Wirtschaftlicher Druck: Fliegen auf Kosten der Sicherheit

Screenshot wallup.net

Im internationalen Flugverkehr herrscht starker Wettbewerb und ein daraus resultierender Kostendruck. In manchen Fällen bekommen es die Passagiere am eignen Leib zu spüren.

>>manager magazin<<

„Um Platz im Flugzeug für Angestellte der Airline zu schaffen, hat die US-Airline United Airlines zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Ein Flug der Airline von Chicago nach Louisville sei überbucht gewesen, so dass insgesamt vier Passagiere der Maschine gebeten wurden, das Flugzeug wieder zu verlassen, heißt es in verschiedenen US-Medienberichten. … Diese vier Passagiere seien nach Angaben der Airline nach dem Zufallsprinzip ausgesucht worden. Zuvor wurde ihnen offenbar eine Entschädigung in Aussicht gestellt – zunächst von 400 Dollar, später dann von 800 Dollar, aber nicht den höchst möglichen Satz von etwa 1300 Dollar. Von den vier Passagieren hätten jedoch nur drei Fluggäste das Flugzeug freiwillig verlassen. Einer der vier Passagiere, offenbar ein Arzt chinesischer Herkunft, habe sich geweigert, seinen Platz aufzugeben. Er hätte am nächsten Tag dringend Patienten zu versorgen und könne nicht aussteigen, begründete er laut Medienberichten. … Daraufhin hätten Airline-Mitarbeiter Sicherheitskräfte zu Hilfe gerufen. Ein Video aus der United-Airline-Maschine zeigt, wie Sicherheitskräfte einen Passagier mit Gewalt aus der Maschine zerren. Der Passagier, der sich heftig gegen den Abtransport wehrte, zog sich dabei offenbar auch Verletzungen zu.“

Die im Konkurrenz stehenden Fluggesellschaften sparen an allen möglichen Ecken und Enden: Dies setzt unvermeidlich auch eine Abwärtsspirale in Puncto Sicherheit in Gang.

>>Focus<<

„Das spanische Verkehrsministerium habe eine Untersuchung gegen Ryanair eingeleitet, nachdem an einem Tag gleich drei Maschinen der Billigfluggesellschaft notlanden mussten, berichtet die „Financial Times Deutschland“ (FTD) vom Donnerstag. Die Behörde wolle prüfen, ob die Flugzeuge wegen Treibstoffmangels notlanden mussten.  Die Notlandungen hätten sich demnach schon am 26. Juli ereignet. „Wenn eine Fluglinie an einem Tag dreimal wegen Kerosinmangels notlanden muss, dann stimmt etwas im System nicht“, kommentierte der Sprecher der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, die Vorfälle gegenüber der FTD.“

Flugzeuge mit wenig Treibstoff an Bord sind leichter und können damit kostengünstiger betrieben werden. Die Piloten hätten zwar theoretisch die Autorität höhere Sicherheitsmargen an Treibstoff – für unvorhersehbare Ereignisse – durchzusetzen. Aber eben nur theoretisch. In der Praxis herrscht – wie fast überall – eine ökonomische Abhängigkeit gegenüber dem Fluggesellschaft: Die auf Entscheidungen der Flugzeugführer im Alltag Einfluss nehmen.

>>Welt<<

„Als die lediglich fünf Jahre alte Boeing 737-800 zur Landung ansetzte, herrschte extrem schlechtes Wetter auf dem russischen Flughafen. Das russische Katastrophenschutzministerium berichtete über schlechte Sicht, starken Regen und heftigen Wind mit bis zu 19 Meter pro Sekunde zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 1.50 Uhr MEZ.  Die Wetterbedingungen veranlassten die Piloten anderer Flugzeuge, umzukehren oder Ausweichflugplätze anzusteuern. Etwa die Crew einer Aeroflot-Airbus-Maschine, die nach drei Versuchen einen anderen Landeplatz auswählte. Doch die FlyDubai-Piloten gingen das Risiko ein. Dabei sollten sie eigentlich gewarnt gewesen sein, denn auch sie hatten einen ersten Anflug wegen der schlechten Wetterbedingungen abgebrochen. Die Maschine kreiste den Radardaten zufolge zwei Stunden in der Luft, um dann erneut ausgerechnet die so gefährliche Piste anzusteuern. Das Manöver endete in einem Feuerball.“

Einem Ausweichflughafen anzufliegen wäre für die Sicherheit in dieser Situation fraglos zuträglich gewesen – jedoch auch teurer für die betreffende Fluggesellschaft. Der wirtschaftliche Druck ist eben omnipräsent im Cockpit. Hinzu kommt einer Besonderheit des Musters Boeing 737: Diese verfügt statt der üblichen drei – nur zwei Autopiloten. Normalerweise arbeiten drei Autopiloten – aus Gründen der Sicherheit – parallel nebeneinander: Sollte ein Autopilot zu falschen Ergebnissen kommen – überstimmen die beiden übrigen Computersysteme dem offenkundig fehlerhaft berechneten Wert und ignorieren die Angaben des einem Autopiloten. Nicht so bei der Boeing 737:  Bei zwei Systemen kommt keine Mehrheitsentscheidung zustande – wodurch technikbedingt alle verfügbaren Autopiloten ausfallen. In dieser Situation müssen die Piloten schnell und richtig reagieren – was in Flugsimulatoren geübt wird. Aber Schulungen der Piloten kosten Geld und es gilt die allseits bekannte Devise: Kosten sparen.

 

 

 

Share on StumbleUponFlattr the authorBuffer this pageShare on LinkedInShare on TumblrPrint this pageEmail this to someonePin on PinterestShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on VK

Andere interessante Beiträge

Werbung

table-layout
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de
Bild: getdigital.de