Wie internationale Konzerne Steuern sparen und Gewinne maximieren

Screenshot movieweb.com

Einige weltweit aufgestellte Unternehmen haben die Größe von mancher industriellen Volkswirtschaft mittlerweile schon überschritten. Der Einfluss jener Konzerne auf die nationale Politik ist omnipräsent, jedoch nur die Folgen davon machen regelmäßig Schlagzeilen.

>>Manager Magazin<<

“In dem Hintergrundpapier der Planungsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion, das Stern.de vorliegt, richtet Müntefering seine Kritik vor allem gegen die US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Sie hatte 1999 zusammen mit der US-Bank Goldman Sachs den Elektronik- und Geldautomatenhersteller Siemens-Nixdorf übernommen und 2004 an die Börse gebracht. Von dem Erlös durch den Börsengang in Höhe von 350 Millionen Euro blieben der Firma selbst aber nur 125 Millionen, den Rest von 225 Millionen steckte unter anderem KKR ein. In den Jahren zwischen Übernahme und Börsengang ließen sich die Gesellschafter zudem Beteiligungen von 160 Millionen Euro auszahlen. Ein anderes Opfer von KKR sei der Hersteller von Kommunikationsprodukten Tenovis. Noch Ende 2002 hätten die Mitarbeiter auf 12,5 Prozent ihres Lohnes verzichtet, um ihre Arbeitsplätze für mindestens ein Jahr zu retten. Im Sommer 2003 aber habe Tenovis fast die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Das SPD-Papier nenne viele weitere “Heuschrecken”, berichtet Stern.de weiter.”

In Wahlkampfzeiten taucht dieser Themenkomplex in unterschiedlichen Ausprägungen wie “Kai aus der Kiste” regelmäßig wieder “neu” auf. Häufig bleibt dabei unerwähnt – wie dieses nach einer biblischen Plage – benanntes “Heuschrecken-Gesetz” überhaupt zu stand kam.

>>Handelsblatt<<

“Während heute die Finanzmärkte fast täglich Abwehrkämpfe gegen neue Regulierungsattacken der Politik führen müssen, beschloss Rot-Grün 2001 das „Gesetz zur weiteren Fortentwicklung des Finanzplatzes Deutschland“. Dahinter verbarg sich nichts anderes als eine Einladung an Finanzinvestoren. Die Steuerfreiheit der Veräußerungsgewinne von Kapitalgesellschaften wurde durchgesetzt. Ein lukratives Geschäft für Unternehmen, das viele Arbeitnehmer um ihren Job brachte.”

Viele Protagonisten von damals wechselten nach ihrer politischen Karriere – praktisch nahtlos – auf gut bezahlten Posten zu – genau jener – Konglomerate, welche von den beschlossenen Gesetz am meisten profitieren. Die Folgen: Durch findige Firmenkonstruktionen zahlen Multimilliarden-Konzerne faktisch kaum Steuern, aber profitieren zugleich massiv von den örtlichen Subventionen und Gegebenheiten. Die Ursachen sind im sogenannten „Gesetz zur weiteren Fortentwicklung des Finanzplatzes Deutschland“ zu finden.

>>Spiegel<<

“Doch der Verkauf von Opel an den französischen Autokonzern könnte nach SPIEGEL-Informationen doch nicht so einfach über die Bühne gehen. Ein Stolperstein in den Verhandlungen könnten die Patente für die Opel-Modelle sein, die dem Mutterkonzern General Motors (GM) gehören.”

Ohne Frage hat Opel massiv von der heimische Infrastruktur profitiert und damit beispielsweise auf staatliche Subventionen und das Bildungssystem zurück gegriffen, um überhaupt Technologie für Patente zu einwickeln: Die Ergebnisse dieser Wertschöpfungskette liegen gegenwärtig in den USA. Das Gebaren internationaler Konzerne ist weder neu, noch irgendwie unbekannt.

