Warum die Lausitzer Kultur keine Hochkultur ist

Screenshot zao-niederlausitz.de

Die Lausitzer Kultur zeichnet sich durch Fähigkeiten des Bronzeguss, hochwertige Keramikkunst und architektonisch-komplexe Häuser und Wallanlagen aus. Um den Status einer Hochkultur zu bekommen, fehlt lediglich der Nachweis der Schrift.

>>Lausitz.de<<

„Die Lausitzer Kulturlandschaft ist ein sehr farbenfrohes Mosaik aus Architektur, Tradition und Kunst und bietet genügend Stoff für eine interessante Reise durch Geschichte und Gegenwart. Kunst und Kultur in der Lausitz heißt: Theater, Museen, Parks und Schlösser und natürlich eine Vielzahl an Handwerkskünsten hautnah erleben. Die Lausitzer erzählen gern Geschichten, vor allem ihre eigenen. Und weil die Lausitzer sich nicht am Rand, sondern mitten in Europa sehen, hat sich zwischen Cottbus und Zittau eine bunte Kunst- und Kulturszene etabliert, ohne Traditionen zu begraben.“

Diese Traditionen reichen bis in die frühe Bronzezeit, vielleicht sogar in die Jungsteinzeit zurück.

>>Zentrale Archäologische Orte<<

„Die Lausitzer Kultur der Bronze- und frühen Eisenzeit prägte vom 14. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. das östliche Mitteleuropa. Im Süden Brandenburgs ist die Lausitzer Kultur die bedeutendste urgeschichtliche Epoche. … Die zu dieser Zeit bereits stark sozial differenzierte Gesellschaft zeigte damit ein wachsendes Schutzbedürfnis gegenüber inneren und äußeren Bedrohungen. Burgen der Lausitzer Kultur befinden sich immer in natürlich geschützten, aber auch strategisch wichtigen Lagen, sei es auf den Steilufern über größeren Gewässern oder auf Anhöhen in der Niederung. Sofern Ausgrabungsbefunde vorliegen und Deutungen zulassen, erkennen wir regelmäßige Burginnenbebauungen aus Häusern mit eingegrabenen Pfosten und den Nachweis von spezialisierten Handwerkern wie Bronzegießern.“

 

>>Wikipedia<<

„Bereits in der Mittel- und Jungsteinzeit lebten Menschen in der Gegend, wie archäologische Funde von Gräbern und Siedlungsresten belegen. Weitere Funde sind der Bronze- und der Eisenzeit zuzuordnen. Siedlungsreste aus der spätrömischen Kaiserzeit belegen, dass die Gemarkung Uhyst vor der Völkerwanderung besiedelt war.“

 

>>Lausitzer Rundschau<<

„Die Lausitzer Kultur in der Bronzezeit war beinahe eine Hochkultur. Davon ist der Prähistoriker Dr. Eberhard Bönisch vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege überzeugt. Durch die vielen Erdbewegungen im Zuge des Braunkohletagebaus ist den Forschern erstaunlich viel über die Zeit und das Leben der Menschen von 1500 vor Christus bis etwa 450 vor der Zeitrechnung bekannt geworden. Herr Dr. Bönisch, warum hat die Bronzezeit für die Lausitz eine solche Bedeutung?

Bönisch Mit der Lausitzer Kultur in der Bronzezeit gab es in der Region eine frühe kulturelle Blüte. Die Lausitzer Kultur war fast eine Hochkultur. Lediglich die Schrift hat dafür als Kriterium gefehlt. Aber handwerklich und technisch war die Region damals schon sehr weit. Zudem wird schon lange auf dem Gebiet geforscht. Bereits vor 150 Jahren haben sich Gelehrte mit der Epoche auseinandergesetzt. Es gibt viel Forschung, die aufeinander aufbaut. So waren bereits viele Gräberfelder mit ihrer Lage bekannt. Sie bringen wegen der üblichen Grabbeigaben viele Erkenntnisse.

Was finden Archäologen dort?

Bönisch Das geht von Keramik-Urnen mit menschlichen Überresten, Keramik, über Grabbeigaben aus Bronze, wie Schmuckgegenständen bis zu Werkzeug, was Rückschlüsse auf die dort Bestatteten, wie deren Tätigkeit zum Beispiel als Bronzegießer, zulässt. An Werkzeugen und Schmuck ist auch ein Schluss auf die handwerklichen Fähigkeiten der Zeit möglich. Die waren bemerkenswert. Kollegen haben etwa versucht, Gegenstände mit damaligen Mitteln nachzugießen. Das mit steinernen Guss-Formen hinzubekommen, war gar nicht so einfach. Die hatten schon einige Fähigkeiten damals. Die Produktionsprozesse waren nicht einfach. Bemerkenswert, was damals möglich war. Zudem gab es regen Handel. Denn die Metalle stammten aus den Mittelgebirgen, die über Handelswege in die Lausitz kamen. Bei einer Grabung bei Groß Jauer konnten wir sogar eine Art Grabhaus finden. Urnen waren mit Steinen umkleidet. Darin gab es eine Lücke, die den Zugang vereinfachte. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Grabtür mit richtigem Türflügel gehandelt hat. Innerhalb des Raumes waren Grabbeigaben offenbar wie im Haus des Bestatteten angeordnet.

Sind solche Funde dann besondere Forschungsdurchbrüche?

Bönisch Diese Einzelfunde sind natürlich sehr schön. Wichtig ist jedoch der Gesamtzusammenhang. Der bringt Erkenntnis. Neben den Gräberflächen sind auch die Siedlungsplätze nachweisbar. Wie das? Bönisch Es sind natürlich keine vollständigen Häuser erhalten, da alles aus Holz und Lehm gebaut wurde. Doch das verfaulte Holz hat Verfärbungen im Boden hinterlassen.

Ein Beispiel?

Bönisch Die Hochfläche im Tagebau Jänschwalde etwa beim früheren Ort Horno.Ursprünglich dachten wir, dass es dort nichts zu finden gibt. Aber dann erkannten wir im Boden Erosionsrinnen, in denen zeitweilig Wasser floss. Letztlich konnten daneben gut erhaltene Häuserspuren freigelegt werden. Aufgrund der Verfärbungen waren fünf fast vollständige Häuser nachweisbar. Oft können anhand der Befunde ganze Siedlungslagen aus der Bronzezeit im Nachhinein kartiert werden. Abfallgruben sind ebenfalls wichtige Fundstätten. Oft finden sich dort zahlreiche Inventargegenstände. Die Siedlungsplätze wurden immer wieder verlegt. Die Reste abgebrannter Häuser kamen dann in Abfallgruben. Deshalb sind Brandkatastrophen von damals für die Archäologie ein Glücksfall.“

 

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