Arme Rentner und der demographische Kollaps: “Wir können uns keine Kinder leisten”

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Zum Mitschreiben: Die Rente ist sicher“ – Für dem ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm dürfte diese Aussage über seinem Tod hinausragen. Sogar ein Artikel des Deutschen Bundestages führt diese Aussage als Überschrift an. Zwar musste sich Norbert Blüm dafür Gegenwind gefallen lassen, aber letztlich: Er sollte am Ende doch recht behalten.

Norbert Blüm: „Zum Mitschreiben: Die Rente ist sicher“

>>Deutscher Bundestag<<

„Die junge Generation spielte auch in der Rede von Sozialminister Norbert Blüm die entscheidende Rolle. „Die erste Maxime dieser Rentenreform heißt: die Generationssolidarität durch Generationsgerechtigkeit stärken.“ Die finanziellen Folgen des demografischen Wandels könnten jedoch nicht allein von den Jungen getragen werden. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, meinte der Abgeordnete Wolfgang Vogt (CDU/CSU). Und Blüm warnte: „Spielt nicht Jung gegen Alt aus.“

Norbert Blüm: „Spielt nicht Jung gegen Alt aus“

Grundsätzlich hatte Norbert Blüm durchaus mit Recht behauptet: „Die Rente ist sicher“ – Allerdings wurde das Rentensystem bewusst gegen die Wand gefahren. Das Rentensystem ist auf den sogenannten „Generationenvertragaufgebaut. Kurzum: Die jüngere Generation sichert die ältere Generation finanziell ab. Jedoch solche Systeme können nur mit Kindern funktionieren. Die weit verbreitete Kinderlosigkeit und der damit verbundene demographische Wandel dürften wohl weniger gesellschaftliche Ursachen, sondern mehr finanzielle Gründe haben. Vereinfacht: Kinder muss man sich halt leisten können. Doch alleine die Sozialabgaben lassen hierbei kaum einen Spielraum zu.

„Obergrenze für Sozialabgaben: 40 Prozent“

>>Handwerksblatt.de<<

„Obergrenze für Sozialabgaben: 40 Prozent – „Wir müssen die magische Marke von 40 Prozent unbedingt einhalten“ … . ZDH-Präsident betont: „Gerade für das personalintensive Handwerk ist es wichtig, dass die Sozialversicherungsbeiträge nicht weiter ausufern. Schon die 40 Prozent markieren für viele Betriebe eine schmerzhafte Grenze, aber mit einer noch höheren Belastung wäre die maximale Belastungsgrenze endgültig überschritten.“

„Die Sozialversicherungsbeiträge nicht weiter ausufern“

Bei genauer Betrachtung wird die sogenannte „40-Prozent-Marke“ schon längst nicht mehr eingehalten: In dieser Rechnung bleibt der Arbeitnehmeranteil an den sozialen Abgaben praktisch unberücksichtigt.

Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge – Warum Brutto nicht gleich Brutto ist

>>Haufe<<

“ Arbeitnehmeranteil/Sozialversicherung – Die Pflichtbeiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind grundsätzlich je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzubringen.“

Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherungsbeiträge: „Je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzubringen“

Außerdem kommen noch die üblichen Steuern obendrauf. Zu allen Überfluss: Auf den allermeisten „Lohnzetteln“ taucht nichtmal der echte „Bruttolohn“ auf: Die wahren Kosten der Steuer- und Abgabenlast lassen sich zwar errechnen, aber die werden für gewöhnlich nicht separat aufgeführt.

Was der „Lohnzettel“ für gewöhnlich verschweigt

Auf der anderen Seite haben die ganzen Sozialämter eine Art von modernes „Schattenreich“ gebildet. Über die sogenannte „versicherungsfremden Leistungen“ sind nur sehr wage Informationen erhältlich. Über die Verwaltungskosten der „sozialen Ämter“ ist noch viel weniger zu erfahren. Über die manchmal im Raum geworfene Zahlen lassen sich keine verlässlichen Schlüsse ziehen und Fragen hierzu bleiben meist unbeantwortet. Dabei muss jedes börsennotierte Unternehmen mehr Transparenz an den Tag legen.

