundespräsidenten. Pro Legislaturperiode (vier Jahre) werden “etwa fünf Prozent” der Abgeordneten ausgezeichnet. Die Fraktionen schlagen dem Bundestagspräsidenten Abgeordnete für die Auszeichnung vor. Dieser leitet die Vorschläge an den Bundespräsidenten weiter. Diese Praxis sei 1998 unter Bundestagspräsident Roman Herzog (CDU) eingeführt worden, so das Bundespräsidialamt. Alle Nachfolger hätten daran festgehalten. Voraussetzung für eine Auszeichnung sei “eine langjährige Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag, Wahrnehmung herausgehobener parlamentarischer Ämter oder Funktionen in den Fraktionen sowie erhebliches ehrenamtliches Engagement”. Mit der Beschränkung der Verdienstorden auf etwa fünf Prozent der Bundestagsmandate pro Legislaturperiode wurde auch “die in der Öffentlichkeit vorhandene Kritik in den Blick genommen, dass Politiker und Mandatsträger gegenüber anderen Bereichen der Gesellschaft bevorzugt würden”, erläutert Uleer. Verfassungsrechtler und Parteienkritiker Hans Herbert von Arnim sieht das anders.”

 

>>Zeit<<

“Der Parteienrechtler Hans Herbert von Arnim nannte die pauschale Ehrung von Abgeordneten eine “unglaubliche Anmaßung”. Dem Kurier sagte er: “Es ist schon schlimm genug, dass die Parteien sich bei den staatlichen Posten und Finanzen ungeniert bedienen. Mit der Parteipolitisierung der Ordensverleihung machen sie sich den Staat vollends zur Beute.” Dies sei ein Hohn für all diejenigen, die den Orden wirklich verdienten.”

Auch beim berühmten Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg schien wohl sein Doktortitel wichtiger als seine Dissertation zu sein.

 

 

 

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