Wie mit Kulturgütern umgegangen wird

Screenshot lr-online.de

Wertvolle prähistorische Fundstücke aus der Eisenzeit entsorgen die zuständigen Archäologen in Schweden nach dem Auffinden zum überwiegenden Teil im Müll – weil für die Konservierung das Geld fehlt.

>>Spiegel<<

“Deutsche Archäologen verlassen Troja – nicht, weil die legendäre Stadt keine Geheimnisse mehr bietet, sondern weil die Finanzierung für die Ausgrabungen ausläuft. “Wir haben kein Geld mehr”, sagt der Tübinger Professor Ernst Pernicka. Rund 25 Jahre lang haben Tübinger Forscher die Grabungen in der Stadt, in der laut Homer der Krieg um die schöne Helena stattgefunden hat, geleitet. Jetzt ziehen sie sich nicht ganz freiwillig zurück.”

Nicht wenige Funde kommen mehr oder minder per Zufall – häufig im Zuge von Bauarbeiten zustande – danach müssten “eigentlich” die Arbeiten eingestellt und Archäologen hinzugerufen werden – rein theoretisch zumindest.

>>Anonymen Autor<<

“Während der Arbeit auf einer Baustelle in einem alten Schloss sollte ich Knochenfunde im Boden der ehemaligen Kochstelle einer historischen Schlossküche “ignorieren”. Mein damaliger Kollege verscharrte die Knochen mit dem Fuß und sagte (etwaiger Wortlaut): “Pass bloß auf, dass die keiner sieht! Wenn die Archäologen Wind davon bekommen, schließen sie die Baustelle!” … Ob es nun Funde von Bedeutung waren oder nicht: Wie kritisch mag das Ausmaß der Zerstörung, bzw. Verharmlosung und Verballhornung historischer Artefakte heutzutage sein ob all der angeblich guten Gründe, Funde nicht zu melden?”

 

>>Archaeologie verstehen<<

“Jede Schicht, die Profile an den Rändern sowie alle Befunde und Funde im Grabungsschnitt werden sorgfältig dokumentiert: eingemessen, fotografiert, gezeichnet. Die einzelnen Funde wie Keramik, Skulpturen, Knochen, Pflanzenreste, Proben von Holz, Samen, Sedimente usw. werden vorsichtig geborgen, soweit es geht sorgfältig gereinigt sowie durch Zeichnungen und eine Beschreibung auf dem Fundzettel dokumentiert. Die Art der Fundbergung, der Reinigung und der Lagerung hängt dabei von Größe und Beschaffenheit des Funds ab. Gegebenenfalls müssen Restauratoren, Anthropologen, Archäobotaniker, Archäozoologen und andere Spezialisten hinzugezogen werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass für die Dokumentation und Auswertung der Grabung keine Informationen verloren gehen. Die Dokumentation der Grabung erfolgt mit Hilfe von handschriftlichen oder digitalen Befundbüchern, Grabungstagebüchern, Fotos und Zeichnungen. Das Tagebuch verzeichnet den Grabungsablauf jeden Tages, die Grabungsbedingungen (z. B. das Wetter), Besonderheiten usw. Das Befundbuch dagegen beschreibt eingehend die einzelnen Befunde. Unter anderem werden Form, Material oder Farbe festgehalten.”

Es ist keineswegs ausreichend festzulegen, wie Ausgrabungen stattzufinden haben, dazu müssen auch die zuständigen Stellen die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Das Kulturgüter keinen allzu hohen Stellenwert haben, kann an einer Vielzahl an Beispielen genauso gut jeder unbedarfte Laie erkennen.

>>FÖRDERKREIS SCHLOSS UHYST a. d. Spree<<

“Das Schloss wurde zwischen 1738 und 1742 von Caspar Friedrich Graf von Gersdorff erbaut, letzter Schlossherr war Herbert Kluge. Er flüchtete 1945 mit seiner Familie vor der Front und wurde im selben Jahr nach der Bodenreform enteignet. In einem Teil der Räume zog die Uhyster Grundschule ein, auch fanden viele Flüchtlinge im Schloss Unterkunft. Ende der 40er-Jahre begann der Umbau zur Lungenheilstätte, 1952 zogen die ersten Patienten ein, später wurde das Schloss zur Spezialklinik für Lebererkrankungen, danach Hautklinik und weitere Stationen. Ende 1991 gab der Landkreis Hoyerswerda das Krankenhaus auf, der Leerzug erfolgte 1992. Nach der Kreisgebietsreform übernahm der Kreis Niesky die Immobilie und verkaufte an privat.”

Seit dem Verkauf steht das Schloss leer und ist dem Verfall preisgeben. Vergleichbare Gebäude mit einen analogen Schicksalen gibt es zuhauf in der Lausitz. Ein wirkliches Bewusstsein der öffentlichen Hand diese Bauwerke auf Dauer zu erhalten ist kaum ausgeprägt: Fördermittel sind rar und aufwendig zu beantragen, die Auflagen des Denkmalschutzes streng, womit – der Eigenanteil der Restaurierung – entsprechend hoch angesiedelt ist. Dabei sind diese historischen Gebäude untrennbar mit der regionalen Geschichte verbunden und sind dadurch stumme Zeitzeugen einer längst vergangenen Epoche.

 

 

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