Wie die kalte Progression den Lebensstandard senkt

Screenshot gizmodo.com

Am Beispiel der Mobilität kann die Wirkung der kalten Progression am besten festgemacht werden. In kaum einen anderen Bereich sind die Kosten in den letzten Jahren derart gestiegen, wie in diesen Sektor. Die Folgen bekommen besonders die Armen am ehesten zu spüren.

>>Neues Deutschland<<

“Millionen Menschen hierzulande reicht ihr Job nicht zum Leben. Genau genommen waren es 3.178.133 Personen, die im März dieses Jahres mindestens zwei Arbeitsplätze hatten. Dies geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der LINKEN im Bundestag hervor. Damit nahm die Zahl der Mehrfachbeschäftigten im vergangenen Jahr zu. Im März waren es noch 121.182 Personen oder fast vier Prozent weniger, die nach Feierabend noch mal malochen gehen mussten. Vor zehn Jahren waren sogar noch eine Million Menschen weniger auf eine zweite Arbeit angewiesen als heutzutage. Bei den meisten Mehrfachjobbern handelt es sich um Personen, die gleichzeitig einer sozialversicherungspflichtigen und einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Ihre Anzahl lag im März bei fast 2,7 Millionen Beschäftigten. 311.131 Angestellte hatten sogar mindestens zwei sozialversicherungspflichtige Jobs. … »Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus«, kommentierte die LINKE-Fraktionsvize Sabine Zimmermann die Zahlen. Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig. Nach wie vor seien viel zu viele Menschen arm trotz Arbeit.”

Die Hartz-IV Regelsätze und der Verdienst beim Mindestlohn laufen in der praktischen Wirklichkeit finanziell auf das selbe Ergebnis hinaus. Dementsprechend kommt den sogenannten 450 Euro “Minijobs” ein ganz besondere Bedeutung zu, weil die Abgabenlast hierbei ungleich geringer ist. Die kalte Progression macht solche Verhältnisse eben möglich.

>>Bundesministerium der Finanzen<<

“Als kalte Progression wird der Anstieg des durchschnittlichen Steuersatzes der Einkommensteuer bezeichnet, der allein auf die den Preisanstieg (Inflation) ausgleichenden Lohn- und Gehaltserhöhungen zurückzuführen ist.”

Es bedeutet: Die Kaufkraft wird von zwei Seiten in die Zange genommen. Zum einen existiert die Inflation, welche die Preise in die Höhe schnellen lässt und gleichzeitig steigt die – darauf beruhende – Steuerlast und Abgabenlast. Dabei laufen die “Wunschvorstellungen” diverser Ministerien der rauen Realität schon lange in zwei völlig gegensätzliche Richtungen. Was ist damit gemeint? Zur Ausübung eines Berufes ist vielfach ein Auto unabkömmlich.

Screenshot bmw.co.za

Da diverse politische Kreise E-Autos forcieren und um der heimischen Wirtschaft etwas gutes tun, nehmen wir für das Denkmodel den – politisch korrekten – Kleinwaagen BMW i3. Der kostet in der Grundausstattung inklusive Umsatzsteuer 37.550 Euro. Da zwischen Hartz-IV und den Mindestlohn finanziell kaum einen Unterschied besteht, ist die Höhe des Postens im dafür vorgesehenen Regelsatzes 25,77 Euro – für den Abschnitt “Verkehr” – gedacht. Das bedeutet: Für einen BMW i3 müsste man lediglich 121 Jahre lang Geld beiseite legen. Aber selbst nachdem man über ein Jahrhundert mühevollen gespart hat, wäre das Auto dennoch unerreichbar, weil es über den Grundfreibeträge läge und Tanken ginge auch nicht, weil die Stromkosten zu hoch wären.

Screenshot hartziv.org

Die kalte Progression schlägt aber auch anderswo zu: Nämlich bei den Preisen – was nebenbei bemerkt das Bundesministerium der Finanzen verschweigt. Laut ADAC kostete der Liter Super-Benzin im Jahr 1988 (umgerechnet und gerundet) 49,65 Cent und im Jahr 2012 schon 159,80 Cent. Natürlich lässt sich die Differenz nicht mit dem Erdölpreis erklären, auch wenn es durchaus Veränderungen gab. Auf die Treibstoffpreise wird nicht nur die Umsatzsteuer – bei manchen auch scherzhaft “Märchensteuer” genannt – aufgeschlagen, sondern darüberhinaus auch die Energiesteuer. Durch den Effekt das Steuern auf Steuern berechnet werden, kommt – annähernd – eine exponentielle Funktion zustande. Auch wenn das Bundesministerium der Finanzen diese mathematische Gegebenheit nicht als kalte Progression bezeichnen will, der Effekt ist nahezu der gleiche. Auf diese Weise erklärt sich auch teilweise die Aussage warum: “Der überwiegende Teil dürfte aus purer finanzieller Not mehr als einen Job haben und nicht freiwillig.” Aus Gründen der Vollständigkeit: Bei den Titelbild handelt es sich um einen amerikanischen Ford F-150 in der US-Version. Dieser kostet in der Grundausstattung in den Vereinigten Staaten 27.380 US-Dollar, womit er erheblich günstiger ist, als der Kleinwaagen BMW i3 und gleichzeitig einen viel höheren – vor allen in der USA geschätzten – Nutzwert hat. Hierzulande machen alleine die – steuerbedingten – Unterhaltskosten, solche Gedankengänge zu Nichte.

Screenshot focus.de

 

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Werbung

table-layout
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Scroll Up