>>Wirtschafts Woche<<

“Die Historie der Kupfermine, die deutsche Zocker ans andere Ende der Welt lockte, ist dagegen alles andere als heiter. Bougainville, benannt nach einem französischen Seefahrer, ehemals deutsche Kolonie und heute Teil Papua-Neuguineas, markiert eines der schwärzesten Kapitel in der Geschichte der Rohstoffindustrie. Als größte Tagebaugrube der Welt machte die Kupfer- und Goldmine Panguna auf Bougainville in den Siebzigerjahren Furore. Streit um Landrechte und eine rücksichtslose Umweltzerstörung mündeten 1989 in einen blutigen Bürgerkrieg. Bougainville Copper Limited (BCL), die mehrheitlich dem Rohstoffgiganten Rio Tinto gehört, machte schließlich die Todesmine dicht und verwaltete fortan nur noch die übrig gebliebenen flüssigen Mittel.”

Die Kupfermine zerstörte weitestgehend die Lebensgrundlage der Einwohner von Bougainville, von den gigantischen Gewinnen kam faktisch – nichts – auf der Insel an.

>>Süddeutsche Zeitung<<

“Auf diesen Donnerstag kann sich Tony Hayward bestimmt nicht freuen. Um zehn Uhr morgens amerikanischer Ostküstenzeit muss der BP-Chef, dessen Konzern für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verantwortlich ist, vor einen Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses treten. Die Abgeordneten aus dem Energiekomitee haben ihn bereits am Montag auf 14Seiten mit fünf zentralen Vorwürfen konfrontiert – der Konzern habe in den Tagen vor der Explosion des Bohrschiffs Deepwater Horizon, bei der elf Menschen starben, mehrfach die üblichen Sicherheitsstandards missachtet. “Es hat den Anschein, dass sich BP wiederholt für riskante Verfahren entschieden hat, um Kosten und Zeit zu sparen”, schreiben die Abgeordneten Henry Waxman und Bart Stupak.”

 

>>Welt<<

“Sie zeichnet vor allem auch nach, wie konkret große, multinationale Unternehmen in Europa ihre Steuerlast durch komplizierte Finanzkonstrukte reduzieren – und zwar mit Unterstützung der Steuerbehörden. … Starbucks betreibt in den Niederlanden seine einzige Kaffeerösterei in Europa. Eine richtige Fabrik, die Kaffee röstet, aber auch Essen sowie Zubehör wie Becher und Servietten vertreibt. Verkaufsstellen in ganz Europa, im Nahen Osten und in Afrika werden von hier aus beliefert. Der Umsatz war hoch, doch Steuern zahlte Starbucks kaum. Zwischen 20 und 30 Millionen Euro sparte Starbucks seit dem Jahr 2008 durch ein mit den niederländischen Behörden vereinbartes Steuersparmodell, urteilte die Europäische Kommission.”

Ein kleine regionale Cafeteria hat im Gegensatz zum internationalen Konzern >>Starbucks<< kaum die Möglichkeit, ein vergleichbares Konzept anzuwenden. Die hohe Politik könnte mit wenigen Federstrichen Abhilfe schaffen – sofern ein echter politische Wille vorhanden wäre.

 

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

  • Die Hubschrauber der Luftrettung sind ausnahmslos nach “Christoph” – den heiligen Christophorus – benannt. Besonders die Menschen in und um den Ort [...]
  • Die weltweit größte Tunnelbohrmaschine (TBM) hat nach fast vier Jahren Bauzeit einem Tunnel mit einer Gesamtlänge von 3,2 Kilometern fertiggestellt. Der Tunnel ersetzt [...]
Loading...

2 Trackbacks & Pingbacks

  1. Europäische Union: Das „Doppeltes irisches Sandwich“ ist nicht zum essen - Lausitzer Allgemeine Zeitung
  2. Flexverträge: "Richtung eines modernen Tagelöhnertums" - Lausitzer Allgemeine Zeitung

Kommentare sind deaktiviert.

Scroll Up