Ägypten: Eltern müssen verstorbenes Kind exhumieren

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Nähe des Grabes zu muslimischem Friedhof versetzt die Dorfgemeinschaft in Aufruhr

Am 26. Juli starb der elfjährige Samer in seinem Heimatdorf El-Kefah an einer angeborenen Erkrankung. Doch nachdem seine christliche Familie ihn auf einem eigens dafür erworbenen Grundstück beerdigt hatte, regte sich Widerstand unter den örtlichen Muslimen.

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Von Open Doors

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Nach massivem behördlichem Druck sah die Familie sich gezwungen, das Grab zu öffnen und ihren Sohn andernorts zu begraben. Doch sie hoffen weiter.

Gerichtliche Auflage: Beerdigung in 100 km Entfernung

Samers Tod hat seine Familie hart getroffen. „Er hatte immer ein Lächeln auf dem Gesicht“, beschreibt seine Mutter Mary Farag ihren verstorbenen Sohn. Wegen einer angeborenen Erkrankung habe er häufig gesundheitliche Probleme gehabt und fortwährend unter Schmerzen gelitten. „Aber für uns war er unser ‚kleiner Engel‘.“

Nach Samers Tod suchte sein Vater Mark Maher Nazeer, wie in solchen Situationen üblich, die örtlichen Behörden auf. Er wollte dort den Tod seines Sohnes melden und eine Sterbeurkunde ausstellen lassen. Doch er stieß auf unerwarteten Widerstand: „Der Beamte sagte mir, dass ich die Sterbeurkunde meines Sohnes erst dann bekomme, wenn wir ihn aus seinem Grab holen. Als Christ könne er nicht so nahe an einem muslimischen Friedhof beerdigt werden. Ich diskutierte mit ihm und erklärte, dass wir das Land legal als Begräbnisort gekauft hatten. Trotzdem kehrte ich mit leeren Händen nach Hause zurück.“

Doch damit nicht genug. Bei seiner Rückkehr erwarteten ihn Polizeibeamte und nahmen den trauernden Vater mit der Begründung fest, er haben seinen Sohn illegal beerdigt. Das örtliche Gericht verurteilte ihn nach zweitägiger Verhandlung zur Zahlung einer Geldstrafe und wies Mark an, den Leichnam seines Sohnes in 100 km Entfernung von seinen Heimatdorf zu beerdigen. Daraufhin legte er gemeinsam mit seinem Anwalt Berufung ein.

Traumatische Erfahrung für Mutter und Geschwister

Kurz darauf wurde der öffentliche Bus angehalten, mit dem Mark nach Hause fuhr. Er musste aussteigen und wurde erneut verhaftet. Diesmal bestand sein „Verbrechen“ in der Berufung gegen die Entscheidung des Richters. Wieder vor Gericht wurde Mark massiv unter Druck gesetzt und gezwungen, seinen Berufungsantrag zurückzuziehen. Er musste seine Familie anrufen und sie anweisen, sofort Samers Leichnam auszugraben, andernfalls werde er nicht freigelassen. Auf einem Video, das Mark einem Partner von Open Doors zeigte, ist zu sehen, wie ein kleiner Sarg mit einem Kreuz auf dem Deckel ausgegraben wird; im Hintergrund ist das verzweifelte Weinen seiner Mutter Mary zu hören. Das Geschehen war für sie, wie auch für Samers drei Brüder, eine zutiefst traumatische Erfahrung. Sie sagt: „Ich kann den Anblick meines Sohnes nicht vergessen, nachdem wir ihn vom Friedhof entfernt hatten. Meine Kinder und ich hatten Nervenzusammenbrüche, wir können nicht gut schlafen.“

Ihr größter Wunsch ist, Samer in der Nähe ihres Hauses begraben zu können. Sie wollen Gerechtigkeit für ihren Sohn, vor allem aber sehnen sie sich danach, ihn angemessen zu betrauern.

Gerade in ländlichen Gebieten Ägyptens ist die Feindschaft gegen Christen tief im Denken der muslimischen Mehrheitsbevölkerung verankert. Davon sind auch staatliche Institutionen betroffen, so dass immer wieder Beamte passiv oder auch aktiv an der Verfolgung beteiligt sind.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Ägypten an 16. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

 

–W E R Β U Ν G–

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