Wie die Kontaktschuld den Datenhandel beflügelt

Screenshot vimeo.com

Kontaktschuld: Ein totgeglaubtes Verfahren um Menschen systematisch zu isolieren, könnte eine sagenhafte Wiederauferstehung feiern. Sofern sie mit den „falschen“ Leuten befreundet sind, deren Sichtweisen mögen oder auch nur Kontakt mit ihnen hatten: Kann dieses belanglos Verhalten zu gravierenden Konsequenzen führen. Einige Staaten dürften ihnen deswegen in naher Zukunft die Einreise verweigern und viel schlimmeres mehr: Steht schon in den Startlöchern.

>>Reuters<<

„Laut “Bild am Sonntag” veräußert die Tochter Deutsche Post Direkt GmbH seit 2005 Daten an Parteien. CDU und FDP hätten im vergangenen Bundestagswahlkampf für straßengenaue Analysen jeweils einen fünfstelligen Betrag bezahlt. Die Post-Tochter werbe damit, in Deutschland mehr als eine Milliarde Einzelinformationen für etwa 20 Millionen Häuser mit rund 34 Millionen Haushalten zur Verfügung zu haben.“

 

>>Netzpolitik<<

„Facebook sammelt Daten auch über Nicht-Nutzer: Der Konzern saugt aus Kontaktlisten seiner Nutzer mit Vorliebe alle E-Mailadressen und Telefonnumern ab. Aus diesen und anderen Informationen erstellt Facebook sogenannte Schattenprofile. Wenn sich der Inhaber einer dieser Adressen oder Nummern bei Facebook anmeldet, werden ihm dann etwa jene, die seine Kontaktdaten hochgeladen haben, als Freunde vorgeschlagen. Diese Praxis des Konzerns ist seit Jahren bekannt.“

 

>>Handelsblatt<<

„Das US-Außenministerium will in Zukunft alle Visumsbewerber dazu verpflichten, ihre Daten aus sozialen Netzwerken offen zulegen. Das umfasst zum Beispiel Facebook- oder Twitter-Nutzernamen. Bewerber sollen zudem verpflichtet werden, auf Visaanträgen E-Mail Adressen und Telefonnummern zu nennen, die sie in den letzten fünf Jahren genutzt haben. Eine entsprechende Regelung wird das Außenministerium in den kommenden Tagen veröffentlichen, ab dann gelten 60 Tage Zeit, in der die Öffentlichkeit zu dem Plan Stellung nehmen kann.“

 

>>Meedia<<

„Moderner Wahlkampf funktioniere nicht mehr auf Basis von Intuition, erzählte er auf der großen Bühne der diesjährigen OMR in den Hamburger Messehallen. „Du musst deine potenziellen Wähler erkennen. Welche Nachrichten kommen bei ihnen an und wie müssen diese übermittelt werden?“ Grundlage dafür können einzig und allein Daten sein, betonte Liegey. Das oben beschriebene „Knocking at doors“ sei ein Baustein im Konzept, so Liegey. Der Kern eines modernen Wahlkampfs? Aus Sicht von Liegey sind das Daten, Technik und Menschen. Zunächst haben er und sein Team die Menschen nach ihren Bedürfnissen befragt. „Was erwarten potenzielle Wähler von Politikern, was funktioniert aus ihrer Sicht in Frankreich und was nicht?“ 300.000 Türen seien von rund 6.000 Freiwilligen abgeklappert worden, erzählte der groß gewachsene Franzose. „Das Team führte 25.000 Unterhaltungen, die im Schnitt 14 Minuten dauerten.“ Die daraus generierte Masse an Informationen und Daten bildete die Grundlage für den weiteren Wahlkampf und damit für die Ansprache der Bürger. … Donald Trumps Wahlkampf vor anderthalb Jahren hält er indes für eine sehr gut organisierte, aus operativer Sicht gelungene Kampagne. Die politischen Inhalte teilt er zwar nicht, aber das Beispiel des aktuellen US-Präsidenten beweise, wie erfolgreich mit Daten gearbeiten werden kann.“

Weitläufig betrachtet, hat schon der spätere US-Präsident Barack Obama im Jahr 2008 damit Wahlkampf betrieben. Aber dieses Verfahren beschränkt sich keineswegs nur auf den Bereich Politik, sondern nahezu sämtliche Lebensbereiche: Jeder noch so kleine Gruppe – teilweise sogar einzelne Bürger – bekommen maßgeschneiderte Informationen geliefert. Das bedeutet: Jeder bekommt ausschließlich dass zu hören, was gerne hören will. Die US-Präsidenten Obama und Trump haben genau mit diesen Verfahren Wahlkampf betrieben. Im Gegensatz zu den seltsamen Ansichten des Staatsfunks, haben die Präsidenten jede potentiellen Wählergruppe bedient. In Summe nachträglich zusammengerechnet ergeben die Aussagen natürlich keinerlei Sinn, aber darum ging es ja auch nicht. Das Ziel war es eine Wahl zu gewinnen. Pläne, wie die des US-Außenministerium: Visumsbewerber müssen bei Visaanträgen E-Mail Adressen und Telefonnummern nennen, dürften wohl die ersten Versuche sein, persönliche Daten aus den sozialen Bereich – ohne Versteckspiel – zu nutzen.

 

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