Wie Gewalt und Kriminalität von der Polizei verschwiegen wird

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Im Staatsfernsehen „ZDF“ laufen Dokumentationen, wie „Polizei im Einsatz„. Es handelt sich hierbei um keine Einzelfolge, sondern um eine Serie von Dokumentationen, die zur besten Sendezeiten laufen und auf diversen Spartenkanälen vielfach wiederholt werden. Was Zusammengenommen zu einer gefühlten Endlosschleife verschmelzt. Das Muster der Sendungen ist leicht zu durchschauen, der Bürger wird von der Polizei kontrolliert, weil er irgendetwas falsch gemacht hat und die Bestrafung von der Staatsmacht folgt auf dem Fuße. Die Polizei kommt in dem Sendungen so gut weg, dass die Behörde dieses Dokumentationen problemlos als Werbematerial einsetzen könnte. Der Bürger hingegen findet sich in einem derart verächtlichen Position wieder, dass es mit journalistischer Objektivität in keinster Weise konform geht.

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Natürlich könnten zum Ausgleich auch Sendungen produziert werden, welche die andere Seite – die Perspektive des Bürgers – beleuchten, was zwar auf der einem Seite geschieht. Aber auf der anderen Seite sind solche Sendungen sehr rar gesät und laufen späht Nachts zu keiner guten Sendezeit. Auch in diesem Punkt wird die journalistischer Objektivität missachtet. Selbstverständlich reichen diese strukturellen Ursachen viel tiefer, Aufgrund der Komplexität können wir nur einem kleinen Teil beleuchten.

>>stern<<

„An diesem Donnerstag geschieht in der bayerischen Landeshauptstadt München etwas Ungewöhnliches; etwas, das es bisher in der Geschichte der Bundesrepublik so nicht gab; etwas ohne Anstand, schamlos, ein Übergriff: der bisherige Sprecher der Bundesregierung Ulrich Wilhelm (CSU) wird übergangslos Intendant eines der größten öffentlich-rechtlichen Medienhäuser in Europa, des Bayerischen Rundfunks.“

Was im Stern-Artikel untergeht: >>Steffen Seibert<< Nachrichtensprecher des Staatsfernsehens „ZDF“ bekommt dem Posten des Regierungssprechers. Die Figuren sind dabei mehr oder weniger die selben und die personellen Verflechtungen sind so eng, dass eine kritische objektive Berichterstattung – wie eigentlich im Rundfunkstaatsvertrag vorgesehen –  ausgeschlossen ist, eine Tatsache die für jeden offensichtlich ist. Um dies zu verdeutlichen und um auf die Sendung des Staatsfernsehen „ZDF“ der Dokumentation „Polizei im Einsatz“ zurück zu kommen, greifen wir zwei  Beispiele auf, welche in der Sendereihe nicht liefen.

>>Süddeutschen Zeitung<<

„Im April 2015 starteten sie ihren genau vorbereiteten und ausgeklügelten Plan: Innerhalb von nur zwei Wochen schickten sie 228 Anträge an Elterngeldstellen im ganzen Land. Die Summe, die sie jeweils forderten, war immer die gleiche: knapp 22 000 Euro. Es ist der Höchstsatz für zwölf Monate. Die Kinder, von denen in den Anträgen die Rede war? Frei erfunden. Die Eltern dazu? Existierten auch nicht. Alles war eine geschickte Betrugsmasche, jedenfalls auf den ersten Blick. Sie fälschten nicht nur die Geburtsurkunden der Kinder und Gehaltsabrechnungen der eigentlichen Eltern. Wie der WDR berichtet, eröffneten die beiden Männer auch 58 verschiedene Konten, auf die das Geld fließen sollte. Dazu benutzen sie gefälschte französische Identitäten. … Die beiden Angeklagten, heute 36 und 39 Jahre alt, sind Ex-Polizisten, zur Tatzeit waren sie noch dort beschäftigt.“

 

