Wie Otfried Preußler den modernen Krabat erschuf

Screenshot youtube.com

Die mit Abstand bekannteste Sagengestalt aus der Lausitz dürfte „Krabat“ sein. Jedoch zwischen der Kunstfigur und den geschichtlich belegten Krabat klafft eine gewaltige Kluft.

>>Radio Lausitz<<

„1660 kam der Kroate Janko Sajatovic an den Sächsischen Kurfürstenhof und wurde unter dem Namen Johann von Schadowitz Generaladjudant und Oberhofmarschall. In dieser Mission war er mehrmals in Bautzen, so z.B. 1680. Damals war in Dresden die Pest ausgebrochen. Schadowitz bezog Quartier auf der Ortenburg. Nach seinem Tod wurde er in Erzählungen zur Sagengestalt „Krabat“.“

 

>>KRABAT-Mühle Schwarzkollm<<

„Die wohl bekannteste und beliebteste Gestalt im Sagenschatz der Sorben ist Krabat, der gute alte Zaubermeister. Mit ihm verknüpfen sich Erzählungen über viele hilfreiche Taten, die er mittels seiner Zauberkünste vor allem zugunsten der weniger Begüterten vollbrachte. So nutzte er seine magischen Kräfte, um kärgliches Ackerland der Bauern fruchtbar zu machen oder dringend notwendigen Regen auf dürre Saaten zu bringen. Er legte auch Sümpfe trocken, um die von ihnen ausgehenden Krankheiten zu verhindern. Krabat trieb aber auch seine Possen mit reichen Viehhändlern auf dem Markt von Wittichenau, verwandelte sich gar in einen Ochsen oder ritt durch die Lüfte. Sein Zauberhandwerk soll er in der Schwarzen Mühle oder Teufelsmühle in Schwarzkollm – einem jetzigen Ortsteil von Hoyerswerda – beim dortigen Müller erlernt haben.“

 

>>Krabat<<

„Krabat wuchs als Stiefsohn armer Eltern in dem Dorf Eutrich (Jitk) am Rande der sorbischen Heide auf. Schon als Kind musste er sich sein Brot als Hirtenjunge selbst verdienen. In den Wintermonaten war er gezwungen sogar betteln zu gehen, so groß war die Not. Als er wieder einmal durchs Land streifte, überraschte ihn die dunkle Nacht und er verlief sich in der Wald- und Teichlandschaft um Hoyerswerda. Nach langer und beschwerlicher Wanderung erreichte er eine Mühle die man auch die „Schwarze Mühle“ nannte. Dem Schwarzen Müller und bösen Zauberer gefiel der wissbegierige Krabat und er nahm ihn auf, um ihm das Müllerhandwerk und manches Andere zu lehren. Krabat schien dem Müller ein kluger Bursche zu sein und weil gerade wieder der zwölfte Geselle ein trauriges Ende gefunden hatte, nahm er ihn als Lehrling auf. Krabat bemerkte sehr schnell, dass der Müller mehr konnte als nur Korn mahlen. Er wurde vom Meister in allerhand Beschwörungen, Formeln und Hexereien eingeweiht und schon bald war der wissbegierige Lehrling seinem Meister in Stärke und Wissen überlegen. Krabat wusste nun, dass ihm der Tod blühte. In der Vergangenheit sind solche ungehorsamen Lehrlinge im Mühlbach ertrunken oder in das Wasserrad gefallen. Krabat aber kannte einen Schutz gegen die Macht des Zauberers. Die Liebe einer Mutter – dagegen kann kein Zauberer etwas ausrichten. Krabat reiste schnell nach Hause und weihte seine Mutter ein. Diese war zwar erst entsetzt von der Wandlung ihres Sohnes, willigte aber ein, ihm zu helfen. Krabat wusste, dass ihn der Meister in eine Krähe verwandeln würde und gab der Mutter einen Hinweis. Als sie die „Schwarze Mühle“ erreichte, musste sie mit ansehen, wie der Zaubermeister alle Müllerburschen in zwölf schwarze Raben verwandelt hatte, unter denen sie ihren Sohn erkennen sollte. Schaffte sie es, waren beide frei, schaffte sie es nicht, war Krabat dem Tod geweiht. Die Mutter erkannte ihn sofort an dem vereinbarten Zeichen (Krabat steckte seinen Kopf unter den linken Flügel) und erlöste ihn. Der Müller musste beide wohl oder übel ziehen lassen und Krabat floh so schnell, wie nur möglich mit seiner Mutter nach Hause. Erst später bemerkte der Meister, dass Krabat ihm das Zauberbuch gestohlen hatte. Doch da war es schon zu spät und Krabat war über alle Berge. In seiner Heimat wurde er als guter Zauberer bekannt und trat nach vielerlei Abenteuern dem „Schwarzen Müller“ in einem letzten Kampf gegenüber.“

 

>>Welt<<

„Wer an Otfried Preußler denkt, hat sofort „Krabat“ im Kopf. Oder den Räuber Hotzenplotz. Dass seine Bücher in mehr als 50 Sprachen übersetzt und mehr als 50 Millionen Mal verkauft wurden, ist kein Wunder. „Die kleine Hexe“ zum Beispiel dürfte in so vielen Haushalten stehen, die längst nicht mehr von Kindern bewohnt sind – einfach, weil niemand Preußlers Bücher in den Altpapier-Container werfen mag, schon allein wegen der Einbände. Und wer mit (s)einem Kind noch so etwas nur scheinbar Altmodisches wie ein Kindertheater besuchen will, wählt oft ein Bühnenstück aus seiner Feder.“

Noch heute wird die Legende Krabat beständig verändert und den jeweiligen Zeitgeist angepasst. Ein Phänomen, was seit den Ableben des realen Janko Sajatovic alias „Krabat“ unverändert geblieben ist.

 

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