Zum Missbrauch freigeben: Im tiefen Sumpf des Verbrechens

Screenshot vimeo.com

Nach Auffliegen diverser Netzwerke von Missbrauch an Minderjährigen, lautet die stets unrühmliche Frage: Was wussten eigentlich Personen in Amt und Würden? Das aufgeführte Schauspiel, bei dieser Fragestellung, gleicht sich über Jahrzehnte frappierend. Nur befriedigende Antwort kommen recht selten ans Tageslicht.

>>Der tiefe Staat von Jürgen Roth (Buch) <<

“Die Enthüllungen des sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz im Frühjahr 2007 über einen sogenannten Sachsensumpf führten zu einem politischen Erdbeben. Alles Lüge, alles Erfindungen durchgeknallter Verfassungsschützer, tönte es aus der sächsischen Staatskanzlei und aus der sächsischen Justiz. Um trotz der vielen Dementis der Staatsregierung die zahlreichen Widersprüche aufzudecken, wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt. Er hatte die Aufgabe – und das beinhaltete den Sachsensumpf in seiner ganzen Dimension –, die Verantwortung »von Mitgliedern der Staatsregierung und von ihr beauftragter leitender Behördenvertreter« festzustellen, unter anderem für »etwaige schwerwiegende Mängel bei der Aufdeckung und Verfolgung krimineller und korruptiver Netzwerke unter Beteiligung von Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Justiz, Polizei … sowie gezielte Desinformation gegenüber der Presse und der Öffentlichkeit im Umfeld der Debatten um den sogenannten Sachsensumpf (kriminelle und korruptive Netzwerke in Sachsen)«. Dieser Ausschuss konnte zu keiner Aufklärung beitragen. Nach der Landtagswahl 2009 wurde daher ein neuer parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, um die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Sachsensumpf zu klären. Im Minderheitenbericht der Oppositionsparteien Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen lautete der zentrale Befund, dass durch Versäumnisse und Fehlentscheidungen »sowie ein politisches Klima der Abwiegelung und Abmoderation seitens der Staatsregierung eine tatsächliche, rechtsstaatliche Aufklärung der möglichen Existenz von Personengeflechten krimineller und korruptiver Netzwerke in Sachsen nie ernsthaft in Angriff genommen wurde und damit im Ergebnis (gezielt) verhindert worden ist«. Stattdessen wurde zur Verschleierung »ein regelrechtes Szenario entwickelt, in dem nicht davor zurückgeschreckt wurde, eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihrer beruflichen und sozialen Stellung regelrecht zu vernichten, teilweise mit erheblichen negativen Konsequenzen für ihre Gesundheit, bis zur vorzeitigen Versetzung in den (einstweiligen) Ruhestand wegen in der Folge eingetretener Dienstunfähigkeit«. Das geschah nach Einschätzung der Opposition auf sehr subtile Art und Weise, »in der hier scheinbar und allenfalls noch am Rande der Legalität vorgegangen wurde«. Klaus Bartl, der Obmann des parlamentarischen Untersuchungsberichts, sprach von »weißer Korruption«. Und Johannes Lichdi von Bündnis 90/Die Grünen sagte: »Die Kernfrage war ja: Gibt es, gab es korruptive Netzwerke im Freistaat Sachsen? Nach unserer Überzeugung ist es bisher nicht nachgewiesen, dass es diese korruptiven Netzwerke gegeben hat.”

 