>>taz<<

„Einer der Beamten im Wintergarten habe die Hand an die Dienstwaffe gelegt. Martin P. habe aus der Schublade ein Brotmesser mit Wellenschliff geholt, nicht auf Warnungen reagiert, das Messer nicht fallen lassen und sich auf die Beamten im Wintergarten zu bewegt. Zwei schnell hintereinander abgefeuerte Schüsse. Gezielt auf die Körpermitte. Martin P. habe kurz innegehalten und sei dann weitergelaufen. Dritter Schuss. Gleicher Beamter. P. gelangt noch durch eine Tür in die Garage, von dort auf die Einfahrt, wo er zusammenbricht und liegenbleibt. Eine Stunde nach seinem Notruf holt Martin P. tatsächlich ein Arzt ab. In der Universitätsklinik Aachen beginnt eine mehrstündige Operation. Zwei Mal wird er in jener Nacht im September reanimiert. Erst drei Wochen später befindet er sich nicht mehr in Lebensgefahr. Seitdem sorgen sich seine Eltern nicht nur um die Gesundheit ihres Sohnes. Sie fürchten sich plötzlich vor einer Instanz, der sie bisher vertraut hatten: dem Staat. Denn der Einsatz wirft viele Fragen auf. Doch sowohl die Staatsanwaltschaft Aachen wie auch das dortige Amtsgericht konzentrieren sich darauf, Martin P. einstweilig in einer Anstalt unterzubringen. Die Projektile des Beamten treffen ihn in den Brustkorb und den Bauch. Seine Lunge, das Zwerchfell und eine Vene sind durchschlagen, die Leber ist teilweise zerrissen, die Blase geplatzt, ein Geschoss steckte im Hüftgelenk. Die Bauchspeicheldrüse ist komplett zerfetzt. Zehn Leute arbeiten die Nacht im OP durch. Martin P. hat kaum noch Blut im Körper, als er eingeliefert wird. „Der war fast leer“, soll ein Krankenpfleger gesagt haben. Leitender Chirurg in dieser Nacht ist Christoph Heidenhain, 42 Jahre alt, der stellvertretende Direktor der Klinik. Schon kurz nach der Operation ruft ein Polizist ihn an und fragt, ob er Beamte schicken solle, um Martin P.s Krankenzimmer zu bewachen. Er fragt nicht, wie es dem Mann geht, dem der Mediziner gerade das Leben gerettet hat. Heidenhain verblüfft das noch heute. „Der verblutet gerade, und die wollen ihn bewachen“, sagt er Monate später in einem Restaurant in Aachen. Es bleibt nicht die einzige Ungereimtheit. Heidenhain beschließt deswegen im Januar 2014, seine Erlebnisse in einem Gedächtnisprotokoll festzuhalten. Das Dokument liegt der taz vor. Die sieben eng bedruckten Seiten lassen Zweifel an der Arbeit der Ermittlungsbehörden und des Amtsgerichts Aachen aufkommen. Sie beschreiben die Zeit vom 10. September 2013 bis zum 18. November 2013 – dem Tag der Entlassung von Martin P. aus der Klinik. Schon während der Operation rätselt der Arzt über den ungewöhnlichen Schusskanal. Wenige Tage nach der OP ruft ein Rechtsmediziner aus Köln an und erkundigt sich nach der Schussverletzung. Heidenhain schildert ihm, wie ein Projektil Organe durchschlug, die in stehender Position teils übereinanderliegen. „Ich habe den Rechtsmediziner gefragt, ob Kugeln um die Ecke fliegen können“, sagt er im Restaurant. „Doch der Mann hat mir gar nicht richtig zugehört.“ Das Geschoss durchschlug die Leber, Lunge, Zwerchfell, oberen Dickdarm, Pankreaskopf und die Hohlvene. Um diese Körperteile mit einem Schuss zu durchlöchern, müsste Martin P. sehr steil von schräg oben getroffen worden sein, vermutlich in einer stark nach vorne gebeugten Position. So interpretiert der Chirurg die Verletzung. Weder die Staatsanwaltschaft noch die Polizei Aachen waren bereit, sich zu den Ermittlungen zu äußern. Der Rechtsmediziner aus Köln, erzählt Heidenhain, habe nach zehn Minuten gesagt, er wolle sich eventuell noch einmal melden. „Von diesem Herren, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, habe ich bis heute nichts mehr gehört.“ Recherchen der taz zufolge rief der Rechtsmediziner Dr. G. im Auftrag eines Kriminalhauptkommissars des Polizeipräsidiums Aachen an. Später teilte Dr. G. dem Kommissar mit, dass die zweite Schussverletzung leicht absteigend verlaufe. Die dritte Schussverletzung findet zunächst keinerlei Erwähnung. Dabei hatte Heidenhain den Kollegen darüber informiert, dass „einer der drei Schüsse nicht in eine stehende Person eingedrungen sein konnte“. Der Schussverlauf spreche für einen „stark gebeugten Zustand“. Eine Position, die schwer zum Bild des aggressiven Angreifers Martin P. passt. Kurze Zeit später, am 23. Oktober 2013, meldet sich ein Mitarbeiter einer Psychiatrie aus Köln und fragt, wann Martin P. transportfähig sei für eine Verlegung in die Forensik nach Essen. Heidenhain ist verwundert, denn der Mann bezieht sich auf den Paragrafen 126 a der Strafprozessordnung, den der Chirurg nicht kennt. Auf seine Nachfrage schickt ihm der Mann das Gutachten der Psychiaterin J. Obwohl sie Martin P. zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht befragen konnte, diagnostiziert sie eine psychiatrische Erkrankung und empfiehlt die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt. Selbst beim „wiederholten Lesen konnte und kann ich dieser Logik und Sinnhaftigkeit nicht folgen“, schreibt der Mediziner in seinem Protokoll.“

Alleine die juristischen Auseinandersetzungen hat der Familie 20.000 Euro gekostet – wozu keineswegs alle in der Lage sind. Ein psychiatrisches Gutachten sind heutzutage oft eines bloße Formsache, welches gerne auch mal per Ferndiagnose erstellt werden und nicht selten einem behördlichen Zweck erfüllen muss. Und selbstverständlich passen die Angaben der Polizisten weder mit Spuren Vorort noch mit dem Verletzungen des Opfers überein. Die – eigentliche – Aufgabe des Staatsfernsehens „ZDF“ wäre es: Solche Geschehnisse aufzuklären und Behörden kritisch bei ihrer Arbeit zu begleiten, anstatt umstrittene Folgen wie „Polizei im Einsatz“ als Dauerwerbesendung massenweise abzudrehen.

 

 

 

 

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