Zensur in moderner Zeit: Was würde Goethes Faust darüber denken

Screenshot sandrobucher.com

Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, Denn sie sind selber auferstanden: Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind sie alle ans Licht gebracht.” so heist es in >>Johann Wolfgang von Goethe Faust I<<Denn sie sind selber auferstanden“: Das Internet bietet in moderner Zeit die Möglichkeit dass “Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetschender Enge, Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht Sind – unterschiedliche Informationen und Meinungen – sie alle ans Licht gebracht.” … “Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück. Von dort her sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur. Aber die Sonne duldet kein Weißes, Überall regt sich Bildung und Streben, Alles will sie mit Farben beleben; Doch an Blumen fehlts im Revier, Sie nimmt geputzte Menschen dafür.” Nicht nur der Winter, sondern in erster Linie menschliche Individuen “sendet er, fliehend, nur Ohnmächtige Schauer körnigen Eises In Streifen über die grünende Flur.

>>Merkur.de<<

“Insgesamt rund 80 Tonnen Bücher soll die Bibliothek der KU als Altpapier entsorgt haben – darunter große Teile der sogenannten Kapuzinerbibliothek. Bis heute sind die Umstände der Büchervernichtungsaktion nicht restlos geklärt. Am Montag erhob die Staatsanwaltschaft Ingolstadt Anklage wegen Untreue in fünf Fällen gegen die Bibliotheksdirektorin. Es geht um die Beseitigung von 14 wahrscheinlich wertvollen Büchern. Die Gerüchte hatten sich Anfang 2007 gehäuft. Unersetzliche Einzelstücke aus dem Bestand der Eichstätter Universitätsbibliothek seien in deutschen Antiquariaten aufgetaucht und tausende Bücher auf den Müll geworfen worden, hieß es. Kritiker sprachen von “Vernichtung von Kulturgut” und einer “zweiten Säkularisation”. Uni-Kanzler Gottfried Freiherr von der Heydte sah jedoch lange Zeit keinen Handlungsbedarf. Erst als dem Ingolstädter “Donaukurier” fünf historisch wertvolle Bände zugespielt wurden, die in einem Altpapiercontainer gelandet sein sollen, ging er den Vorwürfen nach.”

 

>>Frankfurter Rundschau<<

“Ohne Vorwarnung oder Begründung löscht Amazon das digitale Bücherregal einer Amazon-Kundin. Wer glaubt, ihm gehörten seine gekauften E-Books, der irrt. Sein digitales Bücherregal, gespeichert auf dem Kindle, so verheißt die Werbung, kann man immer dabei haben, egal wo. Zumindest bis Amazon sich entscheidet, es zu löschen. Einfach so, ohne Vorwarnung, ohne Begründung. Genau das soll einer norwegischen Frau passiert sein. … Als sie sich an die Amazon-Kundenbetreuung wendete, teilte diese ihr nur mit, dass ihr Konto geschlossen worden sei, alle Bestellungen gecancelt und alle gekauften Inhalte entfernt. Als Begründung gab der Konzern an, wie man in den veröffentlichten E-Mails nachlesen kann, man habe festgestellt, dass ihr Konto direkt mit einem anderen verbunden sei, das zuvor wegen Missbrauch der Nutzungsbedingungen geschlossen wurde.”

 

>>Potsdamer Neuste Nachrichten<<

“Einerseits erklärt die Bibliotheksleitung, dass die umstrittenen Titel zum Teil auf deutschen Bestsellerlisten standen. Andererseits: Dürfen absurde Verschwörungstheorien als normale Meinungsäußerung durchgehen? Nein, meint PNN-Redakteur Henri Kramer in seinem Kommentar. Natürlich sind es nur einige wenige Bücher mit rechtspopulistischem Inhalt, die in Potsdams Stadt- und Landesbibliothek angeboten werden. Allerdings könnte man auch kritisch anmerken: Es sind einige solcher Schriften zu viel. Es lässt sich nämlich trefflich argumentieren, dass in Zeiten, in denen im Internet jede noch so absurde Verschwörungstheorie und rechte Hetze jedweder Art als normale Meinungsäußerung durchgehen, solche Inhalte nicht noch in öffentlichen und von Steuergeldern bezahlten Bibliotheken angeboten werden müssen. Mit Zensur hätte das nichts zu tun: Es geht ja nicht um das Verbot solcher Bücher, die man ohnehin überall erwerben kann, die zum Teil sogar Bestseller sind.”

Sofern diese Bücher in öffentlichen Bibliotheken nicht auffindbar sind, kann man sie eben nicht überall bekommen und genau dass ist der Punkt: Bei der Geschichte des >>NS-Staates<< von 1933 bis 1945 oder der späteren >>Deutschen Demokratischen Republik<< gab es eine Vielzahl von “verbotenen Schriften” aber diese Verbote kamen nicht Übernacht, sondern wurde sukzessive eingeführt.  Die Geschichte lehrt: Die Anfänge sind Entscheidend – nicht das Ende.

>>Universität Leipzig<<

“Der Band »Heimliche Leser in der DDR« behandelt ein Phänomen, das dem geistig regen Bewohner des einstigen »Leselandes« und seinem westlichen Besucher bestens vertraut war: Man versuchte irgendwie an Literatur heranzukommen, die in der DDR ausgegrenzt oder verboten war. Dabei ging es nicht nur um Biermann und Bahro, sondern auch um Bravo und Erotika, um Bibeln und Orwell und um den Otto-Katalog. Der Leser erfährt, dass 42 000 Exemplare des Wachtturms in einen VW-Bus passen und wie sich Bücher am Besten im Eisenbahnklo verstecken ließen. Die Nervenanspannung bei der Zoll­kontrolle kommt dabei genauso zur Sprache wie die unwiderstehliche Anziehungskraft von Giftschränken in Bibliotheken und das Verlangen nach Westliteratur an den Leipziger Messeständen.”

Der Verlust der Meinungspluralität dürfte mit ein Grund sein, warum die DDR letztlich untergegangen ist: Konstruktive Kritik ist eben nicht gleichzusetzen mit feindlicher Agententätigkeit. Nur aus den Vergleich von unterschiedlichsten Sichtweisen, ist es mögliche sich eine eigene Meinung zu bilden – alles andere ist lediglich die Übernahme eines verordneten Konsens. >>Johann Wolfgang von Goethe Faust II<<Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß.

 

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