>> Die Zeit des Schweigens ist vorbei von Mandy Kopp (Buch) <<

“Die Angst, einfach erschossen zu werden. Mitten im Ort, auf dem Parkplatz des Supermarkts. Oder nachts im Bett. Zwanzig Jahre Angst, dass diese Arschlöcher ihre Drohung wahr machen. Bis heute schützt uns die sächsische Regierung nicht ernsthaft. Selbst jetzt nicht, wo so vieles bekannt ist aus dem »Sachsensumpf«, die Fehler, die Vertuschungen, die Verstrickungen. Immer noch sind wir die Zielscheibe, immer noch sind diese Schweine nicht zur Rechenschaft gezogen. Stattdessen sitzen wir auf der Anklagebank – »wir«, das sind die Frauen, die sich »freiwillig prostituiert« haben. Die man ohne Probleme im Gerichtssaal mit »Prostituierte« anreden konnte. Minderjährige waren wir! Und keine erwachsenen Frauen, die sich aus welchen Gründen auch immer in die Hände eines Zuhälters begeben haben. Selbst sonst eher kritische Medien haben diesen Begriff einfach verwendet – und uns damit ein zweites Mal benutzt. Von »ehemaligen Prostituierten« und von »fürstlichen Bezahlungen« ist in der Presse die Rede. Von »blühender Phantasie«, »blindem Jagdeifer« und jeder Menge »heißer Luft« spricht selbst Ministerpräsident Georg Milbradt. Opfer haben keine Lobby. »Fräulein Schmidtmann, war es nicht so, dass Sie in der Zeit, in der Sie im Jasmin waren, geschlagen werden wollten?«, fragte mich Kuglers Anwältin während des Prozesses gegen den Zuhälter. Klar. Aber sicher wollte ich das. Die traurige Wahrheit ist, dass ich tatsächlich irgendwann lieber geschlagen als ständig vergewaltigt werden wollte. Die Schläge haben meiner Psyche den Weg geebnet, nichts mehr außer Taubheit zu spüren. Weggedroschen. Eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Aber keine, die Freiwilligkeit impliziert. Ob sich das die Herren im feinen Zwirn vorstellen können? Eher nicht. Sonst hätten sie nicht bei Vierzehnjährigen von »Prostituierten« gesprochen, als sei es ein logischer Schritt von einer Ausreißerin zu einer, die die Beine breit macht – noch dazu für eine »fürstliche Entlohnung«. Was will so eine denn noch vom Leben, ist doch fein! Das bisschen Gewalt, tja, das gehört dazu, wenn man sich sehenden Auges in dieses Milieu begibt.”

 

>>Welt<<

“Wer wusste wann was und hat wie gehandelt? Im Fall eines wohl jahrelang sexuell missbrauchten Jungen aus dem Breisgau ist unklar, warum das Martyrium des Neunjährigen nicht früher beendet werden konnte. Denn das Jugendamt hatte die Familie im Blick – und das seit Jahren. … Der Lebensgefährte der Mutter ist nach Angaben der Ermittler einschlägig vorbestraft, lebte aber dennoch mit der 47-Jährigen und dem Kind zusammen. Die Frau soll den heute Neunjährigen seit 2015 im Internet angeboten haben – gegen mehrere Tausend Euro für Sexspiele.”

Ratsam solche Meldungen genau zu lesen: “Die Frau soll den heute Neunjährigen seit 2015 im Internet angeboten haben …” In der Tat gib es solche Plattformen: Um diese Art Geschäfte – auch anonym – abzuwickeln, aber dazu ist eine erhebliche Menge an Kenntnisse und Erfahrungen unabdingbar. Alleine bei diesen Punkt sind Zweifel an der amtlichen Darstellung angebracht. “Denn das Jugendamt hatte die Familie im Blick – und das seit Jahren.” Die Frage lautet wohl eher, was man sehen, beziehungsweise nicht wollte?

Screenshot presseportal.de

>>Presseportal<<

“Insgesamt befinden sich damit in diesem Ermittlungskomplex acht Verdächtige in Untersuchungshaft. Es handelt sich in diesem Komplex um den schwerwiegendsten Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern, der vom LKA BW bislang bearbeitet wurde. ”

 

>>Presseportal<<

“Zusatz für die Redaktionen: Der vorliegende Sachverhalt steht nicht im Zusammenhang mit den am 11. Januar 2018 veröffentlichten Pressemitteilungen “Pädophilenring zerschlagen…” des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg und der zuständigen Staatsanwaltschaften in Freiburg, Karlsruhe und Kiel.”

Alleine die bekannten Informationen zeigen, dass diese pädophilen Kreise sich offenbar untereinander bestens kennen. Trotz gegenteiliger Erkenntnisse: Allen amtliche Protagonisten wird pauschal die Unschuld unterstellt und die Staatsanwaltschaft behauptet es bestehe kein Zusammenhang mit anderen Pädophilenringen. Johann Wolfgang von Goethe: “Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

 

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