Wie Bewaffnung vor Übergriffen schützt

Screenshot youtube.com

Besonders für Frauen stellt sich die Frage: Was hilft bei einen sexuellen Übergriff? In der Regel sind die Angreifer Männer und demnach den meisten Frauen körperlich überlegen. Die Ratschläge der Polizei hören sich zwar auf den ersten Blick einleuchtend an, aber bei näherer Betrachtung sind sie wenig hilfreich, teilweise sogar kontraproduktiv.

>>Neue Westfälische<<

“Mit erschreckender Häufigkeit gab es in den vergangenen Wochen brutale Raubüberfälle in Bielefeld. Opfer wurden mit Fäusten malträtiert, getreten und dann bestohlen, sie sackten nach den Attacken teilweise gar bewusstlos zusammen. Viele User von nw.de hat das aufgewühlt. Sie fragen: Kann man vorbeugen? Und wie verhält man sich im schlimmsten Fall der Fälle? Die Polizei gibt Ratschläge. Kriminalhauptkommissarin Anja Sürth kümmert sich in Bielefeld um das Thema Prävention, will die Bürger dafür sensibilisieren, dass man “auf offener Straße gar nicht erst Signale aussendet, die Angreifer anlocken könnten”. Signale reichen laut Sürth von funkelnder Armbanduhr übers Portemonnaie bis zu Smartphone. Wer teure Dinge zur Schau trägt, die Diebe schnell zu Geld machen können, der lade womöglich auch Gelegenheitsräuber ungewollt ein. … Wird man tatsächlich von Unbekannten attackiert, dann sind Hilferufe laut Anja Sürth das wichtigste. Wer sich lautstark bemerkbar mache, der verschrecke so manchen Angreifer. “Wer sich massiv wehrt, der muss damit rechnen, dass die Räuber in einer Art und Weise handeln, die völlig unberechnbar ist”, sagt Sürth. Und das bedeute wiederum eine mutmaßlich höhere Gefahr, selbst schwer verletzt zu werden. Etwa wenn Waffen wie Messer gezückt würden.”

 

>>Apotheken Umschau<<

“Die Berliner Polizei rät grundsätzlich von der “Schutzbewaffnung” mit Pfefferspray ab. “Sie vermittelt den Bürgern nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit”, betont Sprecher Stefan Petersen. … Als eine mögliche Alternative nennt er den “Schrillalarm”: ein Schlüsselanhänger, der auf Knopfdruck ein schmerzhaft lautes Piepen produziert – 130 Dezibel, die den Gegner erschrecken und die Umgebung aufmerksam machen.”

 

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

“Die Polizei rät indes eher davon ab, sich mit Schutzwaffen wie CS-Gas auszustatten. Im Notfall könnten sie von geübten Angreifern auch gegen denjenigen verwendet werden, der sich schützen wolle, sagte ein Sprecher der Magdeburger Polizei.”

Der Tenor der Polizei ist – abgesehen von Kleinigkeiten – zum Thema Selbstschutz Deckungsgleich. “Im Notfall könnten sie von geübten Angreifern auch gegen denjenigen verwendet werden, der sich schützen wolle …” Die Aussage ist in Konjunktiv gehalten: Demzufolge sind keine Belege vorhanden, welche die These zu stützen.

>>Stuttgarter Zeitung<<

“Auf einem Fußweg in der Innenstadt von Waldshut-Tiengen am Hochrhein ist eine 19-Jährige von drei Männern angegriffen worden. Die Unbekannten umkreisten die Frau und drückten sie in eindeutig sexueller Absicht auf den Boden, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Die Frau konnte sich retten. Sie griff zu einem Pfefferspray in ihrer Jackentasche und sprühte es in die Richtung der drei Täter. Diese ließen von ihrem Opfer ab, die Frau konnte fliehen.”

Eine junge Frau ist körperlich gegen drei Männern chancenlos: Einzig der beherzte Einsatz von CS-Gas verhinderte schlimmeres. Ob lautstarkes Hilferufen oder der sogenannte “Schrillalarm” in der heutigen Zeit wirklich helfen – ist höchst fraglich. Beherztes Eingreifen wird zwar in PR-Kampagnen beworben, aber vor Gericht häufig sanktioniert und die allgemeine soziale Kälte tut ihr übriges. Das unter diesen Umständen in einer Notlage: Ein unbeteiligter Dritter Selbstlos zu Hilfe eilt, dürfte in der Praxis wohl mehr Wunschdenken der Behörden, als gelebte Realität sein.

 

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