„Versicherungsfremden Leistungen“ – Die geheimen Schattenhaushalte der Sozialämter

Zwar mögen sich die „Sozialversuchungen“ noch „Sozialversuchungen“ nennen, aber Ende stellen sie nur eine Umverteilung von Unten nach Oben dar: Denn selbst ein Geringverdiener muss die volle Belastung tragen, während gleichzeitig Beamte und Politiker hiervon großzügige Befreiungen in Anspruch nehmen.

Üppige Altersbezüge für Beamte: Warum die gepredigte Solidarität an der eigenen Brieftasche endet

Obwohl sie die „Sozialsysteme“ nach eigenen Gutdünken verwalten: Trotzdem wollen sie selbst davon nicht viel wissen. Sprich: Ohne jemals in ein Rentensystem eingezahlt zu haben, steht ihnen eine üppige Pension zu. Beiträge zur Arbeitslosenversicherung müssen sie selbstredend auch nicht einzahlen und selbst das gesetzliche Krankenkassensystem scheint ihnen in der Mehrheit zuwider zu sein: Denn die private Krankenkasse wird für Beamte und Politiker großzügig bezuschusst. Überspitzt: Die Grenzen der allseits gepredigten Solidarität scheinen also beim eigenen Vorgarten schon erreicht zu sein. Allerdings ist die Steuerlast mindestens genauso Ungleich verteilt.

„Abstand aufkommensstärksten Steuern“ – Unter- und Mittelschicht trägt die Hauptsteuerlast

>>Bundeszentrale für politische Bildung<<

„Die Umsatzsteuer (einschließlich Einfuhrumsatzsteuer) und die Lohnsteuer (nach Abzug des Kindergeldes) waren … Abstand aufkommensstärksten Steuern.“

Umsatzsteuer und Lohnsteuer: Wie der Fiskus sich bereichert

Die Umsatzsteuer – respektive Mehrwertsteuer – und Lohnsteuer stellen also die mit Abstand aufkommensstärksten Steuerarten dar: Doch genau diese Steuerarten müssen hauptsächlich die Unter- und Mittelschicht zahlen. Die finanzielle Luft um überhaupt Kinder zu bekommen: Die ist also sehr dünn geworden.

“Wir können uns keine Kinder leisten.”

>>Andreas Lorenz<<

“Wir können uns keine Kinder leisten.” – Nicht selten hört man diese Antwort von kinderlosen Paaren als Rechtfertigung für Ihr Leben in Zweisamkeit.“

„Können wir uns ein zweites Kind leisten?“

>>Betreut.de<<

„Können wir uns ein zweites Kind leisten? – Finanzielle Aspekte der Familienplanung … Denn, auch wenn Geld nicht alles ist, und die Entscheidung für ein weiteres Kind selbstverständlich nicht ausschließlich auf finanziellen Überlegungen basieren sollte, ist die Frage nach der Finanzierbarkeit mehrerer Kinder durchaus legitim.“

„Frage nach der Finanzierbarkeit mehrerer Kinder durchaus legitim“

Gefühlt zahllose Foreneinträge und Artikel drehen sich um finanzielle Fragen rund um Kinderkriegen herum. Der demographische Wandel und die Folgen für die Rentenversicherungrespektive Generationenvertrag – sind demnach wohl kaum vom Himmel gefallen, sondern wurden letztendlich über die Steuer- und Abgabenlast wesentlich mitentschieden. Norbert Blüm hatte mit seiner Aussage recht durchaus gehabt: „Die Rente ist sicher“ – Aber auch ein sicheres Auto kann man mit Absicht gegen die Wand fahren.

 

–W E R Β U Ν G–

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