Corona-Hexen-Jagd

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Die Corona-Hexenjagd jagt keinen Virus. Gejagt werden jene, die Fragen in Viruszeiten stellen: Danach, wie denn die täglichen Todes-Zahlen ermittelt werden, danach, ob man denn die Corona-Infektion mit der Grippe vergleichen kann, danach, warum denn die Aussetzung der Grundrechte gesund sein soll.

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Von Uli Gellermann

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Hexen als Konkurrenz zur Religion

Hexen und Hexer waren meist kundige Menschen, die im Mittelalter als Konkurrenz zum religiösen, zum allein selig machenden Wissen auftraten. Diese Konkurrenz musste ausgegrenzt, gern auch auf Scheiterhaufen verbrannt werden. So richtig brennen muss bei uns heute keiner mehr, der eine andere Meinung hat. Es reicht, die Abweichler mit Dreck zu bewerfen, die aus der Gesellschaft auszuschließen, sie zu Parias zu machen.

Lehrmeinung infrage gestellt

Eine ganze Reihe von Ärzten und Wissenschaftlern hatte es gewagt, die offizielle, vom Robert-Koch-Institut und der Regierung verbreitete Lehrmeinung infrage zu stellen: Der Lungenfacharzt Dr. Wodarg, der Infektionsepidemiologe Dr. Sucharit Bhakdi, die Virologin Prof. Dr. Karin Mölling zum Beispiel. Wenn die bestimmenden Medien sie und ihre Fragen und Einwände überhaupt wahrnehmen wollten, dann wurden sie der allgemeinen Verachtung preisgegeben.

Den schwedischen Weg ignoriert

Dass es ein ganzes Land gibt, dass einen anderen Weg zur Virus-Bekämpfung geht, dass die Schweden ihre Grundschulen geöffnet halten, ihre Läden und Restaurants auch, dass selbst in Skigebieten der übliche Betrieb läuft, ist in Deutschland kaum bekannt. Der oberste schwedische Epidemiologe, Anders Tegnell, ist gegen eine Ausgangssperre. Das ignorieren deutsche Medien ebenso konsequent wie stumpfsinnig.

Die „Anstalt“ primitiv

Die Beton-Meinung deutscher Medien wurde am klarsten, wenn man sich ein Medium ansah, das lange Zeit dem deutschen Mainstream-Einerlei eine gewisse Würze hab: Die ZDF-Satire-Sendung Die Anstalt. Die dort agierenden Herren von Wagner und Uthoff galten als echte Alternative, als intelligent und integer. Doch von Wagner und Uthoff, zurück im Amts-Funk, nahmen sich in widerlich primitiver Weise den Arzt Dr. Wodarg vor. Der schwer erträgliche Höhepunkt der Sendung war ihr Spott über die langen Haare des Arztes, eine kleinkarierte Anmerkung, die man zuletzt von den Spießern der 60er Jahre hatte hören können. Die fachliche Kritik der beiden Kabarettisten an Dr. Wodarg, deren medizinische Praxis sich auf das Ausdrücken von Pickeln beschränkt, war von ähnlicher Qualität wie ihre ästhetische Meinung.

Zweifel als Handwerkzeug der Welt-Erkenntnis

Früher, vor Corona, war es guter Brauch linker Intellektueller, gesellschaftliche Erscheinungen von zumindest zwei Seiten zu betrachten. Der Zweifel gehörte zum wesentlichen Handwerkzeug der Welt-Erkenntnis, zu fragen war die erste Pflicht der Aufklärer. Vor allem, wenn es um die Beschädigung der Grundrechte, um die verbrieften Freiheiten ging.

Grundgesetz versus Infektionsschutzgesetz

Jüngst gab es tatsächlich Menschen, die in Berlin mit einer öffentlichen Kundgebung versuchten, dem Grundgesetz und seinem Artikel 8 Geltung zu verschaffen: „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln“. Ein Recht, das seitdem Frau Merkel ein allgemeines Kontaktverbot ausgesprochen hat, vom Infektionsschutzgesetz abgelöst worden ist.

Alternative Medien als Brandstifter

Dass Konform-Medien wie die Tagesschau in abweichenden Meinungen Verschwörungstheorien entdecken, war zu erwarten. In gewohnt schlichter Manier wird behauptet: „Alternative Medien als Beschleuniger“. Mit Bedacht wird hier ein Wort gewählt, das in der Nähe des „Brandbeschleunigers“ liegt. So, als trügen die alternativen Medien Schuld an der Ausbreitung des Virus. Das überschätzt nicht nur die Reichweite dieser Medien, das soll sie auch zu Schuldigen machen, als ob sie die Verantwortung für ein kaputtgespartes Gesundheitssystem hätten.

„taz“ diffamiert

Besonders wütend reagierte die einst linksalternative „taz“ auf jene Meinungen, die von der Norm abwichen. Sie diffamierte die aktiven Verteidiger des Grundgesetz als Verschwörungstheoretiker und kam zu der entlarvenden Überschrift „Mit Grundgesetz gegen den Verstand“, als seien Grundgesetz und Verstand ein Gegensatzpaar. Dass die Zeitung damit nur ihren Mangel an demokratischem Verständnis markierte, fiel ihr offenkundig nicht auf.

Panik zur Verschleierung

Den Gegnern einer offenen Diskussion über die Corona-Lage ist nicht einsichtig, dass sie sich als Anhänger des Panik-Lagers erklären und sich so auf die Seite jener schlagen, die seit Jahr und Tag für den schleichenden Bankrott des Gesundheitswesens zuständig sind. Für die Verantwortlichen dieser ruinösen Politik kommt die allgemeine Panik zur Verschleierung ihrer schweren Fehler gerade recht. Gestern war das Groko-System zuständig für den Niedergang des Gesundheitswesens, heute heute verbreitet es Hysterie als Alternative zur notwendigen Rück-Verstaatlichung deutscher Krankenhäuser, zur Aufhebung des Profit-Systems.

Berlin Verschärfung, NRW Umdenken

Während der rot-rot-güne Berliner Senat einen Bußgeld-Katalog zur Verschärfung der Ausgangsmodalitäten veröffentlicht, beginnt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Umdenken. Er richtet ein Gremium ein, dass die Regierung bei der Exit-Strategie beraten soll: „Wir müssen heute damit beginnen, anhand transparenter Verfahren Kriterien und Maßstäbe für die Öffnung des sozialen und öffentlichen Lebens zu entwickeln“. An der Spitze der Berliner Verbote steht der Bürgermeister einer linken Regierung, der sagt wirklich: „Wer seine Wohnung ohne triftigen Grund verlässt, muss zwischen 10 und 100 Euro an Bußgeld bezahlen“.

Spaziergänge über den Rosa-Luxemburg-Platz

Wann der Abbau der Grundrechte sein Ende finden wird, ist noch unklar: Zu verlockend ist die Ermächtigung zum Kommando-Staat, zu bequem ein Durchregieren ohne Opposition und Protest, zu gefügig hat die Bevölkerung bisher alle Befehle hingenommen. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) geht davon aus, dass die Abstandsregelungen wegen der Corona-Pandemie das ganze Jahr lang gelten könnten. Wenn dabei dieser oder jener aufklärende Hexer auf der Strecke bleibt, gilt er als Kollateralschaden für die Volksgesundheit. Der „Krieg gegen den Virus“ ist längst zum Krieg gegen die Vernunft geworfen. Das neue Mittelalter könnte siegen, wenn die Gegenwehr schwach bleibt.

 

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